Wenn es nach den Delegierten der CSU Kreisverbände Erlangen und Erlangen-Höchstadt geht, gilt für Stefan Müller, den derzeitigen Bundestagsabgeordneten für den mittelfränkischen Wahlkreis, auch im Wahljahr 2013 das US-amerikanische Credo "Four more years". Zwar ohne weiß-blauen Konfettiregen und tosende Kampfkandidatur, dafür aber mit einem deutlichen Ergebnis schickten die Delegierten den aus Großenseebach stammenden Familienvater erneut ins Rennen um vier weitere Jahre im Bundestag.

Müller bekam am Montagabend bei der Wahlveranstaltung im Redoutensaal in Erlangen 121 von 129 abgegebenen Stimmen. Mit nur vier Gegenstimmen und vier ungültig gewerteten ergibt das eine Zustimmung von fast 94 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Ein Ergebnis ohne Diskussionsbedarf; zumindest für Joachim Herrmann, der als Wahlleiter fungierte. Der Bayerische Innenminister und Bezirksvorsitzende der CSU Mittelfranken fasste die Stimmung der Parteimitglieder im Wahlkreis zusammen: "Stefan Müller genießt großes Vertrauen bei den Bürgern. Wir sind stolz auf unseren Mann in Berlin." Das zehnjährige Jubiläum als Abgeordneter sei eine Bestätigung für die erfolgreiche Arbeit des jungen Kandidaten, so die Feststellung Herrmanns.


Karriere führt bis nach Nordkorea

Müller holte seit 2002 bereits drei Mal das Direktmandat. Im Jahr 2005 setzte er sich gegen die sozialdemokratische Kandidatin Renate Schmidt durch. 2009 holte er 45,1 Prozent der Erststimmen. Der frühere JU-Bayern-Vorsitzende ist seit 2009 Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe in Berlin. Als Vorsitzender der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe reiste er im Oktober in das asiatische Land. Mit inbegriffen: ein Kurz-Besuch in Nordkorea. Zuletzt saß er beim Koalitionsgipfel um Betreuungsgeld, Praxisgebühr und Rentenkonzept mit am Tisch.

Eine steile Karriere des heute 37-Jährigen also, in einem Alter, bei dem andere zum ersten Mal kandidieren.
Dementsprechend selbstsicher geht der Zögling der Erlangen-CSU in das Wahljahr. In seiner Rede ließ er die großen Entscheidungen der schwarz-gelben Koalition im Bund Revue passieren. Ob Euro-Rettung, Steuerpolitik, Energiewende oder Betreuungsgeld, Müllers Fazit: "Wir können im nächsten Jahr mit gutem Gewissen vor die Wähler treten."


Schwarz-gelbe Erfolge aufgelistet

Man habe die Regierungsgeschäfte im Jahr 2009 nach der Großen Koalition auf dem Höhepunkt einer Wirtschaftsflaute übernommen. Über die Jahre sei es gelungen, einen weiteren Abwärtstrend zu stoppen. Die Senkung von Sozialabgaben und die Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen seien zwei Beispiele für den Erfolg der Koalition.

Dennoch konnte er sich eine Anspielung auf den liberalen Koalitionspartner nicht verkneifen. So habe es mit nichten an der CSU gelegen, dass sich dieletzten Koalitionsverhandlungen über ganze acht Stunden hin zogen, sondern an einem der Koalitionspartner. "Und damit ist nicht die CDU gemeint, falls es hier zu Spekulationen kommt", fügte er scherzend hinzu.

Zum Betreuungsgeld habe es in den Kreisverbänden in der Vergangenheit teils unterschiedliche Auffassungen gegeben, meinte Müller in seinem Bericht an die Delegierten. Aber er sei froh, dass sich die Regierung auf diese Familienpolitik geeinigt hat: "Bei Ein- bis Zweijährigen geht es nicht um Bildung, sondern um Bindung", sagte er mit dem Vorwurf auf eine von der Opposition betriebene Ideologisierung in der Familienpolitik. "Das Betreuungsgeld stellt erst die Wahlfreiheit her, damit sich Eltern dazu entscheiden können, ihr Kind zu Hause zu behalten und nicht in eine staatliche Einrichtung zu bringen."


Autobahnausbau steht auf Agenda

Für die Region sieht Müller zwei Hauptziele: Die Stärkung des Wissenschafts- und Technologiestandorts und die Verkehrsinfrastruktur. Letzteres umfasst den dreispurigen Ausbau der A3, Ortsumgehungen in Gremsdorf und Höchstadt sowie den Lärmschutz an der A73 und der Bahnstrecke durch Erlangen. Die Gelder seien zwar noch nicht abrufbereit, aber er sehe die Projekte für das nächste Jahr in der Planung. Eine Ankündigung, deren Umsetzung spannend bleibt, denn bereits im Jahr 2009 standen zumindest die beiden Autobahnen im Wahlkreis auf der Tagesordnung.


Unterstützung von OB Balleis

Auch in Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) hat der Abgeordnete Müller einen Unterstützer seiner erneuten Kandidatur gefunden: "Dass mit dem Max-Planck-Institut in Erlangen eine Ausdehnung der Wissenschaftslandschaft geschaffen wurde, ist auch sein Verdienst." Balleis vertraue nun darauf, dass Müller auch die Ansiedlung des Helmholtz-Instituts in der Studentenstadt "politisch flankiert".


Wahlkampf ist eingeläutet

Nach SPD, Grünen und FDP ist mit der CSU nun der Reigen der Direktkandidaten der Etablierten komplett. Mit breiter Brust tritt die CSU zum vierten Mal mit Stefan Müller an und hofft auf die Wiederwahl. Ob sich der Kandidat durch seine bundespolitische Erfahrung gegen die Herausforderer, wie etwa die Sozialdemokratin Martina Stamm-Fibich durchsetzen kann, wird auch die allgemeine Zufriedenheit der Wähler mit der Merkel-Koalition im nächsten Herbst entscheiden.

Am Montagabend bat Stefan Müller die Delegierten bescheiden um eine "Vertragsverlängerung". Diese ist ihm von seinem Kreisverband ausgestellt worden. Um eine Erneuerung des Mandats muss er nun im Wahlkampf mit den Mitbewerbern fechten.