Von der bescheidenen Pokal-Atmosphäre in der Gymnasiumhalle haben sich die Bayernliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach nicht herunterziehen lassen und die dritte Runde des Molten-Cups souverän gemeistert. Obwohl gleich drei Begegnungen von vier Teams zu sehen waren, kam nur phasenweise Stimmung auf. Das lag zum einen an den Paarungen, zum anderen an nur 50 Zuschauern.

In der Auftaktbegegnung zwischen dem ambitionierten Landesligisten SV München- Laim und dem Bezirksklassenvertreter HV Hersbruck war der Außenseiter zwar mit Engagement um Schadensbegrenzung bestrebt, der Gegner aus der Landeshauptstadt kam aber fast unaufhaltsam zu einem 49:14 (28:6)-Erfolg.


TS Herzogenaurach - HSG Fichtelgebirge 35:13

Anschließend traf der Gastgeber auf den ewigen Bayernliga-Rivalen. Doch die Gäste traten nur mit einer gemischten Mannschaft an, gerade mal vier Akteurinnen zählen zu den Leistungsträgerinnen der HSG, die in der Liga auf Rang 8 steht. Die TSH musste ihrerseits mit nur einer Wechselspielerin klarkommen - und das mit einem möglichen zweiten Spiel nur 90 Minuten später im Hinterkopf.

Herzogenaurach brauchte zehn Minuten, um Fuß zu fassen. Die Gäste hingegen gingen munter zur Sache und schienen für einige Überraschungen gut zu sein. In einer äußerst fairen Begegnung setzte sich dann aber die Stammformation der TSH (nur Saskia Probst fehlte) immer mehr durch, ohne zu glänzen. Zahlreiche Flüchtigkeitsfehler brachten immer wieder Sand ins Getriebe. Hätte Torfrau Hermine Ohlmann nicht ab der 15. Minute mehrere gute Aktionen gehabt, hätte es eng bleiben können. Doch die TSH ist auf einzelnen Positionen so stark besetzt, dass sie das Geschehen langsam dominierte. Die 15:7-Halbzeitführung entsprach in etwa dem Spielverlauf.


Schön herausgespielte Treffer

In den zweiten 30 Minuten ließen sich die Gäste zunehmend hängen und wurden vom Tempospiel der Kästle-Mannschaft entmutigt. Diese kam zu vielen schön herausgespielten Treffern. Zudem setzten sich Vicky Egle, Sarah Stephan, Janka Kräck oder Alexa Dodan direkt durch. Da die TSH mit Steffi Mittasch, Tanja Küffner und Elena Lichtscheidel weitere Akteure auf dem Feld hatte, die sich steigerten, war der 35:13-Sieg auch in der Höhe verdient, zumal Michaela Müller, die nach dem Wechsel das Tor hütete, ein Aufbäumen der jungen Gäste schon im Ansatz verhinderte.
TSH: Ohlmann, Müller - J. Kräck (4), Stephan (7), Egle (7/2), Dodan (9/2), Mittasch (2), Küffner (4/1), Lichtscheidel (2/1)


TS Herzogenaurach - SV München-Laim 30:28

Nach rund 50 Minuten Pause kam es also zum vorhersehbaren Finale. Und die Münchner waren ein anderes Kaliber. Zumal die Laimer drei Stunden Pause hatten und sich von der Tribüne aus mit dem Gegner befassen konnten. So zeigten sie sich auch von Beginn an gut auf die TSH eingestellt. In der Abwehr packten sie heftig zu, bei eigenen Angriffen hatten sie keinerlei Scheu, sich von gleich zwei Gegnerinnen einem Härtetest zu unterziehen.

Ein probates Mittel, die etwas müderen Gastgeberinnen unter Druck zu halten, war ihre schnelle und zum Einsatz kommende Mitte, mit der sie den Bayernligisten praktisch ohne Pause zu Sprints zwangen. Zwar war Saskia Probst nach ihrem Einsatz in Stadeln herübergeeilt, um der TSH eine zusätzliche Alternative zu ermöglichen, doch auf der anderen Seite boten die Gäste gleich vier Wechselspielerinnen auf.

Als die Landeshauptstädter gegen Dodan eine Pressdeckung praktizierten, nutzten deren Mitspielerinnen einige Minuten lang vorbildlich die größeren Räume und spielten den Ball wie am Schnürchen. Das Spiel nahm zugunsten Herzogenaurachs Fahrt auf (10:7, 17. Minute). Doch ohne Not verzettelte sich die TSH wieder in Einzelaktionen. Ärgerlich war eine Überzahlsituation kurz vor der Pause, als die Gastgeber nicht trafen und stattdessen im Gegenangriff das 16:13 kassierten.

Dennoch kam die TSH besser in den zweiten Abschnitt und lag mit 19:15 in Front. Die Gäste waren psychisch und physisch aber weiter ebenbürtig, erzielten beim 21:21 den Gleichstand. Auch kurz vor dem Abpfiff gaben die Aurachstädterinnen - am Ende ihrer Kräfte - ihren Vorsprung nochmal her. Der 26:26-Endstand machte ein 7-Meter-Werfen erforderlich.

Hier erwies sich Hermine Ohlmann erneut zum Strafwurfschreck, indem sie gleich drei Versuche der Münchner parierte, während Stephan, Dodan und Mittasch sicher verwandelten.
TSH: Egle (9), Probst (4), Kräck (3), Dodan (3/2), Mittasch (2), Stephan (4), Küffner (1)

Letztlich war es ein Erfolg des Willens, spielerisch gab es in beiden Spielen einige Mängel. Hervorzuheben ist Vicky Egle, die an diesem Tag die auffälligste Akteurin in der Halle war und sich in bestechender Form präsentierte. "Angesichts der Strapazen müssen wir zufrieden sein", bilanzierte TSH-Trainer Hans-Jürgen Kästl. "Zwar hätte ich den Mädels lieber mal ein freies Wochenende gegönnt, anstatt beim "Final Four" am 20. Dezember neuerlich auflaufen zu müssen, doch wenn man auf dem Feld steht, will man auch gewinnen. So gesehen haben sie es sich verdient, unter den vier besten Teams zu sein."

Bei dem Endturnier um den Molten-Cup des bayerischen Handball-Verbands treffen die Herzogenauracherinnen auf die Liga-Konkurrenten Ottobeuren, Zirndorf und Ismaning.