Unter die ungehemmte Freude über den ersten Heimsieg in der Eishockey-Oberliga Süd mischt sich bei den Höchstadt Alligators und ihren Fans auch ein Tröpfchen Wermut. Publikumsliebling Daniel Tratz gab am Sonntag nach der Partie gegen die Memmingen Indians seinen Abschied bekannt. Unter dem Applaus der Zuschauer und seiner Teamkameraden stimmte der 27-jährige Stürmer das "Humba" an, fuhr so manche Ehrenrunde und sog die letzten, emotionalen Momente im Trikot des Höchstadter EC auf.

Ausgebildet im Nachwuchs des EHC 80 Nürnberg und in den Jugendmannschaften der Kölner Haie sowie des SC Riessersee wechselte der gebürtige Nürnberger zuerst nach Weiden und - nach Abschluss seiner Schulzeit und auf Anregung seines damaligen kanadischen Trainers - für ein Jahr nach Tulsa im US-amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Zurück in Deutschland begann er eine Ausbildung zum Industriekaufmann und ging 2009 in seine erste Saison für den Höchstadter EC.

Dort reifte er zu einer festen Größe und ging die gesamte Erfolgsgeschichte mit, die unter Trainer Daniel Jun geschrieben wurde. 330 Partien absolvierte Daniel Tratz bis zum Ende der vergangenen Saison für die Alligators. Er erzielte 39 Treffer, gab 52 Torvorlagen, schmorte aber auch 356 Minuten lang auf der Strafbank. Auch in den ersten sieben Partien seiner zehnten Saison im Aischgrund stand Tratz im Aufgebot, bekam zuletzt aber nicht so viel Einsatzzeit, wie er sich erhofft hatte, und entschied sich zu einem Wechsel. Bevor er das Trikot des Bayernligisten Mighty Dogs Schweinfurt überstreift, stand er noch einmal Rede und Antwort.

Was hat Sie dazu bewogen, über einen Wechsel nach Schweinfurt nachzudenken?

Daniel Tratz: Ich spiele jetzt zusammen mit Thilo Grau seit zehn Jahren und mit vielen anderen auch schon seit acht Jahren in Höchstadt. Da hat man mit seinem Team schon so einiges erlebt - und der Wechsel fällt mir auch unglaublich schwer. Aber ich will Eishockey spielen, und diese Möglichkeit sehe ich in Schweinfurt im Moment einfach mehr als hier.

Was erhoffen Sie sich von dieser Veränderung?

Natürlich deutlich mehr Eiszeit, als ich momentan in der Oberliga bekomme. Ich bin ein Teamplayer und will meiner Mannschaft auf dem Eis wirklich weiterhelfen können, darauf freue ich mich in Schweinfurt.

Wenn Sie Ihre Zeit in Höchstadt Revue passieren lassen, welche sportlichen Höhepunkt fallen Ihnen dann spontan ein?

Bei so einer langen Zeit fällt es schwer, einzelne Moment herauszupicken, aber das erste Tor, dass ich in Peißenberg für den HEC geschossen habe, Spiel 5 im Bayernliga-Finale in Waldkraiburg und diese Gänsehautstimmung mit den Höchstadter Fans, auch wenn wir verloren haben. Solche Dinge gehören auf jeden Fall dazu.

Was möchten Sie den Höchstadtern noch mitgeben?

Eine Mannschaft ist auch immer so etwas wie eine Familie, und von seiner Familie verabschiedet man sich nicht gern. Ich hab zu meinen ehemaligen Teams, selbst aus der Zeit in Tulsa, immer Kontakt gehalten und ich hoffe, dass das auch hier so sein wird. Und jetzt freue ich mich erst einmal auf all das Neue, was auf mich zukommt. Danke allen HEC-Fans und natürlich meinen Jungs für diesen geilen Abschied am Sonntag.

Das Gespräch führte

Caroline Hauke