Nur selten dürfte der Blick auf die Tabelle derart schwer gefallen sein, wie zum Ende der Handball-Bezirksoberliga-Saison 2014/2015. Platz 4 und eine magere Ausbeute von 25 Punkten standen für die Turnerschaft Herzogenaurach (TSH) zu Buche. Das Ziel, bis zum Schluss ganz oben mitzumischen, musste schon Wochen vor dem letzten Spieltag verworfen werden. Die vergangenen Spielzeit war demnach nicht das Jahr der TSH. Trotzdem ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit. Denn im Vergleich zu 2013 war das ein Fortschritt.

Vor zwei Jahren auf Fahrstuhlrang

Damals hatten die Auracher das letzte Saisonspiel in der Schlusssekunde mit einem Tor Unterschied verloren, der Herzogenauracher Männerhandball stand vor dem Aus. Als Drittletzter der BOL Ostbayern beendete die TSH eine turbulente Saison auf dem ungeliebten Fahrstuhlrang - der Ligaverbleib lag nun an den Ergebnissen höherklassiger Mannschaften. Schließlich kam die damalige Rumpftruppe mit einem blauen Auge davon und durfte ein weiteres Jahr in der höchsten Spielklasse des Bezirks antreten.
Der diesjährige vierte Tabellenplatz stellt sich aus heutiger Sicht jedoch als durchwachsenes Ergebnis dar. Immerhin hat sich seitdem viel bei den Herzogenaurachern verändert. Mit Ingo Kundmüller übernahm ein neuer Spielertrainer das Ruder, dem es gelang, die personellen Kapazitäten seiner Mannschaft ausschlaggebend zu erweitern. Nur ein Jahr nach dem glücklichen Klassenerhalt sicherten sich die Herzogenauracher unter ihm einen respektablen zweiten Platz und sorgten für spürbaren Aufwind im Verein.

Dritte Mannschaft im Spielbetrieb

Zahlreiche neue Spieler entschieden sich im vergangenen Sommer für einen Wechsel an die Aurach. Erstmals wurde eine dritte Herrenmannschaft gemeldet. Dem stark verjüngten Reserveteam gelang mit Unterstützung der ersten und dritten Mannschaft der Aufstieg in die Bezirksliga. Und auch die dritte Garde beendete die Spielzeit als Vizemeister der Bezirksklasse positiv. Und wie ist nuin der vierte Rang der Ersten einzuordnen?
Ein zufriedenstellendes Resultat, das jedoch im Schatten der eigenen Erwartungshaltung steht. Im Vergleich zur Vorsaison gab es kaum Abgänge, dafür eine lange Verletztenliste. Im Gegenzug ergänzten vier junge und teilweise erfahrene Hoffnungsträger den Kader des damaligen Vizemeisters, bei dem sie sofort Verantwortung übernehmen mussten. Und Kundmüller sah sich gezwungen, die spielgestaltende Rückraum-Achse komplett umzubauen und das System daran anzupassen.
Ein Unterfangen, das sich für die Truppe um den Spielertrainer als schwer herausstellte: "Wenn man derart viele Leistungsträger ersetzen muss, muss wirklich alles von Beginn an klappen. Jeder Neuzugang muss integriert werden und darf sich keine Eingewöhnungsphase erlauben", analysiert Kundmüller. "Die nötige Schonfrist für den komplett neuen Rückraum wurde uns von externen Beobachtern nicht gegeben. Alles hätte auf Anhieb funktionieren sollen", kritisiert der 37-Jährige.
Zudem mangelte es trotz des breiten Kaders besonders auf den beiden Halbpositionen oftmals an Alternativen. Immerhin gingen mit Thomas Janson, Max Kaltenhäuser, Gregor Hübner, Florian Heimpel und Markus Hentschke vier Mannschaftstützen aus den Vorjahren schwer verletzt oder angeschlagen in die Spielzeit und konnten nur teilweise mitwirken.

Drei knappe Hinrunden-Pleiten

Der erhoffte Platz an der Sonne rückte daher schon zu Saisonbeginn in weite Ferne. Auf die Anfangseuphorie folgten knappe Niederlagen. Lediglich eine der vier Hinrundenpleiten endete mit mehr als zwei Toren Differenz. "Das war ärgerlich, weil wir in all diesen Spielen die Möglichkeit hatten zu gewinnen", resümiert Kundmüller. Davon ließen sich die TSH-Ballwerfer nicht beirren. Es folgte inklusive Pokalwettbewerb ein bemerkenswerter 22:2-Lauf, der das Team auf Platz 2 katapultierte. Das Ziel der Schuhstädter schien wieder realisierbar.
Erneut war es ein Last-Minute-Punktverlust gegen Auerbach, der die aufgekeimten Aufstiegshoffnungen endgültig vernichtete. "Dieser Punktverlust nach hoher Führung hat uns sehr wehgetan. Da haben wir unser ganzes Selbstvertrauen innerhalb von wenigen Minuten verspielt", erinnert sich der TS-Coach. Vier Pleiten zum Schluss verhagelten eine ordentliche Bilanz. Den unbedeutenden Endspurt nutzte Kundmüller, um Talente wie Marco Loncar oder Markus Theiss Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen sammeln zu lassen. "Beide haben sich toll entwickelt und wachsen mehr und mehr in das Mannschaftsgefüge hinein", lobte er.

Alle Spieler haben zugesagt

Inzwischen hatten alle Beteiligten Gelegenheit, die Spielzeit aus einer gewissen Distanz Revue passieren zu lassen. Zudem wurde die Personalplanung weiter vorangetrieben. "Alle Spieler haben für die kommende Saison zugesagt", freut sich Kundmüller. "Die Mannschaft hat ein hartes Lehrjahr hinter sich gebracht und noch viel Potenzial." Dazu stoßen die früheren A-Junioren des HC Erlangen, Jendrick Großhauser und Pascal Will (beide Jahrgang 1996).