Als Martin Exner 2014 seinen ersten Ausflug mit dem Motorrad auf die Rennstrecke machte, war er sofort Feuer und Flamme: "Ich bin direkt Zeiten auf einem Niveau gefahren, an das manche bis heute nicht herangekommen sind." Mit dem Gesamtsieg bei der Triumph-Challenge 2019 hat seine Leidenschaft ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der angesehene Hobby-Markenpokal war in der Vergangenheit für viele Fahrer das Sprungbrett zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft. Bei der IDM feierten wiederum spätere Profis, wie die deutschen MotoGP-Fahrer Stefan Bradl und Sandro Cortese, ihre ersten Erfolge.

Bei der Triumph-Challenge nehmen die Hobby-Fahrer einigen Aufwand auf sich - auch finanziell: "Das ist nicht wie Fußballspielen am Wochenende. Das ist Geld verbrennen auf hohem Niveau", sagt Exner und lacht. Neben der Antrittsgebühr belastet auch der Verschleiß von Reifen und anderen Teilen das Portemonnaie. Doch Exner reizt die sportliche Herausforderung. Da alle Fahrer das gleiche Modell des Herstellers Triumph fahren, sei für den Erfolg "zu 80 Prozent der Fahrer" maßgeblich.

Sein eigener Mechaniker

Über mehrere Gaststarts in den vergangenen Jahren hatte sich Exner an die Challenge herangearbeitet. Die Saison 2019 umfasste fünf Rennstrecken mit je zwei Rennen, zuvor Freie Trainings und Qualifying. Exners Ambitionen waren hoch: "Ich wollte vorne mitfahren. Sonst braucht man das ja nicht machen." Der Maschinenbautechniker ist nicht nur Fahrer, sondern auch seine eigene Boxencrew. "Man muss sich selbst um sein Zeug kümmern, das gehört dazu." Wenn Not am Mann ist, unterstützt ihn sein Mitstreiter Karl-Heinz Zillich, der selbst an acht Saisonrennen teilnahm.

In den beiden Rennen im tschechischen Most zum Saisonauftakt wird Exner Vierter bzw. Dritter. Am Lausitzring klappte die Abstimmung seiner Daytona 675 noch etwas besser: Rang 2 bzw. 3, dazu die schnellste Rennrunde. Die Anreise zum dritten Rennwochenende im tschechischen Brünn - stolze 550 Kilometer - sollte sich besonders lohnen: Exner schob sich direkt nach dem Start im ersten Rennen auf den zweiten Rang vor und lauerte hinter Alfons Brandl, der beide Rennen am Lausitzring gewonnen hatte, auf seine Chance. "In der letzten Kurve habe ich ihn dann überholt." Es war der erste Rennsieg für Exner, der zweite folgte nur wenige Stunden später: Er dominierte den zweiten Lauf vom Start weg und schnappte sich weitere 25 Punkte.

Das Schleizer Dreieck, der älteste Straßenrundkurs Deutschlands, war der außergewöhnlichste Termin im Rennkalender: "Im Endeffekt ist das eine abgesperrte Landstraße. Wenn man da stürzt, ist es vorbei. Ein Traum für Freaks", sagt Exner, der sich im ersten Rennen nach dem Start an die Spitze setzte. Allerdings ließ schnell die Kraft nach und von hinten machte Markus Geuthner bei seinem Heimrennen Druck. "Ich habe dann entspannt den zweiten Platz heimgefahren" - ebenso im zweiten Rennen.

Mit vier Punkten Vorsprung vor Alfons Brandl und damit mit ordentlich Druck ging Exner ins das letzte Wochenende in Oschersleben: "Da fängt man an zu rechnen." Rechnerei war aber nicht nötig: Exner holte aus beiden Rennen die maximale Punktzahl und damit den Gesamtsieg. "Da fühlt man sich schon ganz gut", sagt Exner beiläufig und muss lachen: "Ich bin nicht der emotionalste Mensch, glaube ich."

IDM ist eine Kostenfrage

Doch wie geht es nun weiter? In den vergangenen Jahren zogen die Challenge-Sieger regelmäßig zur IDM weiter, einer der populärsten Motorsportserien Europas. "Die waren dann aber auch deutlich jünger als ich", sagt der 33-Jährige. Reizen würde Exner die neue Herausforderung, die er mit der Bundesliga vergleicht, aber dennoch. Allerdings würden auch die Kosten weiter steigen: "Da bräuchte man dann schon Sponsoren." Aktuell wird Exner zwar von einem Zweiradservice und einer Firma für Digitaldrucke aus Höchstadt bei den Materialkosten unterstützt, einen Hauptsponsor hat er aber nicht. Sollte sich nichts ergeben, steht das Ziel für 2020 schon fest: die Titelverteidigung bei der Challenge.