Peter Meier kann es kaum noch erwarten. Am Sonntag hat er mit seinem Team die Chance, den bis dato wohl größten sportlichen Erfolg in der Geschichte des Bowling-clubs Herzogenaurach zu feiern: Auf der Bamberger Mainfranken-Anlage können die Herzogenauracher Bowler den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt machen. "Unsere zweite Mannschaft hat zeitgleich auf der gleichen Bahn ebenfalls einen Spieltag. Wenn uns der Coup am Sonntag gelingen sollte, dann gibt´s eine riesige Sause", hofft Meier auf eine Party.

"Vier Punkte sind gar nichts"

Mit derzeit vier Punkten Vorsprung auf die Gastgeber, SW Mainfranken Bamberg II, rangieren die Männer vom BCH auf dem ersten Tabellenplatz der Kreisliga Nord 3. Ein Polster, das allerdings noch keinen Erfolg garantiert; Peter Meier: "Vier Punkte im Bowling sind gar nichts. Da ist noch alles drin.

Schließlich bekommt man pro Sieg zwei Punkte." Also muss der 56-jährige Niedersachse gemeinsam mit seinen Teamkollegen Horst Voss, Jürgen Pichl, Andreas Mittelmaier und Nadine Merschel besonders im direkten Duell mit dem Verfolger aus Bamberg Bestleistungen abrufen, um den knappen Vorsprung zu bewahren und den Sprung in die Bezirksliga zu schaffen.
Mit einem Ligaschnitt von gerundet 172 Punkten pro Spiel gehört Meier, der gleichzeitig auch Vorstand der Herzogenauracher Bowler ist, zu den Erfolgsgaranten der ersten Mannschaft. Besonders in den vergangenen fünf Wochen lief das Mitglied des Oberreichenbacher Gemeinderats zu Höchstform auf, wurde beim ersten Start auf der Bamberger Mainfranken-Anlage mit einem Schnitt von 200,2 Punkten sogar zum Spieler des Tages gekürt. Doch so ganz zufrieden ist Meier mit seinen bisherigen Leistungen nicht. "Den Saisonstart habe ich komplett vergeigt. Ich hatte mir einen neuen Ball gekauft, mit dem ich einiges ausprobieren wollte. So haben sich immer mehr Fehler eingeschlichen, und ich bin bei einem Ligaschnitt von nur 160 Punkten angekommen. Als ich dann den Ball wieder gewechselt habe, bin ich allmählich aus dem Tal der Tränen rausgekommen", erzählt der 56-Jährige. Seinem Ziel, sich langfristig mit einem 180er Schnitt zu etablieren, ist er daraufhin ein großes Stück nähergekommen.

Seit etwa 17 Jahren ist Peter Meier mit dem Bowlingsport verbunden. Damals wurde er von einem Arbeitskollegen überredet, bei der Betriebssportgruppe der Firma Schaeffler einzusteigen. Vier Jahre danach wurde er Mitglied beim BC Herzogenaurach und feierte gleich in seiner ersten Saison den Aufstieg aus der A-Klasse. Mittlerweile leitet Meier sowohl die Betriebsbowler als auch den BCH, mit dem er seit der Saison 2007/08 in der Kreisliga spielt. "Was für mich beim Bowling besonders reizvoll ist? Man spielt ja quasi gegen sich selbst und daher ist eine Menge Konzentration von Nöten. Außerdem spürt man relativ früh große Fortschritte und schnelle Erfolgserlebnisse", sagt Meier. 2010 feierte der Wertanalytiker dann einen seiner größten Erfolge. In München sicherte er sich im Einzelwettbewerb die deutsche Meisterschaft und ließ im vergangenen Jahr in Nürnberg gemeinsam mit Jürgen Pichl die Goldmedaille im Doppel folgen.

Um dieses hohe Niveau zu halten, investiert der Wahl-Oberreichenbacher viel Zeit, Mühe und Kosten: Zwar hält sich der Trainingsaufwand aktuell mit einer wöchentlichen Einheit im Erlanger Sportland in Grenzen, allerdings steckt noch viel mehr Arbeit dahinter. So dürfe die Balltasche in keinem Urlaub fehlen. Schließlich muss man stets in Übung bleiben und verschiedene Bahnen ausprobieren: "Jede Bahn ist hinsichtlich ihrer Ölung oder Ausrichtung anders. Daher muss man möglichst flexibel bleiben. Um viele Alternativen zu haben, nehme ich zu jedem Auswärtsspieltag auch immer drei Bälle mit. Schließlich unterscheiden sich diese ja auch in ihrer Kurvenbahn."

Zudem sei ein gutes Spiel von vielen weiteren Faktoren abhängig. Ein reibungsloser Bewegungsablauf im Anlauf und Wurf und die Konzentration würden dabei eine besonders große Rolle spielen. Selbst solche Kleinigkeiten wie ungünstige Lichtverhältnisse oder die falsche Bahnmusik könnten die Werfer entscheidend beeinflussen. So folge Meier bei seinem Anlauf immer einem bestimmten Takt, der mit der Musik harmonieren muss. "Manchmal neige ich dazu, zu schnell anzulaufen. Da brauche ich immer jemanden an meiner Seite, der mich bremst", schmunzelt der leidenschaftliche Motorradfahrer.

Flur wird zur Bowlingbahn

Mit Hilfe eines Tricks übt Meier regelmäßig auch zuhause an seinem Anlauf und seiner Bewegungstechnik. So wird der hauseigene Flur oftmals zur Bowlingbahn umfunktioniert und mit zwei zusammengebundenen Handtüchern auf das Schlüsselloch der Tür gezielt. Derartige Hilfestellungen empfiehlt Peter Meier auch Anfängern, die außerhalb des Trainings an ihrem Wurf feilen möchten.

Solche möchte der BCH-Vorstand in Zukunft für seinen Verein gewinnen: "Mein Ziel ist es, mehr Leute aus Herzogenaurach vom Bowlingsport zu überzeugen. Ich würde mich freuen, wenn noch der eine oder andere zu uns stoßen würde." Sollte am Sonntag der Aufstieg gelingen, verliere die erste Mannschaft des BCH schließlich eine wichtige Mannschaftsstütze. Denn ab der Bezirksliga spielen Männer und Frauen getrennt, sodass Nadine Merschel das Team verlassen müsste. Doch bis es so weit ist, müssen die Herzogenauracher Bowler noch den einen oder anderen Pin umwerfen.