"Ich bin stolz, Herzogenauracher zu sein", verkündete Hans Wormser am Donnerstagabend. Als erster Bürger der Stadt erhielt der Unternehmer die Ehrennadel für wirtschaftliche und kulturelle Verdienste um seine Heimat.
Der 1948 als Sohn einer alteingesessenen Herzogenauracher Familie geborene Wormser musste früh lernen, Verantwortung zu übernehmen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der damals 23-Jährige die Leitung des Familienunternehmens. Heute zählt die Spedition mit ihren Niederlassungen in Deutschland, Tschechien, Polen und der Slowakei zu den führenden mittelständischen Transportlogistikunternehmen Europas. Hinzu kommen zahlreiche Autohäuser.

"Die Firma ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Metropolregion Nürnberg", betonte Bürgermeister German Hacker (SPD) in seiner Ansprache. Besonders würdigte er Wormsers Einsatz im Bereich der Jugendförderung. Die zweite Leidenschaft des Unternehmers gilt der Musik. Von 1981 bis 1990 fungierte er als Präsident der Stadtjugendkapelle. Als Geschäftsführer und Vorsitzender des Orgelbauvereins St. Otto spendete er zwei Kirchenglocken. Zudem bringt er sich bis heute in leitender Funktion in den Musikrat des Landkreises ein.
Genau wie Hans Wormser ist auch Renate Frötsch in der Nachkriegszeit groß geworden. Als tausendste Einwohnerin ihrer Heimatgemeinde Niederndorf kam sie 1949 zur Welt. Bereits seit ihrer Jugend engagiert sie sich in der dortigen Pfarrgemeinde St. Josef. Und auch die Feierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen Niederndorfs gestaltete sie federführend mit. Seit 1990 wurde sie insgesamt viermal für die CSU in den Stadtrat gewählt, wo man ihre fachliche Kompetenz ebenso schätzte wie ihre Kompromissbereitschaft.

Immer noch engagiert

Genauso großes Vertrauen seitens der Wählerschaft wurde Elke Krause entgegengebracht. Auch die geborene Wilhelmshavenerin wirkte 24 Jahre lang im Stadtrat mit. Während dieser Zeit hat sie nicht nur in allen Ausschüssen mitgearbeitet, sondern war zwischen 1998 und 2004 sogar Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat. Ganz losreißen kann sich die leidenschaftliche Rollerfahrerin aber noch nicht vom Ehrenamt: Aktuell organisiert sie Mittagstische für Senioren.

Als Dritte im Bunde der ehemaligen Stadträtinnen bekam Doris Wüstner die Bürgermedaille der Aurachstadt verliehen. Ihr Hauptanliegen während ihrer 24-jährigen Amtszeit bestand in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit den Worten "Gebt euren Beruf nie auf" wandte sie sich vor Jahren an alle Frauen. Von 1996 bis 2008 hatte die CSU-Politikerin das Amt der Dritten Bürgermeisterin inne. Nun freut sich die Kreistagsabgeordnete aber darauf, eine "Oma ohne Terminkalender" zu sein.

Ein Herzogenauracher Original

Ein echtes Herzogenauracher Urgestein ist Fritz Welker, dessen Apotheke im Herzen der Stadt liegt. Ebenfalls vier Amtsperioden lang fungierte der Kräuterexperte für die Freien Wähler als "Sprachrohr der Innenstadt" im Stadtrat. Dabei stand er seinen Mitmenschen nicht nur mit fachkundigem Rat zur Seite, sondern nahm sich auch allen Anliegen jenseits der Gesundheit unbürokratisch an. 1987 war er es, der den Antrag auf eine offizielle Städtepartnerschaft mit dem französischen Sainte Luce stellte.

Weltgewandt ist auch Helmut Fischer. Ob Königin Silvia von Schweden, Diego Maradona oder Usain Bolt - er kennt sie alle und alle kennen ihn. Als Werbeleiter und Gesicht von Puma Deutschland ist der gebürtige Herzogenauracher aus seiner Heimatstadt nicht mehr wegzudenken. Weil sich Fischer von klein auf für Fußball begeisterte, gab es für ihn nur den Weg zu einem der ortsansässigen Sportartikelhersteller.

Mindestens genauso bekannt ist Fischer in der Region als begeisterter Fotograf. So war er nicht nur Gründungsmitglied des städtischen Fotoclubs, sondern auch Herausgeber zahlreicher Bildbände über Franken und die Aurachstadt. Für sein Engagement in diesem Bereich sowie in zahlreichen anderen Vereinen erhielt auch er eine Bürgermedaille. Einen großen Traum möchte sich der 64-Jährige nun noch erfüllen: ein Puma-Museum in Herzogenaurach.

Ein vorbildlicher Klimaschützer

Ebenfalls für seine großen Verdienste um die Stadt ehrte man Johannes Kollinger. 1998 wurde Kollinger Gründungsmitglied der Agenda 21 und damit zum Vordenker in Sachen Klimaschutz. Tatkräftig unterstützt er aktuell das lokale Energiewendekonzept und leistet mit seinen ehrenamtlichen Energieberatungen einen wesentlichen Beitrag zu dessen Umsetzung. Mithilfe der von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen konnte das Jugendhaus Rabatz seinen Verbrauch an Strom und Gas beispielsweise bereits um über 40 Prozent senken.

Erst im Sommer hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, die Form seiner offiziellen Ehrungen zu überarbeiten. Anstelle der Stadtmedaillen in Silber und Gold werden nun Bürgermedaillen und Ehrennadeln verliehen. Bei der Bürgermedaille liegt der Schwerpunkt auf langjährigem Ehrenamt. Die Ehrennadel hingegen zielt darauf ab, herausragende Leistungen zu würdigen. Beide Auszeichnungen sind als gleichwertig zu betrachten.

Und auch der Rahmen der Feierlichkeiten im Sitzungssaal des Rathauses wurde verändert: Statt auf klassische Musik setzte man in diesem Jahr auf moderne Klänge. Und das kam an: Thomas Schönfelder, Werner Pfannerer, Tassilo Pesold und Jojo Schmid ernteten für ihre Darbietungen der Titel "Son of a preacher man" und "Irgendwann bleib' I dann dort" besonders viel Beifall.