Zum Boxen fuhr Sven Zurawski regelmäßig rund elf Kilometer von Herzogenaurach nach Erlangen. "Mir hat die Anfahrt mit dem Fahrrad aber immer mehr Spaß gemacht als das Training", sagt der gerade 17 Jahre alt gewordene Gymnasiast, der deshalb im vergangenen Jahr die Sportart wechselte und jetzt statt mit den Fäusten zuzuschlagen in die Pedale tritt.


Im Hause der Profis

Über den Bayernkader gelangte er in die U19-Mannschaft des Profi-Radteams Bora-hansgrohe mit Sitz in Oberbayern, wo unter anderem Tour-de-Suisse-Sieger und Tour-de-France-Etappen-Gewinner Peter Sagan sowie der deutsche Meister von 2017, Marcus Burghardt, unter Vertrag stehen.


Vize-Etappensieger in Österreich

Unter dem Sponsorennamen Team Auto Eder Bayern nahm Zurawski jüngst an einem internationalen Rennen in Niederösterreich teil und belegte auf der dritten und letzten Etappe den zweiten Platz. Sein größter Erfolg in der noch jungen Karriere? "Schwer zu sagen. Meistens ist es meine Aufgabe, unseren Kapitän zu unterstützen und nicht selbst ganz vorne zu landen", erzählt Zurawski bescheiden. Mit seinen Teamkollegen sorge er in der Regel dafür, mögliche Ausreißer der Konkurrenz einzufangen, das Feld anzuführen, um das Tempo hochzuhalten, Bergwertungen für sich zu entscheiden oder den Kapitän so lange wie möglich zu begleiten.


Wer ist Peter Sagan?

Alles Neuland für den Herzogenauracher, der seinen Bora-hansgrohe-Kollegen Sagan bis vor kurzem nicht einmal erkannt hätte. Inzwischen interessiere er sich aber mehr für den Radsport und habe von einem Belgier erfahren, der dem 17-Jährigen als Vorbild dienen könnte: Remco Evenepoel kickte einst in der U15- und U16-Nationalmannschaft Belgiens, ehe er als 17-Jähriger umsattelte, bei den European Junior Road Championships einen Doppelerfolg feierte und 2019 beim Profiteam Quick-Step-Floors anheuern wird.


In zwei Jahren beginnt die Reise

Dabei dürften es sowohl der Belgier als auch der Mittelfranke mit ihren neuen Hobbys deutlich schwerer haben, Geld zu verdienen. Für seinen zweiten Platz in Österreich erhielt Zurawski gerade einmal 80 Euro. Damit die Summen größer werden, muss der 17-Jährige bei einem Profiteam unterkommen. Obwohl er bereits einen Fuß in der Tür von Bora-hansgrohe hat, keine leichte Aufgabe. In zwei Jahren fällt er aus dem U19-Kader, der nächste Schritt wäre eine international zweit- oder drittklassige Radsportmannschaft. "Bis zum Alter von etwa 23 entscheidet sich, ob man es schafft", sagt Zurawski.


Heimatverein RC Herzogenaurach

Bei bayerischen und deutschen Meisterschaften schlüpft er noch ins Trikot seines Heimatvereins RC Herzogenaurach. Auch die meisten seiner Trainingskilometer spult der Gymnasiast hier ab. "Wir wohnen alle in Bayern zerstreut, daher sind gemeinsame Einheiten schwierig", sagt Zurawski mit Blick auf seine neun Eder-Teamkollegen. Bei einem Lehrgang war seine Equipe aber sogar im selben Hotel untergebracht wie Sagan und Co. "Das Team will, dass wir ab und zu mit den Profis in Kontakt kommen", berichtet der 17-Jährige, der mit Burghardt "ein wenig Smalltalk" betrieb.
Im Moment bereitet sich Zurawski auf ein Bundesliga-Rennen in Bellheim vor. Anschließend findet in der Nähe von Hamburg die deutsche Meisterschaft im Einzelzeitfahren statt.