Mit zumindest nach außen gelassener Beharrlichkeit sind derzeit die Verantwortlichen der Bayernliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach bestrebt, das Aushängeschild der Abteilung für die neue Saison auf gleich mehrere Beine zu stellen. Sowohl die Abteilungsleitung als auch der neue Trainer Hans-Jürgen Kästl und die Spielerinnen sind der Meinung, dass eine personelle Schieflage wie in der vergangenen Saison vermieden werden soll. Denn oft wurden Partien ohne Auswechselspielerin bestritten, eine Begegnung musste gar wegen zu wenigen Spielerinnen ganz abgesagt werden.
Da kam es fast schon einem kleinen Wunder gleich, dass der langjährige Trainer Udo Hermannstädter mit den ihm verbliebenen Akteurinnen den Klassenerhalt auch in der fünften Saison sicherte. Dass er anschließend den Verein verließ, und zudem Leistungsträgerin Nina Bestle andere Prioritäten setzte, ließ noch vor vier Monaten schlimmes befürchten.


Zufällige Verpflichtung

Inzwischen hat die TSH jedoch Entwarnung gegeben. Die Spielerinnen sind nicht nur mit großem Engagement bei der Sache, inzwischen tragen die vom Team ausgehenden positiven Signale erste Früchte. Mit der Ex-Cadolzburgerin Corinna Merz ist auch die zuletzt verwaiste Kreisläuferposition wieder besetzt. Nun haben drei weitere Zugänge den personellen Engpass merklich verringert: Die 21-jährige Stefanie Mittasch war zuletzt auf der linken Rückraumposition für den Landesligisten Münchberg sehr erfolgreich. Kästl beobachtete sie zuvor mehrfach und war von ihrer Spielintelligenz sowie der Stärke im Abwehr-Innenblock beeindruckt. Mittasch erklärte, dass Kästl sie zum Wechsel an die Aurach überzeugen konnte und sie im Kreise der neuen Mitspielerinnen durchaus die Möglichkeit sieht, dem Team zu helfen und sich "in der Bayernliga sportlich weiterzuentwickeln".
Eher zufällig kam es zur Verpflichtung der Tschechin Eliska Horeckova. Die 24-jährige Rechtshänderin hat in ihrer Heimat bereits in der ersten und zuletzt zweiten Liga auf beiden Außenpositionen gewirbelt, ehe sie seit einigen Monaten ihrem in Nürnberg berufstätigen Freund folgte, der kurzerhand zu Kästl Kontakt aufnahm. Der wiederum freut sich über die unerwartete Verstärkung sehr. Denn eine andere Personalie bereitet ihm etwas Sorgen: Sarah Stephan, die technisch ausgezeichnete und daher vielseitig einsetzbare Spielerin, ist ein Doppelspielrecht mit dem Regionalligisten ESV Regensburg eingegangen. Also dem Verein, den Hermannstädter jetzt trainiert. "Ich möchte diese Aktion nicht kommentieren", sagte Kästl, der nun wohl umdenken muss, nachdem er mit ihr intensiv geplant hatte.


Stephan mit Doppelspielrecht

Hermannstädter bestätigte, dass er Stephan dazu bewegt habe, das Doppelspielrecht einzugehen, nachdem er beim ESV nach eigenem Bekunden personell vom "Regen in die Traufe" kam: "Fünf der ersten sieben Spielerinnen stehen mir nicht mehr zur Verfügung und daher muss ich auch hier nach Möglichkeiten suchen, personell nachzubessern. Wobei jedoch klar ist, dass Sarah bei sich überschneidenden Terminen der TSH zur Verfügung steht." Kästl nimmt das Thema zumindest nach außen hin souverän, sportlich macht es ihm die Verstärkung durch Horeckova auch etwas leichter, über der Angelegenheit zu stehen.
Der insgesamt vierte Neuzugang ist Elena Lichtscheidel. Die 21-Jährige soll laut Kästl als Ergänzungsspielerin schon im Verlaufe dieser Saison für Entlastung im Rückraum sorgen. "Ich arbeite gerne mit Spielertypen zusammen, die man noch formen kann", sagt Kästl, der Lichtscheidel auch im athletischen Bereich gute Voraussetzungen attestiert. Sie entstammt dem schier unerschöpflichen "Talentschuppen" des HC Erlangen. Zuerst hatte sich Regionalligist HaSpo Bayreuth die Dienste von Lichtscheidel gesichert, wo sie regelmäßig mit der ersten Mannschaft trainierte, im Verlaufe der vergangenen Rückrunde auch einige Einsätze bekam, ansonsten aber zum Stamm der zweiten Mannschaft gehörte.
Da sie jetzt in Herzogenaurach ein Praktikum beginnt, war es für sie naheliegend, zur TSH zu wechseln. "Ich bin hier prima aufgenommen worden und zuversichtlich, dass ich der Mannschaft auch bald etwas helfen kann", sagt die junge Erlangerin, die auch das mitzubringen scheint, was im Grenzbereich zum Spitzensport unabdingbar ist: Spaß an der Sache.