"Das ist kein Showtanz", sagt Gisela Ottenschläger. Jedes Mal, wenn sie mit ihrem meditativen Tanzkreis tanzt, ist sie von der besonderen Stimmung ergriffen. "Beten mit den Füßen" nennt das die Schlüsselfelderin und wirkt dabei sehr ernst. Einem größeren Publikum ist Ottenschläger durch ganz andere Tänze, nämlich durch ihre Inszenierungen beim Schlüsselfelder Fasching, bekannt geworden.
Das hier ist etwas ganz anderes. Wenn sich die 15 Frauen im Altarraum der Kirche versammeln und sehr ruhig und gefasst einen Kreis formen, greift die Atmosphäre auch auf den Zuschauer über. Die Frauen sind jung oder auch nicht mehr ganz jung, katholisch oder evangelisch, aus Schlüsselfeld oder aus verschiedenen umliegenden Gemeinden. Allen gemeinsam ist, dass sie aus dem Tanz Kraft und Ruhe schöpfen wollen.
"Ich muss im Alltag runterkommen", sagt Gisela Ottenschläger. Das gebe ihr diese Art zu tanzen. Nach einem schweren Schicksalsschlag in noch sehr jungen Jahren hatte sie ihren Glauben "ein Stück weit verloren". Das Beten mit den Füßen habe sie in verschiedenen Klöstern gelernt. "Ich nahm Ruhe und Kraft mit nach Hause", erzählt sie. Der meditative Tanz habe sie wieder zum Glauben zurück geführt.

Hilfe in schweren Zeiten


Gundi Pröls hat die heilsame Wirkung des meditativen Tanzens in einer schweren Zeit erfahren. "Man kann dadurch abschalten und die Seele neu auftanken." Das habe ihr sehr geholfen in der Zeit der schweren Krankheit ihres Mannes und dann in der Zeit der Trauer.
Seit etwa zwei Jahren gibt es den meditativen Tanzkreis. Die Frauen treffen sich einmal im Monat im Pfarrheim. Normalerweise tanzen sie für sich allein. Sie tanzen "durchs Kirchenjahr", das heißt, sie nehmen tanzend die Zeiten des Kirchenkalenders auf. Licht im Dunkel oder Ermutigung zum Warten beispielsweise sind Themen im Advent. Zu Ostern wird die Auferstehung, die Freude und das Wachsen tänzerisch empfunden. Sie tanzen auch die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. "Beim Feuer wird es sehr schnell, da wird es einem richtig heiß", erklärt Gisela Ottenschläger. Die Erde hingegen werde "ganz nach unten in die Erde hinein" getanzt.
Am vergangenen Sonntag bot sich beispielsweise für den Kreis die Möglichkeit, im Erntedankgottesdienst zu tanzen. Während Gisela Ottenschläger die Schritte vorgibt, sind Marion Jäger und Doris Paszek für die Vorbereitung und Einbindung in die Liturgie zuständig.

Die Atmosphäre ist wichtig


Ein Dank-Tanz zur Eröffnung, ein Loblied auf den Schöpfer, ein Halleluja für die ganze Welt und ein rhythmisches Shalom zum Friedensgruß werden mit Musik unterlegt und von Meditation und Texten begleitet. Für das Wasser wird mit einem traditionellen indianischen Tanz gedankt.
"Es muss alles stimmig sein", sagt Gisela Ottenschläger. Sie meint damit allerdings nicht die Tanzschritte - "Fehler gibt es bei uns nicht" -, sondern vielmehr die Atmosphäre im Kreis der Frauen. Deshalb treffen sie sich, um sich einzustimmen, trinken erst mal Kaffee zusammen. Sie gestalten auch internationale Abende mit landestypischen Gerichten. "Wir hatten bereits einen griechischen, einen italienischen und einen russischen Abend."