Roter und schwarzer Rauch wabert über den Sportplatz des TSV Hemhofen. Aus den Boxen dröhnt Hahnenkrähen und Hardcore-Rock - "Gechers for life". Mit wehenden Fahnen und lautem Geschrei rennen die Hemhofen Gechers durch den Rauch aufs Spielfeld. Mittendrin das Maskottchen, ein großer weißer Hahn. Und Hemhofen weiß: Es ist wieder Zeit für American Football.

Das Intro ist der Auftakt zum ersten Heimspiel der Gechers in der Saison 2019 in der Aufbauliga Nord. Zu Gast sind die Bamberg Phantoms, die ihre erste Partie gegen die Coburg Black Dukes verloren haben. Hemhofen wiederum hat beim zweiten Coburger Team, den CoTrojans, einen ungefährdeten Sieg eingefahren. Die Gechers sind gegen den Neuling leicht favorisiert. Dennoch hatte Trainer Thomas Sinner vor dem Gegner gewarnt, weil die Phantoms als ehemals höherklassiges Team schon gewisse Erfahrung besitzen.

Ob die Gechers siegen, wollen bei strahlendem Sonnenschein circa 250 Zuschauer ebenfalls wissen. Unter ihnen ist auch die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich (SPD), die viele Jahre in Hemhofen gelebt hat und deren Sohn Maximilian als Running Back für die Gechers aufläuft. "Anfangs war ich schon etwas skeptisch bei der Idee von American Football in Hemhofen", gesteht sie. Aber Maximilian und die Gechers haben sie eines Besseren belehrt. "Ich freue mich über die Bereicherung in der Region und wie toll der Sport in Hemhofen aufgenommen wird." Den Münzwurf zur Seitenwahl darf sie als Dank für ihre aktive Unterstützung des Teams ausführen.

Los ging es mit Ballbesitz für die Phantoms, die das Ei aber schon mit dem ersten Spielzug durch einen Ballverlust (Fumble) abgeben mussten. Besser machte es das Heimteam: Nur zwei Spielzüge benötigten die Gechers, um durch einen Lauf von Patrick Müller mit 6:0 in Führung zu gehen. Auch wenn der nachfolgende Kick zum Extrapunkt nicht klappte, blieben die Hemhofener am Drücker und ein Lauf über die Mitte durch Kai Meister brachte beim zweiten Ballbesitz erneut Punkte. Nach erfolgreichem Kick zum Extrapunkt stand es 13:0. Die Phantoms hatten zunächst nichts entgegenzusetzen und kassierten durch einen weiteren erfolgreichen Lauf von Kai Meister den dritten Touchdown im ersten Viertel, dem dieses Mal sogar zwei Extrapunkte, eine Two-Point-Conversion, folgten (21:0).

Football vor der Haustür

Jung und Alt, erfahrene Football-Fans und Neulinge, zeigen sich zufrieden mit dem Spiel. Eine Gruppe aus Adelsdorf ist über Berichte im Internet auf die Gechers aufmerksam geworden. Man verfolge schon länger die nordamerikanische Profiliga NFL und sei auch schon bei den Nürnberg Rams gewesen, die in der Regionalliga spielen. Aber wenn man das direkt vor der Haustür haben kann, sei das doch etwas anderes. "Toll, dass so ein kleiner Ort wie Hemhofen das macht." Das findet auch die Familie von Spieler Nico Kürzdörfer, die aus Adelsdorf und Höchstadt zu jedem Heimspiel kommt. Sogar die Oma aus Nürnberg ist dabei. "Wir verstehen zwar noch nicht alle Regeln, sind aber voll motiviert."

Zwei, die von Anfang an für Stimmung sorgen, sind Siggi und Kurt, die beide Gechers-Kappen tragen. Mit einer Tröte unterstützen sie lautstark das Team und sind auch auswärts oft dabei. "Wir haben schon länger Football im Fernsehen geschaut, aber viel schöner ist es doch, wenn man das Zuhause hat", freuen sich die beiden älteren Herren. Neben Familienangehörigen, alten und neuen Fans verfolgen auch einige Besucher von anderen Teams das Spiel. Unter anderem spioniert Joachim Gerlach, Trainer des Lokalrivalen Herzogenaurach Rhinos, die Gechers aus.

Nach dem ersten Viertel dürfte er durchaus beeindruckt gewesen sein. Gerlach und die Fans der Hemhofener sahen ab dem zweiten Viertel dann aber ein völlig anderes Spiel. Bamberg kam begünstigt durch viele einfache Fehler der Hausherren immer besser ins Spiel und verkürzte bis zur Halbzeit auf 21:16. Auch nach der Halbzeitpause wurde das Spiel der Gechers nicht mehr besser. Zwar ließ die starke Verteidigung lange keine Punkte zu, aber offensiv gelang dem Team von Thomas Sinner, das zu allem Überfluss auf den verletzten Quarterback Marcel Breitkopf verzichten musste, nichts mehr.

Und so kam es, wie es kommen musste: Die Gäste aus Bamberg erzielten kurz nach Beginn des letzten Viertels erneut einen Touchdown, gingen mit 22:21 in Führung und verteidigten diese bis zum Schluss. Sinner analysierte hinterher, dass sein Team den Gegner nach dem deutlichen ersten Viertel eventuell unterschätzt habe . "Ich hoffe aber, dass die Mannschaft daraus lernt", so der Coach.

Ähnlich äußert sich Vorstand Theofanis Triantafillos, der nach dem Spiel ein extra für die Gechers angefertigtes Bild des Hemhofener Malers Mathias Eschment überreicht bekommt. Sogar die Kunst folgt in Hemhofen dem Ruf des Gechers.