Kalt ist es am "Lothar-Matthäus-Sportplatz", als sich die U19-Junioren des FC Herzogenaurach zur Einheit mit dem Weltfußballer auf dem Kunstrasen einfinden. Kein Wunder, dass der Namensgeber nach und nach selber ins Geschehen eingreift und sich immer wieder mit dem Ball oder kleineren Läufen warmhält, ehe er beim Spiel Offensive gegen Defensive selbst mitmacht. "Ich glaube ich bin mehr gelaufen als mancher der Burschen", sagt Matthäus, der sein Versprechen eingelöst hat und zum dritten Mal an das Gelände am Weihersbach gekommen ist, um seinem Heimatverein etwas zurück zu geben. "Wir sind natürlich sehr stolz, dass er wieder da ist, sich die Zeit nimmt mit den Jungs und sein Können weitergeben will", betont dementsprechend auch sportlicher Leiter Rudi Litz, der einst Seite an Seite mit Matthäus spielte.


Vornehme Zurückhaltung

Dabei tritt der Weltmeister von 1990 und Rekordnationalspieler nicht nur als Trainer bei den Jugendmannschaften des FCH auf, sondern unterstützt den Verein auch finanziell. "Aber das ist zweckgebunden für den Jugendbereich", erklärt Helmut Fischer - Urgestein im Verein und beim Sponsor Puma -, der Lothar Matthäus nicht von der Seite weicht.
Der Weltstar stellt zu Beginn der Einheit eines klar: "Das bringt nichts, wenn ich als Ikone, oder wie auch immer ich hier genannt werde, das Training leite. Ich habe den Ablauf mit meinen Kollegen hier abgestimmt. Die wissen genau, was die Spieler brauchen, die ja wichtige Meisterschaftsspiele vor sich haben."

Sagt es, hält sich zunächst vornehm zurück und beobachtet die Übungen der Spieler. Nach und nach taut der 56-Jährige dann bei eisigen Temperaturen aber auf, gibt Anweisungen und streut den einen oder anderen Spruch ein. "Der Ball hat keinen Frosch drinnen. Der darf nicht holpern", tadelt Matthäus die Spieler bei Passübungen, gibt sofort Anweisungen, mit Rechts den Ball zu stoppen, um dann mit Links weiterzuspielen und fordert von seinen Schützlingen klare und wohltemperierte Bälle. "Es geht nicht um die Geschwindigkeit."

Matthäus geht es darum, Spaß zu vermitteln, und darum, das weiterzugeben, was er selbst gelernt hat. "Wenn man sich verbessert, dann hat das viel mit harter Arbeit zu tun, aber auch mit Trainingssteuerung. Ich werde die Verantwortlichen unterstützen und meine Meinung einbringen. Die Liebe zum Fußball, die Leidenschaft und auch der Wille, sich immer wieder verbessern zu wollen, sind die Grundlage für die Jugendlichen, um Erfolg zu haben."


Erinnerung an Inter Mailand

Vor dem Training bereits war Lothar Matthäus in die Enoteca "Dasslers" gekommen und freute sich über die neuen Trikots der U19, die Michael, Enkel des Puma-Gründers Rudolf Dassler, der Mannschaft spendiert hatte. "Die erinnern mich an meine schönste Zeit bei Inter Mailand", lobte der Weltstar das Triktotdesign und erzählte: "Ich bin mit dem Opa aufgewachsen. Rudolf hat mich unterstützt als ich drei, vier Jahre alt war", verrät Lothar Matthäus, der in jungen Jahren bereits Ausrüstung des Sportartikelherstellers bekam. "Ich war damals der König in dieser Kleinstadt, weil ich immer die neueste Ausrüstung hatte", schmunzelte der 56-Jährige und schob - gerichtet an die Nachwuchs-Kicker - nach: "Ihr habt heute alle bunte Schuhe, wir waren froh, dass wir überhaupt neue Schuhe hatten. Die waren alle schwarz-weiß."

Der Weltstar stellte seine Verbundenheit mit Puma und dem FCH heraus und ermunterte die Talente des Vereins: "Wenn einer von Euch dann mal ein Angebot von Borussia Mönchengladbach bekommt, dann wird euch keiner böse sein."