Astrid Marschall ist sich bewusst, worauf sie sich da eingelassen hat: "Mein Mann hat mich gebeten, das Ganze bis zum Ende durchzudenken." Sie tritt für die Grünen bei der Landtagswahl an, als Direktkandidatin im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt. Dazu steht sie im Bezirk Mittelfranken auf Listenplatz neun. Ein Einzug in den Landtag ist nicht ausgeschlossen. "Bei den aktuellen Umfrageergebnissen weiß man nicht, was raus kommt."

Gemeinderat, Kreistag, Landtag?

Politische Ämter sind Astrid Marschall nicht fremd: Sie sitzt im Gemeinderat ihrer Heimatgemeinde Eckental, ist zudem Kreisrätin. "Ich komme aus sehr politischem Hause", sagt sie. Ihr Großvater war Gerhard Wende, der für die SPD selbst rund 30 Jahre um Kreistag saß. "Er war mein politischer Mentor", blickt Marschall zurück. "Er ist der Grund, warum ich heute hier sitze."

Landtagsabgeordnete zu werden, sei für sie aber nie ein Ziel gewesen. "Ich habe mich dann mit meinem Mann geeinigt: Wenn sie mich fragen, dann probiere ich's." Gesagt, getan, gewählt worden.

Nun blickt sie gespannt dem Ergebnis der Landtagswahl entgegen: "Wenn es so kommen sollte, dann würde sich schon einiges ändern." Drei Tage in der Woche müsste sie wohl nach München pendeln und den neuen Posten mit ihrem Privatleben unter einen Hut bringen: "Ich bin bei einer Partei, die sich familienfreundlich schimpft. Das muss funktionieren", sagt sie und lacht.

Eines ihrer Hauptthemen ist die Bildung, genauer gesagt das Thema Inklusion. Als Mutter einer Tochter mit Halbseitenlähmung sei sie seit Jahren damit in Berührung: "Ich habe viele Pädagogen im Freundeskreis, die erzählen alle die gleiche Problematik." Die Lehrer würden im Umgang mit Schülern mit besonderen Anforderungen alleine gelassen, es fehle Unterstützung. "Dabei ist Lehrer so ein toller Beruf."

Häufiger in den Westen

Als Eckentalerin verschlägt es Astrid Marschall im Wahlkampf nun häufiger in den westlichen Teil des Landkreises. "Wenn man mal nach Vestenbergsgreuth fährt, dann fällt einem erst auf, wie breit der Landkreis ist." In Herzogenaurach sei sie mittlerweile so oft gewesen, dass sie schon gefragt werde, ob dort ihre zweite Heimat sei. Und auch wenn in manchen Orten - wie in Höchstadt - die Grünen lokalpolitisch kaum eine Rolle spielen, funktioniere dort der Kontakt zum Wähler: "Wir können als Grüne mittlerweile Wahlkampf machen, ohne dass die Leute davon laufen."

Wichtig sei ihr, dass die Bürger überhaupt wählen gehen. "Hauptsache nicht die AfD. Wer sich mit unserer Geschichte auskennt, der kann das nicht wollen. Für mich ist das keine Alternative." Was ihr eigenes Ergebnis angeht, bleibt sie noch zurückhaltend: "Ich nehme die aktuellen Umfragen wahr und als Ansporn, um weiterzumachen. Mein Wunschziel wären natürlich starke Grüne."

Ein weiteres Kernthema in ihrem Wahlkampf: Flächenverbrauch. Erst vor Kurzem besuchte sie deshalb mit dem Spitzenkandidat der Grünen, Ludwig Hartmann, das Höchstadter Aischpark-Center. Auch das Neubaugebiet "Seeside" in Adelsdorf hat sie sich schon aus der Nähe angesehen: "Da bin ich extrem erschrocken, muss ich ehrlich sagen. Das ist ja quasi eine neue Stadt, die da entsteht." Ihr fehle dort das Konzept: "Verdichten ist ja gut, aber die Frage ist, wie man verdichtet."

Treffen war entscheidend

Marschalls Entscheidung, sich verstärkt in der Politik zu engagieren, sei von einem Treffen mit Anton Hofreiter, dem heutigen Vorsitzenden der grünen Bundestagsfraktion, geprägt worden. "Ich war vorher schon häufiger angesprochen worden, um für die Grünen auf die Liste zu gehen." Dann habe sie bei einer Veranstaltung ein Gespräch mit Hofreiter geführt. "Er ist in die Politik auch eher reingerutscht", sagt sie. "Für mich ist er einer der inhaltlich besten Politiker der Grünen, auch wenn er vielleicht kein großer Rhetoriker ist." Nach dieser Begegnung sei sie in die Partei eingetreten.

"Ich habe Kinder. Ich will die Zukunft so mitgestalten, dass ich sagen kann: Die können hier ohne Probleme weiterleben", erklärt sie ihre Motivation. "Aktuell sind die Probleme nicht klein. Aber ich bin Optimistin und will mit anpacken."