Der HC Erlangen ist zurück in der Beletage des deutschen Handballs. Mit einem 33:26-Sieg in Hagen besiegelte das Team von Trainer Robert Andersson am Dienstagabend den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga. Als um 21.24 Uhr die Sirene in der Enervie Arena ertönte, gab es kein Halten mehr, die 400 Kilometer lange Heimreise im Bus war ein einziges Fest. Nur einer fehlte, als der Konvoi gegen halb vier am Mittwochmorgen in der Hugenottenstadt einrollte.

Stefan Adam hatte angesichts des straff durchgetakteten Arbeitstages, der gestern auf ihn wartete, die Feierlichkeiten ausgelassen. "Trotzdem war die Nacht nicht besonders lang", sagte der HCE-Geschäftsführer beim morgendlichen Telefonat mit kratziger Stimme. "Die Mannschaft hat sich diesen Aufstieg absolut verdient. Vor allem aufgrund der beeindruckenden Kontinuität, mit der auch die jungen Spieler zu Werke gegangen sind. Der Trainerstab um Robert Andersson hat einen wirklichen guten Job gemacht", sagte Adam zufrieden.

Für ihn sei es ein Segen, zu einem so frühen Zeitpunkt schon Planungssicherheit für die neue Saison zu haben. "Jetzt können wir es ja zugeben: Wir haben uns schon früh mit dem Bundesliga-Szenario beschäftigt, was auch die Winter-Transfers belegen dürften. Alle Beteiligten haben unumstößlich an den direkten Wiederaufstieg geglaubt." Doch sicher habe man sich nicht sein können, denn im Sport sei vieles möglich. Abgesehen von einer kurzen Schwächephase in der Hinrunde und der Verletzung von Pavel Horák, die etwas Unruhe verursacht habe, sei aber kein Sand ins Getriebe bekommen. "Alle Rädchen haben perfekt ineinander gegriffen", sagte Adam.


Erstklassiges Umfeld

Ein Selbstläufer sei die Rückkehr in die Bundesliga trotzdem nicht gewesen, es stecke sehr viel Arbeit in diesem Erfolg. "Beim ersten Aufstieg vor zwei Jahren musste viel aus dem Boden gestampft werden, da war erst kurz vor Rundenbeginn klar, in welcher Halle überhaupt gespielt werden kann. Jetzt sind wir bereits ein ganzes Stück weiter", berichtete der 43-Jährige. Entscheidend hierfür sei gewesen, das Erstliga-Niveau im Umfeld zu halten - sei es bei Trainings-Intensität und Organisation, bei Events oder der Professionalisierung aller Bereiche.

"Erschwerend ist gewesen, dass das Level in der 2. Liga heuer hoch ist. Mit Coburg, Minden und Friesenheim sind drei weitere bärenstarke Teams vorn dabei. Es gab Jahre, da wäre man noch mit 25 Minuspunkten aufgestiegen, daran ist heuer nicht zu denken", betonte der HCE-Geschäftsführer. Umso befriedigender sei die Tatsache, dass das große Ziel schon seit ein paar Wochen zum Greifen nah war und nicht mehr in Gefahr geriet.

Nach dem ersten Ausflug in die Bundesliga, bei dem der Klassenerhalt nur knapp verpasst wurde, will sich der HCE nun im deutschen Handball-Oberhaus etablieren - mit einer jungen, hungrigen Mannschaft, die möglichst zusammenbleibt und weiter zusammenwächst. "Das ist unser Anspruch und dafür werden wir alles tun", erklärte Adam, der nun die bereits angelaufenen Gespräche mit Sponsoren weiter intensivieren will. Die Kaderplanung für die neue Spielzeit biege auf die Zielgerade ein. "Auf den Schlüsselpositionen sind alle Fragen geklärt, einen Nachfolger für Oliver Heß im rechten Rückraum werden wir in den kommenden Wochen präsentieren."


Den Zuschauer-Rekord knacken

Doch zunächst stehen noch sechs Spiele in der 2. Liga an, und Adam versprach dafür volle Konzentration: "Wir nehmen jetzt nicht den Fuß vom Gas, wir wollen Meister werden und gemeinsam mit unseren Fans noch einige Highlights genießen." Der Geschäftsführer spielte vor allem auf den Pfingstmontag, 16. Mai, an. Dann will der HC Erlangen gegen TUSEM Essen in der Nürnberger Arena einen neuen Zuschauer-Rekord in der 2. Liga aufstellen, der aktuell bei 7868 Fans liegt und von den Füchsen Berlin gehalten wird. Knapp 6000 Tickets hat der Klub dafür bereits verkauft. "Am 27. Mai haben wir dann unser letztes Heimspiel, bei dem alle Spieler, die uns verlassen, verabschiedet werden, und wir die offizielle Aufstiegsparty feiern", sagte Adam.