"Irgendwann wird es uns mal wieder erwischen", hatte Hans-Jürgen Kästl vor der Partie orakelt. Und der Trainer der Bayernliga-Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach sollte recht behalten. Nach 13 Spielen hintereinander, die vom Ergebnis her nicht besser hätten verlaufen können, verlor die TSH. Mit 28:30 unterlag der Spitzenreiter beim Tabellenachten TSV Ottobeuren nicht unverdient, was den parallel fast ebenso lange siegreichen HSV Bergtheim wieder auf einen Punkt heran kommen lässt.

28 Treffer bei den enorm heimstarken Allgäuerinnen sind an sich ein passabler Wert, weniger jedoch die kassierten 30 Gegentore, und hier sah Kästl dann auch die eigentliche Ursache für die Niederlage: "Wir konnten den temporeichen und extrem druckvollen Angriff des Gegners lange nicht aufhalten, selbst Umstellungen in der Abwehr führten erst spät zu einer leichten Entspannung aus unserer Sicht".


TSV Ottobeuren - TS Herzogenaurach 30:28

Was er meinte, waren speziell die ersten 20 Minuten, als die Mittelfränkinnen neben sich zu stehen schienen, sowohl in direkten Zweikampfaktionen als auch aus der Distanz einfach zu passiv agierten und sich den Spielverlauf aus den Händen nehmen ließen. Schon nach sechs Spielminuten lag der TSV mit 6:2 vorne und baute diese Führung relativ locker auf 14:7 (17.) aus, ehe es den Gästen gelang, etwas Ordnung in ihre Spielanlage zu bringen. Der Pausenstand von 14:18 aus Sicht der TSH erschien dann auch dazu geeignet in den nachfolgenden 30 Minuten Spielverlauf und Ergebnis umzudrehen.

Tatsächlich steigerte sich der Spitzenreiter deutlich, konnte die Abwehr stabilisieren und hatte mit Michaela Müller einen guten Rückhalt ins Tor gewechselt. So kam es nachfolgend zu einem vergleichbar spannenden Kopf an Kopf- Rennen wie dies im bereits im Hinspiel der Fall gewesen war. Sogar der Ausgleich zum 25:25 gelang in der 51. Spielminute, doch nie schaffte es die TSH, selbst mal in Front zu gehen. Dass sich von den tosenden Anfeuerungsrufen der vielen Zuschauer - das war laut Kästl "so laut, dass ich von der Bank meine Spielerinnen fast nicht erreichen konnte" - auch noch die insgesamt guten Schiedsrichter beeindrucken ließen und zwei schwer nachvollziehbare Zeitstrafen gegen die Gäste aussprachen, passte zum missglückten Allgäu-Ausflug.

Selbst die dramatischen zwei Schlussminuten ähnelten jenen aus dem Hinspiel, nur mit umgekehrten Ausgang. Denn nun war es Ottobeuren, das mit zwei Strafwürfen die Begegnungen entscheiden konnte, während die Gäste insgesamt gleich fünf Siebenmeter vergaben. "Um zu gewinnen hätten heute alle Mädels in Topform sein müssen, das aber war diesmal einfach nicht durchgängig der Fall", so ihr Trainer später.

Gleichwohl lobte er die tolle Moral speziell in der zweiten Hälfte und die Art wie man sich rundum zu steigern vermochte, auch wenn die rechte Angriffsseite diesmal generell etwas durchhing. Der Aufwärtstrend bei Alina Erdmann hielt auch in Ottobeuren an, wenngleich diesmal nur für 15 Minuten. Dass sich die angeschlagene geschädigte Lena Mergner ins Getümmel warf und sich dennoch mit vier Toren am Kreis durchzusetzen verstand, ist ein weiterer Beleg für die bemerkenswerte Einstellung im Team. Auch Sarah Stephan wusste besonders nach der Halbzeitpause zu überzeugen, was aber dennoch nicht ganz reichte, um die von der TSH eingeläutete Wende im noch zu einem krönenden Abschluss zu führen.


Selbstvertrauen wird nicht leiden

Gerade an diesem Tage wurden die unbekümmerten und druckvollen Aktionen von der verletzten Carole Mittelheisser vermisst, der es bisher immer wieder gelungen war, bei festgefahrenen Angriffsbemühungen und körperlich hart einsteigenden Gegnern mit individueller Forschheit Zählbares zu erreichen. Auf der anderen Seite bekam die TSH die überragende Mittelangreiferin Keßler (zehn Tore) lange Zeit nicht in den Griff, die mit ihrer Vielseitigkeit sicherlich zu den aktuell besten Akteuren der Liga zählt.
"Wir wollten eigentlich auch in Ottobeuren das Tempo hochhalten, doch das war zunächst die falsche Vorgehensweise. Während wir dabei zu überhastet reagierten, fand der TSV einen enormen Lauf, den wir lange Zeit nicht unter Kontrolle brachten. Dennoch hat es mich gefreut wie wir nach dem schwachen Auftakt doch wieder zurück kamen. Wir müssen und werden diese Niederlage in den nächsten Tagen aufarbeiten, unser Selbstvertrauen wird sie nicht belasten", erklärte Kästl hinterher.

TSH: Bernhardt, Müller - Stephan (7), Egle (1), Wedrich, Bestle (2), Probst (5/1), Mergner (4), Erdmann (4), Lang (1), Theobald (2), Küffner (2)