Seine ersten Bälle warf René Friedrich beim ESV Flügelrad Nürnberg. Schon als A-Jugendlicher coachte er zum ersten Mal eine Handball-Mannschaft: die E-Jugend seiner Schwester. Nachdem er im Frühjahr mit den Männern des MTV Stadeln in die Bayernliga aufgestiegen ist, verließ er seinen langjährigen Verein auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Trainerkarriere, die er bei den Frauen der Turnerschaft Herzogenaurach fortsetzt. Dort gelang dem 29-Jährigen bereits vor dem richtigen Amtsantritt ein Aufstieg, denn erst seit ein paar Wochen steht fest, dass die TSH aufgrund des späten Rückzugs einer Mannschaft doch in der 3. Liga bleibt.

Sie sind zur TSH gewechselt, als der Neuanfang in der Bayernliga wahrscheinlicher schien als der Klassenerhalt. Warum der Wechsel nach Herzogenaurach?
René Friedrich: Einen Großteil meiner Stadelner Mannschaft habe ich von klein auf trainiert. Es war in irgendeiner Weise abgenutzt und höchste Zeit, eine andere Herausforderung anzugehen. Natürlich war die Mannschaft zunächst überrascht, aber sie und das Umfeld können meinen Wechsel nachvollziehen.

Hatten Sie noch mit dem Herzogenauracher Klassenerhalt gerechnet?
Nein. Die 3. Liga hatte ich begraben, da es zu diesem Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich war. So hatte ich es auch mit der Mannschaft besprochen. Es ist natürlich nicht optimal gelaufen, dass wir erst so spät für die 3. Liga planen konnten. Sonst hätten wir beispielsweise anders mit potenziellen Zugängen sprechen können. Mit so vielen Bayernligisten in unserer Region steigert die 3. Liga natürlich die Attraktivität des Vereins.

Aufgrund geographischer Kriterien wurden Sie in die Ost-Staffel eingeteilt. Wie schätzen Sie die Aufgabe ein und wie bereiten Sie das Team darauf vor?
Vom ersten Gefühl her, denke ich, dass wir eine gute Rolle in der 3.Liga spielen werden, unabhängig von Ost oder Süd. Spielerisch unterscheiden sich beide nicht großartig. Dennoch sind die Gegner schwer einzuschätzen. Viele Mannschaften haben personell einen Umbruch vollzogen, teilweise das Trainerteam gewechselt. Ich hoffe, dass wir schnell Fuß fassen und uns 20 Punkte erarbeiten. Aufschlussreich werden die Turniere, die wir in der Vorbereitung spielen. Dort treffen wir auf direkte Konkurrenten. Es wird spannend, wie sich die Liga entwickelt. Der selbsternannte Favorit HC Leipzig zählt auch für mich zu den Titelanwärtern. Die TG Ober-Eschbach arbeitet mit einem professionellen Umfeld.

Wie schätzen Sie den physischen und mentalen Zustand der Mannschaft nach den ersten Trainingswochen ein?
Die Nachricht, dass wir in der 3. Liga bleiben, hat alle gefreut, der Mannschaft einen Schub gegeben und neue Energie freigesetzt hat. Konditionell sind die Mädels gut drauf. Man merkt, dass viele Sport auch außerhalb des Handballs betreiben. Ein Defizit sehe ich vor allem im Kraftbereich, speziell bei der Maximalkraft. Daran arbeiten wir, um eine höhere Körperstabilität zu erreichen und Verletzungen vorzubeugen. Ein paar Spielerinnen haben aus der vergangenen Saison Verletzungen und Wehwehchen mitgebracht, die wir in den Griff bekommen wollen.

Mit Laura Brockschmidt und Julia Drachsler stießen zwei junge, aber schon erfahrene Spielerinnen dazu. Zudem wechselte mit Leoni Heckel ein Talent an die Aurach. Wie ist Ihr erster Eindruck von den drei Neuen?
Leoni soll in der ersten und zweiten Mannschaft Spielpraxis im Damenbereich sammeln. Laura und Julia kennen schon viele TSHlerinnen aus der Unimannschaft oder von früheren Vereinen, so ist die Integration kein Problem. Ich erwarte von beiden, dass sie uns extrem verstärken. Wir haben jetzt zwei gleichwertige Kreisläuferinnen. Auch im Rückraum sind wir super aufgestellt: Laura hat eine unglaubliche Dynamik und strahlt auf dieser Position Torgefahr aus.

Julia punktet mit ihrer Größe von 1,93 Meter. Das stellt die gegnerische Abwehr vor eine ungewohnte Herausforderung. Ihr fehlt noch etwas das Physische, aber sie war schon immer eine Arbeiterin und ehrgeizig. Aktuell sind wir sehr zufrieden mit unserem Kader. Einzig zwischen den Pfosten könnten wir noch Verstärkung gebrauchen, doch Torhüterinnen gibt es in der Region leider wenige.

Warum sind Sie Trainer geworden und welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?

Meine kleine Schwester war damals in der E-Jugend und ich in der A-Jugend. Ihre Mannschaft hatte keinen Trainer und ich wurde gefragt und habe es gemacht - mit viel Spaß. Besonderen Wert lege ich darauf, dass es mannschaftlich geschlossen zugeht und eine gute Stimmung herrscht. Es müssen nicht alle beste Freunde sein, doch es sollten keine Grüppchen entstehen. Um in der 3. Liga zu bestehen, ist eine gewisse Disziplin im Training notwendig und die Bereitschaft, dass jede stetig an sich selbst arbeitet.

Wie haben Sie Ihre erste Kirchweih in Herzogenaurach erlebt?
Ich war überrascht, dass sie so groß ist. Es war eine super Stimmung. Leider konnte ich nur kurz vorbeischauen, aber die Kerwa hat sicherlich Potenzial und speziell für die Handballer ist sie ein wichtiges Event. Noch wichtiger sind nur die Heimspiele. Ich hoffe, dass weiter so viele Zuschauer in die Halle kommen.