Ein mordsmäßiges Tempo legte Christian Dirscherl beim Zehn-Kilometer-Lauf des Seebachmeetings vor, das das Langstreckenteam des FSV Großenseebach am Sonntag zum inzwischen 15. Mal veranstaltete. Schon nach der ersten Runde hatte der 32-Jährige in Diensten der LG Erlangen anderthalb Minuten Vorsprung auf seine ärgsten Verfolger, Andreas Sperber (IFA Nonstop Bamberg) und Jürgen Wittmann (TSV Burghaslach). "Wenn er so weitermacht und das Tempo halten kann, bricht er den Streckenrekord, der immerhin schon seit dem Jahr 2002 Bestand hat", erklärte Moderator Jochen Brosig dem Publikum am Streckenrand beim Blick auf die Zwischenzeit.

Doch Dirscherl, der im März noch den Rom-Marathon in 2:26 Stunden gelaufen war und nicht speziell für die Kurzstrecke trainiert hatte, verschätzte sich: Er ging das Rennen zu schnell an und konnte - als es hinten raus eng wurde - nicht mehr zusetzen. So war er am Ende mit 32:10 Minuten zehn Sekunden langsamer als sein Vereinskollege Thomas Drechsler, der vor elf Jahren den Streckenrekord aufgestellt hatte. "Seine Leistung ist trotzdem Wahnsinn", sagte Chef-Organisatorin Birgit Seeberger anerkennend. "Die Bedingungen waren heute nämlich nicht gut für neue Bestzeiten."

Nachdem die Hobbyläufer beim Rennen über sechs Kilometer vom Regen kalt erwischt worden waren, kam der Großteil der Hauptlauf-Teilnehmer trockenen Fußes ins Ziel. "Aber auf dem etwa 800 Meter langen Teilstück, das mit einer kaum wahrnehmbaren Steigung in den Wald führt kostete der Gegenwind wertvolle Sekunden", berichtete Birgit Seeberger, die mit dem Verlauf des 15. Seebachmeetings absolut zufrieden war.

Ein Geschenk zum Muttertag

"Mit 350 Teilnehmern war das die erfolgreichste Veranstaltung seit der Wiederbelebung vor fünf Jahren. 236 Männer und Frauen aus ganz Bayern sind über die zehn Kilometer an den Start gegangen, darunter echte Spitzenläufer", sagte die Abteilungsleiterin des Langstreckenteams und freute sich, dass es keine Verletzungen gab - die Sanitäter mussten nicht eingreifen. Besonders beim Bambini-Rennen könne es durchaus schon mal zu Stürzen kommen, weiß Birgit Seeberger aus Erfahrung. "Die Kleinen sind mit so großem Eifer bei der Sache, dass sie - das Ziel vor den Augen - schon mal einen Konkurrenten übersehen." Zudem habe die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, der Feuerwehr und vielen anderen Beteiligten den reibungslosen Ablauf des Meetings begünstigt. Nur das Wetter spielte nicht ganz mit.

Doch das tat der guten Stimmung unter den Läufern keinen Abbruch, auch wenn nicht alle mit ihren Resultaten hundertprozentig zufrieden waren. "Ich musste mich heute ein wenig bremsen", berichtete Gerlinde Wahl vom TSV Neuhaus. "Ich bin gemeinsam mit meiner Tochter Nicole gelaufen und hab' sie sozusagen zu einer neuen Bestzeit gezogen. Das ist doch ein schönes Muttertags-Geschenk", sagte die 56-Jährige, die in ihrer Altersklasse die Schnellste war.

Wieder richtig fit werden

Flott unterwegs war auch Felicity Milton, die Gesamtrang 11 belegte und sich mit 36:43 Minuten auf den dritten Platz der ewigen Bestenliste bei den Frauen schob. Die Engländerin, die es beruflich für ein halbes Jahr nach Herzogenaurach verschlagen hat, genoss das Rennen sichtlich, auch wenn sie ihre persönliche Bestmarke um einiges verfehlte. "Ich habe die letzten 18 Monaten fast nicht trainieren können und will meine Zeit in Deutschland nutzen, viele Rennen zu machen, um wieder richtig gesund und fit zu werden. Vielleicht schaffe ich dann auch einen neuen persönlichen Rekord", erklärte die 26-Jährige.

Genauso tolle Leistungen zeigten die älteren Semester. "Selbst in der M70 ging es noch um Sekunden", erkannte Jochen Brosig bei der Siegerehrung. So war es nicht verwunderlich, dass bei der Wertung nach Leistungskennzahl, bei der das Alter des Teilnehmers in Verhältnis zu seiner Laufleistung gesetzt wird, Lauf-Veteranen ganz oben standen: 960 von 1000 möglichen Punkten erlief sich nach dieser Rechnung der 72-jährige Herbert Fröhlich von der LG Erlangen, gefolgt vom drei Jahre älteren Herzogenauracher Bernhard Minde (946). Dritte wurde die 71-jährige Ruth Schlager vom TSV Neustadt, die es auf 872 Zähler brachte. Die Gesamtsieger, Felicity Milton und Christian Dirscherl, belegten hier nur die Ränge 7 und 8.