Konsequentes, zielgerichtetes Training macht sich bezahlt - zumindest im Fall Timo Kaufmair. Bei den Bayerischen Meisterschaften trumpfte der Leichtathlet der Turnerschaft Herzogenaurach mächtig auf, holte Bronze im Weitsprung und mit der Sprintstaffel Silber. In seiner Paradedisziplin, den 110 Metern Hürden, gelang dem 19-Jährigen ein noch größerer Wurf. Nach 14,58 Sekunden überquerte er als Erster die Ziellinie und schob sich mit dieser Zeit ganz nebenbei auf Platz 6 der deutschen Bestenliste in seiner Altersklasse.
"Das war das erste Mal seit über einem Jahr, das sich unter 15 Sekunden geblieben bin", sagt Kaufmair. Damals wechselte er altersbedingt von der B-Jugend in die U20 und damit auch auf die höheren Hürden, wurde dadurch eine Hundertstelsekunde langsamer und trat seither auf der Stelle. Dass bei der Bayerischen Meisterschaft nun der Knoten platzte, schreibt der Sportler der Hitze zu, die in Erding herrschte. "Die ist für Sprintdisziplinen gut. Dazu war ich natürlich hoch motiviert, da ich als Erster gemeldet war und die starke Konkurrenz hat mich noch mehr angestachelt."

Kein Freund von Ballsportarten

Das Geheimnis in einem guten Hürdenlauf liege in der Gleichmäßigkeit der Schritte. "Wenn man es schafft, in einem konstanten Rhythmus über die Hindernisse zu laufen - nicht springen - dann wird es auch eine gute Zeit", weiß Timo, der bei sich selbst noch Entwicklungspotenzial sieht. Denn die deutschlandweit Besten seiner Altersklasse sind noch eine Sekunde schneller - die betreiben den Sport aber als Profis.
Dass ihm die Hürden besonders liegen, merkte er allerdings erst vor zwei Jahren. Davor schlug er sich in allen Mehrkampfdisziplinen recht ordentlich. "Ich war aber nie so gut, als dass es für etwas gereicht hätte", gibt Kaufmair zu. Ganz im Gegenteil: Wenige Jahre zuvor hatte er noch daran gedacht, der Leichtathletik den Rücken zu kehren.
Angefangen hatte alles 1999, noch bevor die sportliche Familie Kaufmair von Weisendorf nach Dachsbach zog. "Ich hab mit der Kinder-Leichtathletik bei der TSH angefangen, weil wir nichts anderes gefunden haben, das mir Spaß gemacht hätte." Erwiesen ist aber auch, dass sich der Wirbelwind nicht mit Ballsportarten anfreunden konnte. "Beim Fußball hat er lieber die Blumen im Tor gepflückt, deshalb haben wir ihn bei der Leichtathletik geparkt", erinnert sich Mama Birgit
Die TSH war dafür die beste Adresse in der Nähe und dort entwickelte sich Timo immer weiter, bis er zwölf oder 13 war. "Da war ich richtig schlecht, sogar die Mädchen waren schneller als ich, und hab überlegt, aufzuhören." Doch der Teenager blieb dabei und als er in die Mehrkampf-Trainingsgruppe von Peter Müller kam, ging es wieder bergauf, die Motivation kehrte zurück.
Zwar sei Kaufmair als B-Schüler eher unscheinbar geblieben, sagt der Trainer. "Doch er hat eine Entwicklung gemacht, hat immer gewissenhaft und sehr konzentriert an sich gearbeitet." Überhaupt sei Kaufmair ein angenehmer, zuverlässiger Athlet, der Müllers Ratschläge annehme und auch menschlich in die Welt passt.
Dieser letzte Aspekt kommt dem jungen Athleten auch bei seinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) zugute, dass er derzeit bei der TSH absolviert. Dabei ist er unter anderem als Trainer für die Leichtathletik-C-Schüler mitverantwortlich und begleitet die Herzogenauracher Turnerinnen als Betreuer zu Wettkämpfen. Das FSJ ist für Timo eine schöne Erfahrung, die er auch anderen jungen Menschen ans Herz legt. "Aber später mal als Trainer arbeiten? Das ist, glaub' ich, nichts für mich."

Hürdentraining in Sindelfingen

Die Ziele für die nähere Zukunft führen den 19-Jährigen sowieso erst einmal in eine andere Richtung. Im Herbst beginnt er seine Ausbildung bei Adidas - ein duales BWL-Studium, an dessen Ende der Bachelor-Abschluss stehen soll. Da die Vorlesungen in Stuttgart stattfinden, wird sich sein Lebensmittelpunkt nach Baden-Würtemberg verlagern. Das ist aber noch lange kein Grund, die Leichtathletik beiseite zu schieben. "Ich werde dann wohl in Sindelfingen trainieren und mich noch mehr auf die Hürden konzentrieren", sagt Timo Kaufmair.
Ob er dann weiter drei Einheiten pro Woche und zusätzlich Krafttraining absolviert, wird sich zeigen. Zunächst einmal gilt es, nächste Woche bei der Deutschen U20-Meisterschaft erfolgreich zu sein. "Es in den Endlauf zu schaffen, wäre toll. Und vielleicht werde ich ja noch für den Länderkampf in Tschechien Ende August nominiert", hofft der 19-Jährige.