Der "InFranken-Kick" zwischen Spitzenreiter Leutenbach und dem Tabellendritten aus Pegnitz bot 120 Zuschauern acht Tore - und in der Nachspielzeit eine mehrminütige olympiareife Unterhaltung im griechisch-römischen Stil. Aller Warnung ihres Trainers Walter Horsch zum Trotz klauten die Gäste der Concordia beim 4:4 auf eigenem Platz - nicht einmal unverdient - zwei eminent wichtige Punkte im Titelkampf vor den Augen der spielfreien Konkurrenz aus Kirchenbirkig, die sich trotz des Rückstandes von zwei Punkten nun wieder Hoffnung machen.

Während sich Freund und Feind samt Anhang nach Abpfiff in die Kabinen zur wohlverdienten Dusche oder diskutierend ins Sportheim verzogen, saßen Leutenbachs Trainer Walter Horsch und Spielleiter Peter Dötzer noch Minuten nach Abpfiff mutterseelenallein im Wechselhäuschen und analysierten bei strömendem Regen die abgelaufenen 90 Minuten Fußballkampf.

Vorangegangen war eine intensive Partie, die zunächst nach den Wünschen der Gastgeber zu laufen schien. Allerdings brachten die Hausherren das Kunststück fertig, die Gäste, für die es nur noch um die Ehre ging, immer wieder ins Spiel zurückkommen zu lassen. Fast erleichtert nahm Horsch zur Kenntnis, dass die Gäste trotz drei hochkarätigster Chancen in den Schlussminuten nicht mehr trafen. Doch zunächst der Reihe nach.

Flotter Beginn der Gastgeber

Leutenbach begann schwungvoll, Marius Dötzer schob die Kugel nach Patzer von Andreas Meyer bereits in der 2. Minute knapp am langen Pfosten vorbei, wie auch eine Zeigerumdrehung später Christian Kraft am anderen Pfosten. Den beiden auffälligsten Spielern der Anfangsphase gehörte auch die nächste Szene, als Kraft hereingab und die Abnahme von Dötzer Gästetorwart Florian Neukirchner irgendwie zwischen den Schienbeinen hängen blieb (5.). Letzterer begünstigte auch die Führung der Hausherren nach acht Minuten, als er einen Freistoß von Johannes Roth aus spitzem Winkel über die Fäuste zum 1:0 passieren ließ. Kurz danach wieder C. Kraft auf Dötzer, doch dessen Direktabnahme streicht ins Aus (10.).

Die kalte Dusche folgte auf dem Fuß. Der agile Gästeangreifer Philipp Schmidt, der über 90 Minuten viel Unruhe erzeugte, hob einen fast schon abgewehrten Ball aus der Drehung Richtung Concordia-Kasten. Der verdutzte Keeper Wilhelm Egelseer, der etwas weit vor dem Tor stand, musste die Kugel hinter sich zum 1:1-Ausgleich einschlagen lassen (15.).

Foul nicht geahndet

Julius Galster hatte in der Folge Glück, dass der Referee sein taktisches Foul nur mit Freistoß und nicht persönlich bestrafte, als Raimund Zitzmann wohl durch gewesen wäre (25.). Ein Missverständnis zwischen Christian Rupprecht und Spielführer Manuel Wätzold in der Abwehr sah Dötzer als Nutznießer, der aus kurzer Entfernung zur 2:1-Führung der Gastgeber einnetzte (31.). Fast hätte Tobias Schüpferling das 3:1 (35.) nachgeschoben, doch der Kopfballtreffer zählte wegen Abseits nicht. Der 2:2-Ausgleich (40.) kam ebenso überraschend wie die erste Egalisierung - und wieder war P. Schmidt beteiligt.

Zitzmann verwertete die Flanke per Flugkopfball aus kurzer Nähe, allerdings begleitet von starken Protesten der Hausherren, die eine Abseitsstellung wähnten. Im Verlauf der Partie hatte es der Schiedsrichter in beiden Lagern nicht leicht und stand wiederholt in der Kritik, vor allem bei strittigen Abseitssituation und seiner sehr großzügigen Auslegung der Vorteilsregel. Da er in der aufkeimenden Hektik nicht wirklich durchgriff und ohne Verwarnungen versuchte auszukommen, gingen die Akteure oft bis an die Grenze des Erlaubten - oder bisweilen darüber.

Sofort nach Wiederanpfiff steht der eingewechselte Alexander Büttner goldrichtig, als Rupprecht die Kugel unter der Sohle durchrutscht und Ersterer über Torwart Neukirchner zur 3:2-Führung einhebt (46.). Als Schüpferling nach Kopfballvorlage von Andreas Dorsch das Leder vom Fünfmeterraum ins Netz der Gäste zum 4:2 bugsierte (56.), schien die Partie gelaufen zu sein. Der Treffer wurde über Lautsprecher als 100. Saisontor angesagt, was die Pegnitzer nochmals anstachelte. C. Kraft zirkelte zunächst ein Zuspiel von Dötzer um den Pfosten (59.), auf der Gegenseite brachte ein Pressschlag wieder P. Schmidt in Szene, der über den herauseilenden Egelseer auf 3:4 verkürzte (68.). Gleich darauf die Ausgleichs-Chance durch Spielertrainer Florian Schlegel, der aus acht Metern aussichtsreich über das Gehäuse ballert (69.). Leutenbach bettelte um den Ausgleich und bekam ihn.

Gegen die unsortiert nach vorne strebenden Gastgeber reichte ein Durcheinander im Strafraum, bei dem hintereinander vier Pegnitzer beste Chancen bekamen. Den Abpraller von Schmidts Lattentreffer, von Egelseer noch dahin gelenkt, drückte Andreas Brendel mit dem Körper zum 4:4-Ausgleich über die Linie (70.). Beide Reihen hatten in der Folge beste Möglichkeiten zum Sieg. Die Hausherren durch Dötzer (76.), und als Büttner auf Schüpferling auflegte, anstatt selbst abzuschließen (79.) Die Gäste waren durch Zitzmanns Luftschlag (79.), sowie über P. Schmidt (83.) und nochmals Zitzmann, der haarscharf an einer Flanke vorbeirutschte (87.), gefährlich. Als Leutenbach alles auf eine Karte setzte, köpfte Dorsch knapp vorbei (87.) und Matthias Krafts Versuch aus der zweiten Reihe wurde abgeblockt (89.).

Beim letzten Angriff in der Nachspielzeit gab es tumultartige Szenen, als der gefoulte Büttner im Affekt reagierte und umstehende Akteure beider Lager in die aufgeheizte Szenerie eingriffen. Nachdem herbeigeeilte Betreuer die Streithähne trennten und die Situation unter Kontrolle brachten, zückte Referee Kunkel den roten Karton für den Leutenbacher Torschützen, der seinem Team nun im Finale fehlen wird.

Die Meinung der Trainer

Walter Horsch, ansonsten ein Mann ruhiger und analytischer Worte, konnte seinen Gemütszustand nicht gänzlich verbergen: "Wir haben in der Anfangsphase eine deutliche Führung verpasst und Pegnitz stark gemacht. Nach dem 4:2 hätten wir das Ding heimschaukeln müssen, aber wir gaben dem Gegner da zu viel Platz, weil einige Akteure von uns ohne Erklärung plötzlich zu offensiv nach vorne drängten."

So gesehen hat sich sein Team die Punktverluste selbst zuzuschreiben: "Zum Schiri in dieser an sich fairen Partie sage ich nur so viel: Wenn er zu Beginn einen meiner Akteure vom Platz stellt, hätten wir uns nicht beschweren dürfen. So ließ er das Spiel schleifen, es wurde hektisch und eskalierte aus einer Situation heraus, als sich die führungslosen Spieler im Rudel zu Dingen haben hinreißen lassen, die auf dem Platz nichts verloren haben." Seine Mannschaft habe trotz des 4:4 noch die besten Karten, obwohl zwei absolut schwere Saisonfinals am heutigen Dienstag gegen SV Auerbach II und am Sonntag in Velden drohen.

Gäste-Spielertrainer Florian Schlegel, der rechtzeitig zum Anpfiff aus dem Türkei-Urlaub eintraf, war mit der Leistung seiner Truppe gegen den, wie er sagt, "kommenden Meister" zufrieden: "Wir konnten ohne Druck und befreit aufspielen und haben gezeigt, dass wir nicht nur 40 Kilometer spazieren fahren wollten, um hier die Punkte abzugeben. Der Schiri hat beide Mannschaften aus meiner Sicht in vielen Szenen benachteiligt und gezeigt, dass er mit seiner Passivität diesem Spiel nicht gewachsen war. Es war der falsche Weg, zu oft beide Augen zuzudrücken, denn es hätte schon vor dem Gerangel in der Nachspielzeit glasklare rote Karten geben müssen. Aus Sicht von Leutenbach würde ich mich benachteiligt fühlen, wenn dadurch das Ergebnis einer kompletten Saison in Gefahr kommt."


Statistik

FC Leutenbach: Egelseer - Galster, Fischer, Matthias Kraft, Alt, Dorsch, Roth, Schüpferling, Dötzer, Drummer, Christian Kraft, (Sebald, Kügel, Büttner)
FC Pegnitz: Neukirchner - Bergmann, Daniel Schmitt, Rupprecht, Andreas Meyer, Schlegel, Schnödt, Nowak, Wätzold, Philipp Schmidt, Zitzmann, (Brendel, Luft, Lehner);
Schiedsrichter: Walter Kunkel (1. FC Eschenau); Zuschauer: 120;
Tore: 1:0 Roth (8.), 1:1 P.Schmidt (15.), 2:1 Dötzer (31.), 2:2 Zitzmann (40.), 3:2 Büttner (46.), 4:2 Schüpferling (56.), 4:3 P. Schmidt (68.), 4:4 Brendel (70.);
Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Büttner (90.);