Mit 31:23 gewannen die Handballfrauen der TSH ihr Bayernligaspiel zwar zahlenmäßig standesgemäß gegen den Aufsteiger TSV Ottobeuren, taten sich dabei aber weitaus schwerer, als man dies erwarten durfte. Gerade mal zehn Minuten in der ersten Halbzeit sowie sieben Minuten in der zweiten Hälfte wirklich gutes Bayernliganiveau reichten aus, um diese zwei Punkte einzufahren, über den Rest würden TSH-Trainer Hermannstädter und sein Team vermutlich lieber den Mantel des Schweigens legen.
Das aber werden die Verantwortlichen vermutlich vermeiden, gilt es doch, heraus zu finden, warum ein Aufsteiger, der nur mit einer einzigen Wechselspielerin angetreten war und nicht gerade mit Topspielerinnen prassen konnte, die Gastgeberinnen in beiden Spielhälften immer wieder in Schwierigkeiten brachte. Nicht auszudenken, wenn Ottobeuren einige Alternativen auf der Bank gehabt hätte, es wäre für die TSH ein Ritt auf der Rasierklinge geworden. Oder nicht? Hätte man dann eventuell eine bessere Einstellung abgerufen und über 60 Minuten hinweg nachgewiesen, warum man aktuell noch ohne Punktverlust ganz oben steht?
Am Sonntag reichte es den wackeren und bis zur Erschöpfung kämpfenden Südbayerinnen jedenfalls, mit 60 Minuten Dauersprints in die zweite Welle enorm viel Flurschaden in das Abwehrverhalten und dadurch auch in die Psyche der TSH anzurichten. Die Herzogenauracherinnen trugen dazu selbst bei, indem man wie schon oft in der Rückwärtsbewegung keinen Augenmerk auf die anlaufenden Gegnerinnen richtete, sondern jeder auf sich selbst fixiert war, auch eine Folge kollektiver Verunsicherung, entstanden durch ungenügende Einstellung und mangelndem Umgang mit der Favoritenrolle.

Teilweise großartige Aktionen


Dass es dann doch immer mal wieder gelang mit großartigen Aktionen in Erinnerung zu rufen, wozu man eigentlich im Stande ist, kann man dann doch positiv bewerten, auch wenn die Protagonisten mit sich selbst zunehmend unzufrieden wurden. Ottobeuren jedenfalls konnte an diesem Tage jede Nachlässigkeit der Gastgeberinnen nutzen. In der Abwehr war man recht brav und im Positionsangriff reichte es aus, den Ball immer wieder von der Mitte auf ihre rechte Angriffsseite durchzuspielen, wo die TSH diesmal eklatante Löcher zeigte und die lange Zeit durchaus wieder gute Torfrau Ebersberger zunehmend unsicher wurde.
Als ob es die sonst so zahlenmäßig erscheinenden Fans geahnt hätten, dass sie eine wenig erbauliche Partie erwartet, jedenfalls waren die knapp 100 Zuschauer Minusrekord in der bisherigen Oberligazugehörigkeit der TSH. Über 7:5 (10.) ließ man die Gäste auf 7:9 (15. Minute) davon ziehen. Dass die TSH neuerlich drei Strafwürfe verwarf und mehrere Überzahlangriffe hilflos vergab, trug nicht zur Stabilisierung bei, zumal auch dieser Gegner in eigener Unterzahl zwei Treffer erzielte.
Es folgte dann ein Aufbäumen, wurde über Mergner am Kreis die gegnerische Abwehr aufgeweicht und klappten auch etliche Tempogegenstöße. Beim Halbzeitstand von 18:10 war eigentlich alles entschieden, zumal bei der personellen Notlage von Ottobeuren.

Die Nerven flattern


Doch es kam anders, zunächst beging man einen unverständlichen Fehler, indem die TSH die nun eingewechselte zweite Torfrau des Gegners richtig "warm schoss", eigentlich ein Unding. Und schon ging die "Flatter" wieder los, die TSH erzielte in der 42. Minute ihr erstes Tor nach der Pause. Da aber konnte der Gegner schon auf 15:19 heran kommen. Letztlich waren es wieder Berner, dazu Prochaska, wenn sie denn die Torfrau beim Wurf anschaute und Leschke, die mit Einzelaktionen das Ergebnis wieder ausbauten.
Erstmals im Tor der TSH war die 23-jährige Franziska Scheidler. Die aus Niedersachsen stammende Torfrau hat sich beruflich ins Frankenland verändert, konnte an diesem Tage aber noch nicht viel bewegen, viel zu nachlässig waren ihre Vorderleute. Hermannstädter fehlten zunächst die Worte, um dann mit Nachdruck anzukündigen, dass man über dieses Spiel noch intern zu reden habe.