Mit zehn Punkten Abstand haben die Handballer der Turnerschaft Herzogenaurach das Bezirksoberliga-Derby gegen den OG Erlangen gewonnen. Dennoch sprach Kapitän Jonas Hirning von einer schweren Geburt. Die abstiegsgefährdeten Gäste waren immerhin mit dem Selbstvertrauen von vier Siegen aus den vergangenen fünf Partien angereist.


TS Herzogenaurach - OG Erlangen 37:27

Tatsächlich boten die Olympioniken den Schuhstädtern 40 Minuten Paroli, ehe die Offensive der Gastgeber aufdrehte und die Entscheidung erzwang. Besonders im ersten Durchgang taten sich die Herzogenauracher mit dem routinierten Spiel des OG außerordentlich schwer. So hielt der Olympische Gedanke - wie gewohnt - den Ball lange in den eigenen Reihen und schloss die Angriffe durch präzise Einzelaktionen meist erfolgreich ab.
Vor allem Rückraum-Allrounder Frank Roßner tat sich hervor, avancierte mit neun Treffern zum besten Erlanger Schützen. Ihn bekam der Defensivblock des Tabellenzweiten nur schwer in den Griff, was auch Hirning nach Abpfiff der Begegnung bemängelte: "In der ersten Halbzeit hat der OG das Tempo verschleppt und wir haben uns diesem Spiel angepasst. Da sahen wir in der Abwehr wirklich nicht gut aus."
Anders lief es allerdings vor dem gegnerischen Gehäuse. Dort stießen die Angreifer der Turnerschaft konsequent in die Nahtstellen und reichten das Spielgerät druckvoll weiter, was gute Tormöglichkeiten ergab. Doch selbst eine kaltschnäuzige Ausbeute schüchterte die Routiniers aus der Universitätsstadt nicht ein. So erspielten sich Roßner, Ralf Mück und Co. geduldig einen knappen Vorsprung, der bis zur Pause Bestand hatte. Beim Stand von 15:16 aus Sicht der Hausherren ging es in die Kabine.


Trainer findet die richtigen Worte

Dort fand TS-Spielertrainer Ingo Kundmüller offenbar die richtigen Worte. Denn nach kurzer Warmlaufphase zu Beginn des zweiten Durchgangs drehten seine Schützlinge ungehemmt auf und erkämpften sich über eine stabilere Deckung zahlreiche Bälle, die postwendend in Gegenangriffe umgemünzt wurden.
Über die erste und zweite Welle fanden vor allem Pascal Will und Philipp Wolf immer wieder Lücken im Erlanger Defensivverbund und netzten konsequent ein. Die undankbare Aufgabe, gegen den Herzogenauracher Rückraumtorjäger Wolf zu verteidigen, übernahm mit Robert Feldlin zwar der Erlanger Akteur mit der größten Erfahrung, doch auch er konnte den Halblinken nicht stoppen.
Mit Kundmüller waren die beiden TSH-Akteure maßgeblich an dem Kantersieg der Gastgeber beteiligt. Immerhin steuerte das treffsichere Triumvirat 24 Tore zum Derby bei und legte Mitte der zweiten Halbzeit den Grundstein für einen 10:2-Lauf und die Vorentscheidung der Herzogenauracher. In Minute 42 hatte es noch 22:22 gestanden. Zudem musste der Zehntplatzierte drei Minuten vor Ende noch einen Platzverweis wegen der dritten Zeitstrafe gegen Mück hinnehmen.


Weitgehend faires Kräftemessen

Davon abgesehen lieferten sich die beiden mittelfränkischen Widersacher jedoch ein größtenteils faires Kräftemessen, das mit einem souveränen TSH-Sieg ein gerechtes Ende fand. Die Hausherren haben die Ausfälle von Markus Wolf (Armverletzung), Markus Theiss (Urlaub), Thomas Janson (Fußverletzung), Jörn Marks und Bernhard Auer (beide Erkältung) nahezu mustergültig kompensiert.
"Trotz der zahlreichen Ausfälle hätten wir uns in der ersten Halbzeit besser verkaufen müssen", monierte Kundmüller, der aber auch Lob verteilte: "Dafür war die zweite Hälfte umso besser. Wir haben das Tempo erhöht und die Partie gedreht." Der OGE muss sich dagegen wie in einer Filmwiederholung gefühlt haben: Bereits im Hinspiel kontrollierte der Altmeister die Partie gegen den Favoriten, solange Kraft und Konzentration reichten, um letztlich doch relativ deutlich zu verlieren (21:27).
TSH: Kammerer, Mayer, Schauer - Hirning (4), Will (6), Josnik (1), Wonner (3), Großhauser (2), Sieber, P. Wolf (11), Hettchen (3/3), Kundmüller (7)
OGE: Rödel - Roßner (10), Luis Pellny (2), Laskowski, Sporrer (3), Radler, Michael Pellny (2), Feldlin (2), Mück (2/1), Holle (1), Schriefer, Fechner (5/2)