Der Aischgrund ist für seine Weiherlandschaft und die Karpfenzucht weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Unzählige Teichwirte leben hier davon, Speisekarpfen zu produzieren. Damit könnte es aber schon bald vorbei sein: Der Fischotter ist im Anmarsch. Fällt der in einen Weiher ein, bleibt von den Fischen nicht mehr viel übrig.

"Wenn nach Kormoran und Biber auch noch der Fischotter kommt, werden viele das Handtuch werfen", ist sich Martin Oberle, Leiter der für ganz Bayern zuständigen Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft des Landwirtschaftsministeriums, sicher.

Einer, bei dem der Fischotter schon aktiv ist, ist Fischzüchter Hans Klupp aus der Oberpfalz. Er ist Vorsitzender des Fischerzeugerrings in seinem Bezirk und für ihn ist die Lage bereits "dramatisch". Aus Tschechien und Österreich ist der unter Schutz stehende Marder in den Bayerischen Wald eingezogen. Hier gab es rund tausend auch kleinste Betriebe, in denen Forellen gezüchtet wurden. "Die Hälfte davon hat ihren Betrieb schon eingestellt", sagt Klupp.

Inzwischen frisst sich der Otter auch schon durch die großen Karpfenbetriebe im Raum Tirschenreuth. Von 250 haben bereits 80 aufgegeben. Und das verändert auch die Landschaft. Klupp: "Ein Teich, der nicht genutzt wird, erhält sich nicht." Dauerhaft können da auch Entschädigungszahlungen nicht mehr helfen. Laut Klupp wurden in der Oberpfalz 2017 Schäden durch den Fischotter in Höhe von 250 000 Euro gemeldet. In diesem Jahr wird sich die Schadenssumme auf eine Million Euro erhöhen.

Der Oberpfälzer ist "skeptisch, dass die traditionelle Teichwirtschaft künftig noch möglich ist". Für junge Leute sei es keine Perspektive, einen Teichwirtschaftsbetrieb zu übernehmen. Weil die Teiche in er Oberpfalz häufig von dichten Wäldern umgeben sind, sind das für den Fischotter ideale Bedingungen, um zu wüten. In Franken liegen viele Teiche an Ortsrändern, was das possierliche Tier noch etwas abhalten könnte, meint Klupp.

Sich mit Zäunen um den Teich vor dem Otter zu schützen, wie von manchen Tierfreunden gefordert, sei für ihn keine Option. Ein Hektar Weiherfläche hat 400 Meter Ufer. Bei 100 Euro Kosten pro Meter Zaun wären das 40 000 Euro. "Das verdient ein Teichwirt im ganzen Leben nicht", sagt Klupp.
Die städtische Gesellschaft begreife die bäuerliche Mentalität nicht, stellt der Fischzüchter fest. Teichwirte arbeiten nicht, um Kormoran und Fischotter zu füttern, sondern müssen von der Vermarktung ihrer Speisefische leben.

Noch genießt der Otter seitens der Behörden vollen Schutz. Klupp rechnet aber damit, dass die Regierung bald "eine Genehmigung zur Entnahme" erteilen wird. Wer das schlaue Tier dann aber wie bejagen soll, ist für ihn noch offen. Seine Prognose für die Zukunft der Teichwirtschaft ist "sehr schlecht, aber realistisch".

Martin Oberle kennt die Situation in der Oberpfalz. Über den Bayerischen Wald und Niederbayern ist der Fischotter auch schon in Teile Oberfrankens vorgedrungen. Nachdem auch schon ein Dechsendorfer Teichwirt verdächtige Spuren gemeldet hat, installierte Oberle eine Kamera. Ergebnisse stehen noch aus.

"Der Fischotter wird zu uns kommen", ist Oberle überzeugt, "die Frage ist nur, wie gehen wir damit um." Der promovierte Karpfenexperte fürchtet, die Schäden könnten so groß werden, dass sie die Teichwirtschaft nicht aushält.


Hundert Jahre kein Thema

Oberle blickt zurück: Der Fischotter ist bei uns heimisch. Schon 1876 stellte der Staat Gelder zur Verfügung, um ihn zu bekämpfen. Im Aischgrund war er in den vergangenen hundert Jahren kein Thema mehr, um 1940 galt er gar als ausgestorben. Der Fischotter frisst nicht nur jede Menge Fische, er kann auch in eine Art Blutrausch kommen. Dann tötet er nur und lässt die Fische liegen.

Für Helmut König, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach, ist der Fischotter noch nicht da. König glaubt, dass es nicht so schlimm wird, wie jetzt prognostiziert. Der Fischotter sei auf saubere Gewässer angewiesen, die Teiche im Aischgrund seien aber relativ trüb. Für den Naturschützer versuchen die Betroffenen jetzt, viel Wind zu machen, damit sie gehört werden. Trotzdem müsse man sich Gedanken machen, sagt König. Der BN erkenne, dass es ein Problem ist, und werde sich um den Fischotter kümmern.