Neue Saison, alte Sorgen: Beim Auswärtserfolg in Winkelhaid musste Hans-Jürgen Kästl, Trainer der Bayernliga-Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach, mit einer Minibesetzung antreten. Es war vorher klar, dass Tanja Küffner nach einem Autounfall und Stefanie Mittasch wegen Knöchelproblemen fehlen würden.Dass aber der so vielversprechende Neuzugang Eliska Horeckova wegen gesundheitlicher Probleme länger ausfallen wird, passt überhaupt nicht in das Konzept des Trainers. Da sich zudem Alexa Dodan im Training eine heftige Muskelverletzung zugezogen hatte und über das Spielfeld humpelte, richtete Kästl sorgenvolle Blicke auf die Anzeigetafel. Die waren aber unbegründet: "Ich bin total beeindruckt davon, wie gelassen, engagiert und diszipliniert meine Mannschaft mit der bedenklichen Situation umgegangen ist", lobte der TSH-Coach hinterher.


TSV Winkelhaid - TS Herzogenaurach 20:25

Nun, so völlig neu war die Situation nicht - Egle, Probst, Kräck, Dodan, Stephan und Müller hatten schon in der Vergangenheit gar manche Auswärtsbegegnung unter ähnlich frustrierenden Vorzeichen bestreiten müssen. Und auch diesmal ließ sich ein Erfolg verbuchen. Mehr noch, die TSH war dem Gegner in einem fairen aber kampfbetonten Spiel überlegen und entführte völlig verdient die beiden Punkte an die Aurach. "Ich bin natürlich erleichtert und froh über das Ergebnis, denn unsere beiden Auftaktspiele mussten wir nach Lage der Dinge unbedingt gewinnen", erklärte Kästl später.
Dabei waren die Gastgeberinnen mit einer personell deutlich stärkeren Besetzung angetreten als in der Woche zuvor bei ihrem Waterloo in Ottobeuren und hielten die Begegnung lange Zeit offen. Über 3:3, 5:4 und 5:6 aus Sicht der TSH war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit einer erneut sicheren Michaela Müller im Tor konnte Herzogenaurach aber zumindest die starke Anfangsphase der Gastgeberinnen abfedern und ab der 20. Spielminute auch ein leichtes Übergewicht erringen.


Nur einmal wechselte die Führung

Dazu trug auch die taktische Maßnahme Kästls bei, die 5:1- Abwehr auf eine massive 6:0-Deckung umzustellen, denn damit wurden auch die wuchtigen Durchbruchversuche der athletischen Rückraumspielerinnen in die Schnittstellen der TS-Abwehr weitgehend unterbunden. So sollte die 13:11-Pausenführung den Gästen eigentlich die nötige Sicherheit für die folgenden 30 Spielminuten geben.
Doch der TSV hatte sich natürlich etwas einfallen lassen und ging nach 38 Minuten selbst mit 15:14 in Front. Weiter ließ es das Gästeteam nicht kommen. Mit Neuzugang Hermine Ohlmann, die Müller im Tor ablöste, brachten die Gäste das geschehen wieder unter Kontrolle. Insgesamt gleich sechs Strafwürfe wehrte die - im Gegensatz zur stoisch ruhigen Müller- quirlige Ohlmann ab und verwirrte die Stürmerinnen mit ihrer Spielweise. Über 17:15 und 20:17 sorgte die TSH für die nötige Distanz zum Gegner und kam letztlich zu einem ungefährdeten 25:20-Erfolg in der diesmal bald recht stillen Halle des TSV Winkelhaid.
Dies sicherlich auch, weil Kästls Akteure in Sachen Torchancen immer dominanter wurden, mit diesen aber noch etwas leichtfertig umgingen, auch zwei Strafwürfe wurden vergeben. In toller Frühform zeigte sich erneut die 17- jährige Saskia Probst, die inzwischen auch in der Abwehr bei Zweikämpfen kräftig zupackt und im Angriff praktisch aus allen Situationen heraus enorm torgefährlich ist.
"Ihr hilft dieser Körpereinsatz in der Deckung sehr - gerade auch für die eigenen Angriffsmomente", sagte Kästl, der aber auch die Einstellung und Leistung von Janka Kräck sowie Sarah Stephan lobte: "Beide musste ich wechselweise auf insgesamt jeweils vier Positionen beordern. Nicht nur die Art, wie sie sich damit arrangierten, sondern auch, was sie daraus machten, hat mir sehr gefallen." Diese zwei erkämpften Punkte auf der Habenseite werden dem Team im Laufe der Saison noch sehr hilfreich sein, waren sich die Protagonisten einig.