Der Querläufer trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal bewegt sich Jochen Brosig abseits von jeglichem Wettkampfstress auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg zwischen Franken und Hessen. Zum Auftakt lief der Röttenbacher von der Weißmainquelle nach Kulmbach und weiter vom Mainzusammenfluss über Bayreuth zur Rotmainquelle bei Creußen. Jetzt geht es auf der dritten Etappe weiter entlang des vereinigten Mains von Kulmbach nach Lichtenfels.
Laufpartner des Querläufers ist auf diesem Teilstück ist Pascal Dütsch, Ultraläufer aus Hallstadt.

Querläufer:Hallo Pascal, du willst doch in Leipzig die 50 Kilometer laufen?! Da hätte ich eine super Trainingseinheit für dich. Einen lockeren Marathon entlang des Mains. Hast du Lust?
Pascal Dütsch: Wenn es bei einem lockeren Lauftempo bleibt, bin ich dabei. Du weißt ja, die langen Einheiten eines Ultraläufers sollen betont langsam gelaufen werden. Regel Nummer 1 ist immer, gesund an der Startlinie zu stehen.

Die beiden parken am Bahnhof in Lichtenfels und fahren mit dem Zug nach Kulmbach. "Hallo Jochen", schallt es durch den Zug. Elke, Ultraläuferin aus Erlangen, will ab Kulmbach das nächste Teilstück des Frankenwegs erwandern. Für mehr Unterhaltung reicht die Zugfahrt nicht aus. Am Kulmbacher Bahnhof trennen sich die Wege. Zum Einstieg drehen Dütsch und Brosig eine Runde durch die Altstadt. Die eigentliche Etappe beginnt dann am Kulmbacher Hauptbahnhof. Es ist schon sehr warm. Über den Marktplatz läuft das Duo hoch zum Heilingschwertturm und zur Kirche "Unsere Liebe Frau". Von dort bietet sich eine wunderbare Aussicht über die Altstadt und auf die Plassenburg.

Die nächsten Stationen sind Roter Turm, Weißer Turm, weiter durch die Spitalgasse zum Mainpark. Einen Stopp bei der Kulmbacher Kommunbräu hätten sie schon gern eingelegt. Doch nach zwei Kilometer schon die erste Pause? Über Burghaig joggen die beiden locker nach Mainleus. "Ist das der Weg nach Melkendorf?", ruft eine Radfahrerin von hinten. "Dort ist heute Jazzfrühschoppen." Für sie stimmt die Richtung, der Weg von Brosig und Dütsch zweigt ab.

Querläufer:Wie organisierst du als Vater einer zweijährigen Tochter dein Ultralauftraining?
Pascal Dütsch: Das ist gar nicht so einfach. An erster Stelle kommt die Familie. Da müssen die Trainingseinheiten öfters in die frühen Morgenstunden oder die späten Abendstunden verlegt werden. Ab und zu fällt auch die eine oder andere Einheit aus.

Weiter geht's entlang der Bahnstrecke Bamberg - Kulmbach. Die Sonne brennt den Läufern mittlerweile unerbittlich in den Rücken. Weit und breit kein Schatten. Kein Luftzug, nur Schienenverkehr, die Luft steht. Der Querläufer denkt ans Aufhören. Das kühle Nass aus dem Main gibt ihm aber neuen Schwung bis Burgkunstadt. Jetzt braucht es eine Pause. Brosig und Dütsch retten sich in eine klimatisierte Indoor-Minigolf-Anlage. Bei einer Cola spielen sie eine Bahn. Der Zucker baut sie wieder auf. Glücklicherweise verläuft der Main-Radweg jetzt nicht mehr entlang der Bahn. Es gibt wieder mehr Schatten. Altenkunstadt, Strössendorf mit seinem Schloss und Trebitzmühle liegen auf dem Weg. Dort zeigt ein Tüftler und Schrauber dem Läuferduo seine Werkstatt. Darin stehen ganz besondere Fahrzeuge und Motorräder. Der Weg nach Hochstadt führt durch ein Waldstück, was sehr angenehm zu laufen ist.

Querläufer:
Wolltest du nicht dieses Jahr in Leipzig wieder die 100 Kilometer laufen?
Pascal Dütsch: Ja, das stimmt. Aber für einen Hunderter muss alles passen. Schon in der Vorbereitung, da ist viel Zeit notwendig. Deshalb werden es dieses Jahr "nur" die 50 Kilometer.

Das Wasser wird wieder knapp. Jeder hat eine 1,5-Liter-Trinkblase im Rucksack. Die muss gefüllt werden. Die Hilfsbereitschaft entlang der Strecke ist groß. Es finden sich immer nette Menschen an der Strecke, die bereitwillig Leitungswasser zur Verfügung stellen. Also legen Dütsch und Brosig in Hochstadt gleich eine Trinkpause ein. Zehn Kilometer liegen noch vor ihnen. Mittlerweile sind ein paar Wolken aufgezogen, so dass die Luft angenehmer geworden ist.

Die Schritte des Querläufers werden trotzdem schwerer, während Dütsch immer noch leichtfüßig neben ihm her trabt. Die Rodach fließt in den Main. An der Mainschleife bei Schwürbitz schicken die beiden ein paar Papierschiffchen auf die Reise. Am Badesee Rudufer in Michelau lockt das kühle Nass. Doch sie müssen weiter. Noch vier Kilometer. Der Querläufer schwächelt. Die Rettung kommt in Form einer schattigen Bank. Letzter Stopp vor Lichtenfels. Der Gedanke an einen großen Eisbecher motiviert Brosig für den letzten Abschnitt. Grande Joghurt-Spaghetti-Eis-Spezial! Ja, das Ortsschild von Lichtenfels der Deutschen Korbstadt. Es ist noch ein Kilometer zum Marktplatz. Vorbei am Roten Turm mit Zieldurchlauf am Oberen Tor. Den Eisbecher haben sich die Läufer verdient.

Querläufer:Wie hat es Dir auf dem Main-Radweg gefallen?
Pascal Dütsch: Der Weg entlang der Bahn war schon die Hölle. Dafür kannst du ja nichts. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Beim lockeren Tempo sind wir auch geblieben. Kein Gewitter oder Hagelschauer. Alles hat rundum gepasst.

Demnächst macht sich der Querläufer auf die vierte Etappe. Diese wird ihn von Lichtenfels nach Kemmern führen. Weitere Etappen auf dem Main-Radweg werden folgen.

Run happy and smile!
Euer Querläufer