Immer wieder blieben in den vergangenen Tagen und Wochen vor dem früheren Schleckermarkt an der Hauptstraße Passanten stehen und schauten neugierig durch Glastür und Fenster. Es tat sich nämlich was im Untergeschoss des Fachwerkhauses. Ab Montagmittag ist die Herzogenauracher Gastronomie-Scene um eine Attraktion reicher. Tang Than Binh eröffnet mit ihrem Mann Quack Phuoc Long ein japanisches Restaurant.

"Ich glaube, dass das "Kaizen" die Herzogenauracher Gastro-Szene gut bereichern wird", sagte am Freitagabend Bürgermeister German Hacker (SPD) und verwies dabei auch auf die vielen Nationalitäten, die in Herzogenaurach eine Heimat gefunden haben. Das Frankenland und insbesondere der Charme Herzogenaurachs hatten Tang Than Binh dazu bewogen, sich in Herzogenaurach niederzulassen. "Ein bisschen hab ich mich schon in die Stadt verliebt", erzählt sie lächelnd, außerdem hat sie einige Bekannte bei Herzogenauracher Unternehmen.

Das Paar kommt im Grunde aus der Gastronomie-Scene. Der 38-jährige Quack Phuoc Long kam im Alter von zwei Jahren nach Deutschland, seine Eltern eröffneten in Treuchtlingen ein japanisches Restaurant und der Sohn lernte bei seinem Vater als Koch. Tang Than Binh kam als 19-jährige zum Studium nach Deutschland, sie studierte Germanistik und wollte eigentlich Dolmetscherin werden. Während des Studiums lernte sie ihren jetzigen Ehemann kennen, gab ihren Berufswunsch auf und arbeitete auch im Restaurant in Treuchtlingen. "Nach einer schweren Erkrankung des Schwiegervaters musste das Restaurant in Treuchtlingen aufgegeben und verkauft werden", erzählt die Pächterin.


Markt wurde umgebaut

Das Paar wollte aber unbedingt wieder in einem Restaurant arbeiten und selbständig werden. Die Suche dauerte nahezu zwei Jahre und sie grasten Nürnberg nach geeigneten Räumlichkeiten ab. Dass Ulrich Bogen einen Nachmieter für den Schleckermarkt suchte und sie schließlich zueinander fanden, war für beide Seiten ein Glücksfall.

"Ich glaube, bessere Mieter hätte ich nicht finden können, in die Räume wollten ja alle möglichen Leute rein, angefangen von Ein-Euro Läden bis sonst was, die passen aber doch nicht in die Innenstadt", erzählte Vermieter Bogen.

Aber: Die Räume waren ja für einen Verkaufsmarkt eingerichtet, mussten also dementsprechend eingerichtet und modernisiert werden. "Die beiden sind mit vollem Engagement an das Projekt rangegangen, so richtig mit Herzblut und haben unwahrscheinlich viel selbst gemacht", zeigte sich Bogen von dem aktiven Paar begeistert.
"Kurze Wege - frisch auf den Tisch" ist die Devise. Und das ist wörtlich zu nehmen, so kommen die Sushi mit einem Band, das inmitten des Restaurants verläuft. Es ist ein doppelstöckiges Transportband. Das untere Band wird gekühlt und das obere Band beheizt. Weil bei einem solchen Laufband die Tische zu Beginn eigentlich "bevorzugt" werden, hat sich Bogen eine Besonderheit einfallen lassen. Die Bänder können gegensätzlich geschaltet werden und der Gast öffnet ein Schiebefenster und nimmt das Schälchen mit dem Inhalt heraus. Natürlich gibt es auch noch eine warme Küche mit einem weiteren Koch und das bestellte Essen sowie Getränke werden serviert.


Kein Fisch aus dem Käfig

In ihrer Zeit, in der das Paar in Deutschland lebt, konnten sie natürlich mit der "Rohware" viel Erfahrung sammeln. "Japaner achten genau auf Frische und Qualität und bei uns wird es zum Beispiel keinen Fisch geben, der in Käfigen aufgewachsen ist", erzählt Quack Phuoc Long, der das Band mit frisch zu zubereiteten Speisen bestücken wird.

Die Japaner verzichten auf jegliche Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Vielleicht ein Geheimnis, warum die Japaner um einiges älter werden. "Das japanische Essen ist sehr gesund und auch schmackhaft", sagt Tang Than Binh.

Bleibt noch die Frage zum Namen des Restaurants. "Kaizen" ist eine japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie, in deren Zentrum das Streben nach ständiger Verbesserung steht. Der Begriff Kaizen ist in Deutschland nicht unbekannt, wird dies doch in vielen Firmen angewandt und auf Managerschulungen vermittelt.

Oberstes Ziel sei es nämlich, mit ausgezeichneter Qualität höchste Kundenzufriedenheit zu erzielen. "In über 15 Jahren haben wir viele Facetten erfolgreicher fernöstlicher Gastronomie kennen gelernt", erklärte das Ehepaar. Angeboten wird asiatische Küche aus Japan, China und Vietnam - "dem Land unserer Vorfahren". Das Restaurant mit seinen 60 Sitzplätzen hat sieben Tage geöffnet.