Für Thomas Vogler müssen die Sprachheilschule der Stadt Erlangen und des Landkreises Erlangen-Höchstadt sowie das Sonderpädagogische Förderzentrum Erlangen so etwas wie Heimat gewesen sein. Er hat in diesen Einrichtungen über 35 Jahre seines Lebens als Lehrer verbracht, davon 34 Jahre als Schulleiter. Damit ist Vogler auch einer der dienstältesten Schulleiter Bayerns.

"Als Jungspund baute ich 1979 entgegen vieler Widerstände und Bedenken im Auftrag der Regierung von Mittelfranken eine Sprachheilschule auf, damit ging ein Traum in Erfüllung", erzählt Vogler zufrieden lächelnd. Im Vordergrund standen immer die Kinder. "Kein Kind soll verloren gehen" war in all den Jahren seine Devise. Dass es auch "seine" Kinder sind, sieht man daran, dass ihm immer ein fröhliches "Hallo Herr Vogler" entgegenschallt, wenn er ihnen in den Gängen oder auf dem Schulhof begegnet.

Nie sei er ein Einzelkämpfer gewesen, man hätte auf ihn im Team zählen können, betont Konrektorin Beate Riehl-Apel. Nach dem Motto "lieber ein Gespräch mehr" wusste er auch mit den Anliegen der Eltern immer gut umzugehen, erzählt sie.

Thomas Vogler, Sohn eines Opernsängers und einer Pianistin, vergleicht die Arbeit eines Schulleiters mit der eines Dirigenten: Man bestimmt, welches Instrument wann zum Einsatz kommt, man gibt den Takt vor und sorgt für ein gutes Gesamtergebnis.

Der Gesang ist ein Hobby

Der Gesang wurde ihm mit in die Wiege gegeben, er singt im Heßdorfer Singkreis und ist immer mal wieder als Solist zu hören, so auch bei Benefizkonzerten für die Schule. Dass der Klang am Förderzentrum stimmt und die Schule richtig gute Musik macht, ist seit vielen Jahren vor allem der Verdienst von Vogler und seinen Lehrkräften.

In all den Jahren etablierte er sich als Anwalt der Kinder, als gefragter Berater in Sachen Sprachstörungen, aber auch in anderen Behinderungsfällen. Vogler blickte über den Tellerrand "Schule" hinaus und versuchte, außerschulische Hilfen einzubinden. So entstand im Laufe der Jahre ein umfangreiches Netzwerk mit Kinderärzten, Kinder- und Jugendpsychiatern, Therapeuten, Fördereinrichtungen, Horten und Lernstuben sowie Jugend- und Gesundheitsamt. Und im Laufe seiner Dienstzeit überprüfte er weit über 1000 Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder Behinderung und beriet deren Eltern umfassend.

Alle gewonnen Informationen wurden, wenn die Eltern einverstanden waren, zusammengeführt und als Synergieeffekt zum Wohle des jeweiligen Kindes nutzbar gemacht. Letztlich war es stets für alle Beteiligten eine "win-win"-Situation, wie es Vogler selbst bezeichnet. "Je früher die Kinder gefördert werden, desto besser sind die Aussichten, dass sie ihren Weg ins Leben finden und einmal auf eigenen Füßen stehen werden", erklärt der Schulleiter.

Es geht nicht nur um Noten

Im Förderzentrum gibt es viele Projekte, die Kindern und Jugendlichen ermöglichen, neben den intellektuellen Fähigkeiten auch künstlerische und praktische Veranlagungen weiter zu entwickeln. Vogler ging es immer um die Gesamtentwicklung des Kindes und nicht nur um die Verbesserung schulischer Leistungen.

Im Förderzentrum Erlangen siedelte Vogler zusätzlich zum staatlichen Personal eine Zweigstelle einer ergotherapeutischen und einer logopädischen Praxis an, die vor Ort Therapieeinheiten anbieten. Der scheidende Schulleiter zeichnet verantwortlich für zwei Schulhäuser mit 340 Kindern in 21 Klassen und drei Vorschulgruppen.
Aufgrund seiner langjährigen Dienstzeit und durch seine Beliebtheit darf sich Vogler sicher auf einiges gefasst machen bei seiner Abschiedsfeier, die am Donnerstag, 24. Juli, in der Turnhalle des Förderzentrums stattfindet.