A bgekämpft kommt der Querläufer vom "Long Jog" nach Hause. "Na, wie war's?", fragt die Läuferfrau. Sie bekommt ein Grummeln als Antwort. Mehr nicht. Drei Stunden war er unterwegs. Drei Stunden nachdenken, aber keine Lösung für sein Problem in Sicht. Er hat einfach den Kopf nicht frei. Am Samstag ist der Kemmerner Kuckuckslauf und der Querläufer weiß noch nicht, was er anziehen soll. "Du hast Probleme. Und da sagst du immer etwas von uns Frauen."

J a, liebe Freunde der Laufkunst. In Kemmern ist immer was los. Im Start- und Zielbereich steppt der Bär. Die Zuschauer sind außer Rand und Band. Die Musik stachelt die Teilnehmer an. Überall giftgrüne Shirts - die Farbe der Kemmerner Laufabteilung. Sogar der Startbogen ist grün. Gastgeber, Moderator und Abteilungsleiter Klaus Geuß hat auch noch grüne Laufschuhe an. Roland trägt eine grüne Brille und färbt die Haare grün. Das Handgelenk von Christine Geuß umschließt eine grüne Uhr. Hier sind alle bis aufs i-Tüpfelchen top gestylt. Da ist die Frage vom richtigen Outfit nicht weit hergeholt.

A uch die Zuschauer auf der Zwei-Kilometer-Runde geben alles. Vor dem Start zeigt eine Cheerleader-Gruppe ihr Können. Nach 200 Metern trommeln sich die Timbalinos die Seele aus dem Leib. Neben dem offiziellen Verpflegungspunkt gibt es mehrere "inoffizielle" von Anwohnern entlang der Strecke. Meist mit Musikunterstützung. Das ganze Dorf feiert mit. Ein Akkordeonspieler, die "Golden Girls" und die Sambatrommler von "PAIXAO" geben Gas. Die Cheerleader mit ihren Pompons wedeln jeden auf die nächste Runde. Das ganze Spektakel ist fünf Mal zu durchlaufen. Immer wieder Trauben von Zuschauern: "Bravo. Super. Lauf, lauf, lauf!" Kochlöffel werden auf Töpfe geschlagen, Rasseln geschwungen und Pfeifen ertönen. Wenn man dann einmal kurz durchschnauft, kommt bestimmt der Kemmerner Kuckuck von hinten angelaufen: "Hey, ho, weiter, weiter." In seinem weißgrünen Federkostüm.

D iesem tollen Publikum muss etwas geboten werden. Da ist die Frage der richtigen Laufbekleidung nicht weit hergeholt. Allein von der Stimmung ist die Kemmerner Strecke für Bestzeiten ideal. Flach wie das Bügelbrett der Läuferfrau. Ein Bestzeitenkurs wie er im Buche steht. Doch der Querläufer muss sich schonen. Sein "Hunderter" in Leipzig liegt noch nicht lange zurück. Die richtige Kleidung wird da umso wichtiger.

E in Läuferfreund bringt mich auf die Idee. Schon einmal etwas vom "Bad- Taste-Outfit" gehört? Was soll das sein? Bedeutet, aus dem Englischen übersetzt, schlechter Geschmack. Und der Name ist Programm: Im Rahmen der "Foul Fashion", wie der Bad-Taste-Stil auch genannt wird, ist alles erlaubt, was schrecklich ist. Das klingt doch gut. Genau das richtige für den Querläufer. Auffallen um jeden Preis.

D er Kemmerner Kuckuckslauf ist eine Riesengaudi für alle Läufergruppen. Hier hat jeder seinen Spaß. Der Querläufer kann den Kuckuckslauf nur wärmstens empfehlen. Jetzt muss er nur noch das richtige Bad-Taste-Outfit finden. "Ob die Kemmerner Zuschauer deinen schlechten Geschmack akzeptieren werden?", fragt die Läuferfrau. Wir werden sehen. Auf jeden Fall werde ich meinen Geschmack genauso ausleben, wie ich es am liebsten möchte. Ich werde in Klamotten schlüpfen, in denen ich mich im Alltag niemals auf die Straße trauen würde. Erste Kostümtests lösen bei der Läuferfrau keine Begeisterung aus: "Schatz, du siehst bescheuert aus." Ich werde schon noch das richtige Outfit finden.

H allo Kemmern, ich komme! Und was ist mit euch? Ihr kommt doch hoffentlich auch? Wir sehen uns nächsten Samstag in Kemmern beim Kuckuckslauf.

Run happy and smile!
Euer Querläufer