Im letzten Heimspiel der Bayernliga-Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach bekamen die rund 100 Zuschauer nochmals viel von dem zu sehen, was Begegnungen in dieser Liga ausmacht. Beim Sieg gegen die SG Garitz/Nüdlingen war Spannung pur angesagt, mit viel Leidenschaft wurde wurde um jeden Zentimeter Boden gekämpft. Beide Teams versuchten, das Geschehen mit verschiedenen taktischen Maßnahmen an sich zu reißen. So war das Spiel keine Handball-Delikatesse, doch die aufgeladene Atmosphäre war nahezu greifbar.


TS Herzogenaurach - SG Garitz/Nüdlingen 27:25

Vielfach waren es bärenstarke Einzelaktionen, die der Begegnung ihren Stempel aufdrückten. Hier tat sich anfangs Gästespielerin Ronja Schwalbe ganz besonders hervor. Mit ihren technischen Fähigkeiten und dem Blick für die Situation war sie fast allein dafür verantwortlich, dass die Gäste in der 16. Minute beim Stand von 10:3 aus eigener Sicht praktisch uneinholbar davongezogen waren. Ob das perfekte Einleiten von erweiterten Gegenstößen, das Ausspielen des direkten Gegners mit nachfolgend präzisen Zuspielen oder auch fast ansatzlose Torwürfe aus dem Rückraum - Schwalbe wurde zum Albtraum der TSH-Abwehr und sorgte dafür, dass Torfrau Annika Bernhardt fast keinen Wurf erwischte.

So war es auch nicht verwunderlich, dass die Gastgeberinnen auch offensiv nicht in Schwung kamen: Nur drei Treffer in 16 Minuten gab es noch nie. Coach Hans-Jürgen Kästl musste reagieren, und ließ Mittel-Angreiferin Lisa Wenzke fortan von Saskia Probst in Manndeckung nehmen. Diese Maßnahme fruchtete. Denn während bei Schwalbe erst die Kraft und nachfolgend das Selbstvertrauen verloren gingen, verfingen sich ihre Nebenleute in der jetzt endlich kompakt agierenden Abwehr der TSH. Vor allem Probst und Alexa Dodan brachten ihre Mannschaft bis zur Pause wieder in Schlagdistanz (13:14). Das schönste Tor erzielte dabei Dodan, die von der für sie ungünstigen halblinken Position einen direkten Freiwurf über die sechsköpfige Mauer ins Dreieck der langen Ecke versenkte.

Einmal dran, fand die TSH nach dem Seitenwechsel endlich zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung, wozu auch Hermine Ohlmann im Tor beitrug, die doch etliche Abschlüsse parierte. Dennoch blieb es eine packende Begegnung, denn die Gäste ließen sich nicht abschütteln und ließen der TSH mit ihrer erwartet giftigen "Zerstörungsarbeit" in der Abwehr fast keine Freiräume für Ballstafetten. Über 16:15 (35.) - die erste Herzogenauracher Führung überhaupt - und 23:23 (51.) versuchten die Kästl-Schützlinge immer wieder, etwas Distanz zu Garitz aufzubauen. Doch dies wollte nicht gelingen.


Die Strafbank füllt sich

So war letztlich die Eigeninitiative jeder TSH-Spielerin das wirksamste Mittel in einer Begegnung, in der beide Seiten aufgrund von Hinausstellungen immer wieder aus dem Rhythmus kamen. Musste die TSH fünfmal in Unterzahl zurecht kommen, nahmen bei den Gästen gar acht Akteurinnen auf der Strafbank Platz. Daran nicht ganz unbeteiligt waren die beiden Schiedsrichter, die ihre gute Linie nach rund 20 Minuten einbüßten.

Objektiv betrachtet wäre ein Unentschieden gerecht gewesen. Doch in Anbetracht der fantastischen Moral bei der TSH, bei der nach dem Wechsel auch Carole Mittelheisser, Sarah Stephan und Katrin Kräck für Zählbares sorgten, hatte sich das Team einen positiven und erfolgreichen Saisonabschluss in eigener Halle verdient.
"Es war kein Spiel auf gehobenem Niveau, und gegen Garitz ist es meist schwer. Ich bin aber stolz auf meine Mannschaft: Nacheinem solchen Rückstand wieder zurück zu kommen und bei lange währendem Gleichstand am Schluss doch noch taktische Mittel umzusetzen, zeichnet sie aus", betonte Kästl nach der Partie.
TS Herzogenaurach: Bernhardt, Ohlmann -J. Kräck (1), Mittelheisser (5), Stephan (4/2), Dodan (8/1), K. Kräck (2), Probst (6), Mittasch (1), Müller-Tegel