Jeder Franke weiß es: Ein entscheidendes Tor im Derby zwischen dem FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth kann mehr wert sein als ein Aufstieg. Für Treffer gegen Bayern München gilt Ähnliches. Nico Geyer aus Adelsdorf ist beides gelungen - wenn auch "nur" mit der Greuther A-Jugend. Dennoch könnten diese Szenen dazu beigetragen haben, dass der 19-Jährige einen Vertrag bei Fürther Regionalliga-Mannschaft angeboten bekam - und unterschrieben hat. Damit entschied sich Geyer in seiner ersten Herren-Saison für die SpVgg und nicht den Club, in dessen Nachwuchs er ebenfalls kickte.

"Es hat ein wenig gedauert, weil bei einem Abstieg der Greuther Ersten in die 3. Liga die Abmeldung der Amateure im Raum stand", erklärt Geyer. Umso mehr fieberte der 19-Jährige im Saisonendspurt mit mit den Kleeblättern mit und atmete auf, nachdem die Truppe von Trainer Damir Buric den Klassenerhalt erreicht hatte. Ansonsten hätte sich der Nachwuchsspieler mit seinem Berater wohl nach einem neuen Verein umsehen müssen. "Viele in meinem Alter haben bereits einen Berater, weil man dadurch ein größeres Netzwerk hat und sie sich mit den Verträgen besser auskennen. Für mich war aber klar: Wenn ich hier bleiben kann, werde ich in Fürth weitermachen."


Probetraining bei den Bayern

Im Sommer 2016, nach fünfeinhalb Jahren beim FCN, nahm er einen Tapetenwechsel vor. Nach Probetrainings beim FC Bayern München, dem FSV Mainz 05 und dem Hamburger SV landete er quasi eine Haustür weiter bei der SpVgg in der U19-Bundesliga. "Ich wollte von Zuhause noch nicht zu weit weg", sagt Geyer, der auch heuer keinen Umzug planen muss.

Seine ersten Schritte als Fußballer machte Nico Geyer bei seinem Heimatverein SC Adelsdorf. Im ersten Großfeld-Jahr wagte er den Schritt zum FSV Erlangen-Bruck und wurde in der Winterpause nach nur einer halben Saison vom Club gescoutet. In Nürnberg sah der Stürmer Mitspieler kommen und gehen. Jedes halbe Jahr wurde der Kader neu aufgestellt. Geyer behauptete sich, hatte dann aber nicht das Gefühl, dass sein künftiger U19-Coach ein Fan von ihm sei.

Stattdessen ging es zum Kleeblatt unter Trainer Janos Radoki, der später kurzzeitig die Profis übernahm. Unter Übungsleiter Josef Steininger, der von 1860 München nach Fürth kam, verfehlte sein Team in der abgelaufenen Runde den Klassenerhalt. "Woran das lag, ist schwer zu sagen. Nicht alle haben jedes Wochenende alle Prozentpunkte in die Waagschale geworfen", analysiert Geyer.


Siegtorschütze gegen den FCB

Zu Saisonbeginn kam der Adelsdorfer noch nicht so zum Zug, wie er sich das gewünscht hatte. Anfang der Rückrunde fuhren die Franken nach München, wo sie als erste Mannschaft in der Saison die Bayern schlugen. "Real Madrid hat das danach in der UEFA-Youth-League auch geschafft, aber wir waren die Ersten", erinnert sich Geyer schmunzelnd. Er selbst war der Siegtorschütze beim überraschenden 1:0-Erfolg und legte in der Folgewoche gleich nach. Gegen seine Ex-Kameraden vom FCN wurde er im Strafraum gefoult, der Elfmeter bescherte den Ausgleich. Das 2:1 besorgte Geyer per Freistoß.

"Danach habe ich mich immer wohler und sicherer gefühlt", sagt Geyer. Auch sein Trainer kam nicht mehr um den Adelsdorfer herum, in der Öffentlichkeit wurde sein Name mehrfach positiv erwähnt. Seine fünf Saisontore bildeten keinen Spitzenwert für einen Stürmer, wie er zugibt, aber die Verantwortlichen des Kleeblatts hatte er überzeugt.

Den aus dem Profibereich bekannten Medizin- beziehungsweise Leistungs-Check bestand Geyer problemlos, am Mittwoch startete die Vorbereitung, in der sich der 19-Jährige für die Startelf empfehlen will. "Ich habe richtig Bock auf die Regionalliga. Der Schritt in den Herrenbereich wird sicherlich spürbar, aber ich will mit meinen Leistungen überzeugen", erklärt Geyer, der seine fünf Treffer überbieten möchte.

Und der Blick des Angreifers geht schon weiter: "Jeder, der es so weit schafft, arbeitet darauf hin, Profi zu werden. Wenn die Leistung passt, kann ich vielleicht schon oben anklopfen." Sein U23-Trainer Petr Ruman ist gleichzeitig Co-Trainer des Zweitliga-Teams. Die Weltmeisterschaft in Russland versucht Geyer trotz Trainingsstress, so gut es geht zu verfolgen. "Irgendwann für Deutschland zu spielen, wäre ein Traum", sagt der 19-Jährige, der als Jugendlicher bereits auf Abruf im Kader der Nationalmannschaft stand. "Wäre einer abgesprungen, dann wäre ich dabei gewesen", erklärt er.