Ein "Grüß Gott" aus russischem Mund ist selten, auch in Höchstadt mit seiner langjährigen Partnerschaft mit Krasnogorsk bei Moskau. Gegrüßt hat so Anastasia Gudkova, als Bürgermeister Gerald Brehm (JL) die Gäste aus der Partnerstadt empfing. Die 23-jährige Studentin der Politikwissenschaft aus der Partnerstadt lernt erst seit einem halben Jahr Deutsch und gehört den sieben jungen Frauen, die zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse für 14 Tage hierher kamen.

Organisiert wurde diese neue Form des Austausches über das hiesige Gymnasium und sein Gegenstück in Opalicha. Diese beiden Schulen organisieren seit vielen Jahren einen Schüleraustausch auf Gegenseitigkeit.
Deutsch als zweite Fremdsprache ist beliebt. Und die Sprache und die Menschen vor Ort kennenzulernen, ist sicher der Wunsch vieler Schüler.

"Es war sehr spannend für mich", sagt denn auch Daria Krotkova. Die 15-Jährige war jeden Tag für vier Unterrichtsstunden in der 9c des Höchstadter Gymnasiums; eine Mitschülerin stand ihr als Tutorin zur Seite. Hier sei alles anders, bestätigt auch Elena Dildina, die begleitende Deutschlehrerin aus Opalicha: "Schon allein das Klassenzimmer finden ..."

Zwei Stunden am Tag förderte sie ihre Schülerinnen in der deutschen Sprache. Es war für sie schon recht anstrengend, dem deutschen Unterricht zu folgen. So sagt auch Olga Spizina: "Die Stunden waren sehr ungewöhnlich." Offenbar hat ihr Biologie besonders gefallen, besonders die Stunde, in der die Klasse in den Wald ging und "sehr viele Pflanzen gesucht hat".

Verwirrendes Notensystem

"Eine echte deutsche Schule mit interessanten Fächern, die es in Russland nicht gibt", ist der Eindruck der zwölfjährigen Dascha Dildina. Verwirrend war für sie das Notensystem. In Russland ist die beste Note die Fünf, die schlechteste die Eins. "Die darf aber nicht gegeben werden, weil es so deprimiert."

Für die Lehrerin war der Austausch "Landeskunde pur, ein Eintauchen in die deutsche Kultur." Auch den Alltag erleben: einkaufen, Haushalt. Und die Sprache anwenden. Am Samstag, so erzählte Elena Dildina, stand ein Ausflug nach Nürnberg mit Besuch des Dürerhauses auf dem Programm. Geführt wurde die Gruppe von einer "fränkischen Agnes Dürer". Das schönste für die Lehrerin war, als danach Olga Spizina zu ihr kam und sagte, dass sie alles verstanden habe.

Gut ist bei allen angekommen, dass sie in Gastfamilien mit Kindern untergebracht waren. "Wir haben Fränkisch gelernt", sagt auch Lubawa Vinokurova, eine Journalistikstudentin aus Krasnogorsk. Für die 21-Jährige war es schon überraschend, dass sie in einer Schule hospitieren sollte. Sie hatte aber auch Gelegenheit, hiesigen Zeitungsleuten über die Schulter zu schauen.

Schöne Erinnerungen bleiben sicher die Ausflüge, die Jugendpflegerin Julia Weiland für alle organisiert hat. Bedauerlich war nur, dass von den Gastkindern kaum eines mitmachen konnte, zu voll war deren Vor-Ferien-Schulprogramm. Für Julia Weiland war die Freizeitbetreuung dieser Gruppe ein Pilotprojekt, denn sie will die Partnerschaft unter der Jugend voranbringen.

Deshalb besuchte sie mit der Höchstadter Gruppe im Juni Russland. Dort hat sie die Jugendbeauftragte von Krasnogorsk kennengelernt. Ihre Kollegin sprach eine Einladung für zehn Höchstadter Jugendliche aus, an einem großen Treffen mit Jugendlichen aus allen Partnerstädten von Krasnogorsk teilzunehmen. "Russisch-Kenntnisse sind keine Voraussetzung", betonte Höchstadts Jugendpflegerin.

Alle waren gespannt auf die Präsentation, die die jungen Russinnen über ihre Eindrücke gemacht haben. Was ist ihnen besonders ins Auge gesprungen? Der Karpfen Fridolin, Bratwürste und Klöße, ganz ausdrücklich: die Sauberkeit, das "Traumkleid" Dirndl und "dass es keine Schuluniform gibt und man in Shorts in die Schule darf". Und: "Wir haben bei der WM beim Endspiel mitgefiebert."