So lange haben die Kandidaten und ihre Parteien auf die bayerische Landtagswahl 2018 hingearbeitet - und so schnell ist sie schon Geschichte. Die Wahl hat das politische Bild im Freistaat ordentlich durcheinandergewirbelt. Die Aussagen der meisten Spitzenpolitiker am Sonntagabend ähnelten sich: Man werde nun in die Analyse gehen. Zum analysieren lädt auch die Übersicht über die Ergebnisse im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt ein (siehe Seite 11). Welche Gemeinde spiegelt den bayerischen Durchschnitt wider, wo waren Parteien außergewöhnlich stark?

Astrid Marschall, Direktkandidatin für die Grünen, freut der Blick auf die politische Landkarte des Stimmkreises: "Das ist wirklich entzückend. Alles ist schwarz, bis auf ein kleines, grünes, gallisches Dorf." In Buckenhof kam Marschall auf 31,33 Prozent der Erststimmen und war damit die stärkste Kandidatin. Walter Nussel (CSU), der sonst in jeder Gemeinde die meisten Stimmen holte, kam dort nur auf 23,34 Prozent - das schwächste CSU-Ergebnis im gesamten Stimmkreis.

Wie kommt's? "Wir haben in Buckenhof schon immer sehr gute Ergebnisse erzielt", sagt Astrid Marschall. "Obwohl wir dort keinen Ortsverband haben. Wir waren aber viel dort unterwegs und haben Haustürwahlkampf gemacht." In ihrer Heimatgemeinde Eckental schnitt sie mit 25,84 Prozent der Erststimmen ebenfalls gut ab: "Ich bin da aufgewachsen. Deswegen freut es mich total, dass mir so viele Eckentaler ihr Vertrauen schenken."

Nussel holt Direktmandat

Walter Nussels Gesamtergebnis im Stimmkreis liegt mit 34,97 Prozent etwas hinter dem bayernweiten CSU-Ergebnis (37,2 Prozent). Dennoch holte er sich ungefährdet das Direktmandat und zieht erneut in den Landtag ein. Verglichen mit der Landtagswahl 2013 hat er allerdings deutlich eingebüßt (damals 41,1 Prozent der Erststimmen). Solche Zahlen erreichte er nur noch punktuell, wie in Aurachtal, Heßdorf (beide 41,43) und Wachenroth (41,27).

Hiersemann zeigt sich enttäuscht

Stichwort "eingebüßt": Die SPD um Direktkandidatin Alexandra Hiersemann musste auch im Höchstadter Stimmkreis eine herbe Niederlage einstecken. 2013 holte sie glatte 24 Prozent der Erststimmen, am Sonntag nur noch knapp mehr als die Hälfte. Besonders schmerzen da Resultate wie aus Wachenroth mit nur 6,79 Prozent. Ausreißer nach oben sind Uttenreuth (19,39), Bubenreuth (17,66) und ihre Heimatgemeinde Marloffstein (17,47).

Das SPD-Ergebnis sei "wahnsinnig bitter", sagt Hiersemann. "Ich bin aber keine von denen, die jetzt fordern, dass Köpfe rollen müssen." Ob sie es selbst ein weiteres Mal in den Landtag geschafft hat, war bis Redaktionsschluss noch fraglich.

Auch ohne Direktmandat könnte es für Christian Enz von den Freien Wählern für einen Platz im Landtag reichen. "Das wird eine knappe Kiste", sagte Enz am gestrigen Nachmittag. Ein zusätzliches Überhangsmandat für die Freien Wähler in Mittelfranken werde es wohl geben, noch unklar war, wer es bekommt. Der Höchstadter Enz war in seiner Heimat besonders stark (20,10 Prozent), holte sein bestes Ergebnis allerdings in der Nachbargemeinde Lonnerstadt, wo er auf 21,83 Prozent der Erststimmen kam und damit hinter Nussel auf Rang zwei. "Das hat mich sehr positiv überrascht, dafür bin ich sehr dankbar." Ganz anders in Marloffstein: Dort kam Enz nur auf 6,43 Prozent und musste ganzen fünf Konkurrenten den Vortritt lassen. "Wir tun uns traditionell schwer in großstädtischen Räumen. Herzogenaurach liegt ja nahe an Nürnberg, und auch in den Gemeinden um Erlangen. Aber wir haben auch dort zugelegt. Ich bin dankbar dafür, wie es gelaufen ist." Auch wenn das Zittern um das Mandat bis zum Schluss geht.

AfD freut sich über Ergebnis

Zufrieden mit seinem Abschneiden war Michael Meister aus Herzogenaurach, der für die AfD ins Rennen ging. Mit insgesamt 9,46 Prozent der Erststimmen blieb er zwar nicht nur hinter Walter Nussel, sondern auch knapp hinter Alexandra Hiersemann und Christian Enz zurück, erzielte aber beispielsweise in Mühlhausen mit 16,12 Prozent ein beachtliches Ergebnis. "Dass ich im Kreis mehr Erststimmen geholt habe, als die Partei Zweitstimmen, zeigt mir, dass meine persönliche Themensetzung besser war." Mit mehr bayerischen Themen hätte die AfD aus Meisters Sicht noch Wähler gewinnen können, die nun ihr Kreuz bei den Freien Wählern gemacht haben. Als weniger AfD-affin zeigten sich im Stimmkreis die Spardorfer, die Meister mit 4,36 Prozent noch hinter den FDP-Kandidaten Boulent Ekrem wählten (5,69 Prozent).

Hohe Wahlbeteiligung

Noch bevor am Sonntagabend die ersten Prognosen bekanntgegeben wurden, gab es Berichte über die außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung in Bayern. 72,4 Prozent der Wahlberechtigten waren es am Ende, die ihre Kreuzchen machten - die höchste Beteiligung seit 1982.

Im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt liegt die Quote sogar noch höher, mit 77,44 Prozent. In Buckenhof war mit 92,24 Prozent nahezu die gesamte Gemeinde ins Wahllokal gegangen, während Lonnerstadt mit 69,51 Prozent das Schlusslicht in der Statistik bildet.