Die Höchstadt Alligators sind mit fünf Siegen aus elf Spielen gut ins Abenteuer Eishockey-Oberliga gestartet, rangieren als bester der drei Aufsteiger auf Platz 7. Damit steht der Höchstadter EC sogar vor den etablierten Teams aus Weiden, Sonthofen und Schönheide. Aufgrund des Deutschland-Cups in Augsburg, den die gastgebende DEB-Auswahl auf Rang 3 von vier Teams abschloss, hatten die Panzerechsen Zeit, um durchzuatmen.Teammanager und Spielertrainer Daniel Jun zieht eine positive Zwischenbilanz.

Das erste Drittel der Vorrunde ist vorbei. Wie sind Ihre Eindrücke und wie zufrieden sind Sie?
Daniel Jun: Die Oberliga ist eine ganz andere Hausnummer als die Bayernliga. Der größte Unterschied besteht im taktischen Bereich und in der Geschwindigkeit. Jeder kleine Fehler, jedes dumme Foul wird sofort bestraft. Die Mannschaften sind mit deutlich mehr Spielern besetzt. Die Gegner wissen, worauf es im Eishockey ankommt, weshalb man ständig vollen Einsatz zeigen muss. Mit unserer Leistung bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Wir haben 17 Punkte aus elf Spielen geholt. Damit sind wir voll im Soll.

Höchstadt ist trotz der kurzen Vorbereitung mit einem Sechs-Punkte-Wochenende in die Runde gestartet. Viele dachten, das sei nur das Überraschungsmoment...
Um ehrlich zu sein, das kurze Vorbereitungsprogramm hat uns viele Sorgen bereitet. Aber die Spieler und alle im Umfeld haben sich auf die Oberliga gefreut. Wir haben die kurze Vorbereitung mit Kampfgeist und taktischem Geschick kompensiert. Ich denke aber, wir sollten vorsichtig sein, jetzt schon von einem Erfolg zu sprechen. Wenn wir in sechs bis acht Wochen immer noch auf Platz 7 oder 8 stehen, würde ich das so nennen.

Haben Sie die Befürchtung, dass der Vorteil des unbekannten Aufsteigers bald aufgebraucht ist?
Ich glaube, den Bonus des Neulings gibt es nicht mehr. Die Gegner rechnen schon seit einigen Wochen mit uns und unserem Kampfgeist. Ich bin sehr froh, jetzt alle Gegner einmal gesehen zu haben und zu wissen, was uns erwartet.

Nach den Niederlagen gegen Sonthofen und Selb hat mancher schon einen Riss im System gewittert. Was war da los und wie haben Sie gegengesteuert?
Das hatte definitiv nichts mit dem System zu tun. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir noch mehr Spiele verlieren werden. Gegen Sonthofen hatten wir ein wenig Pech im Abschluss und gegen Selb haben wir im letzten Drittel einfach nicht gut gespielt. Das soll jetzt nicht wie eine Ausrede klingen, vielleicht war das auch ein wenig die Müdigkeit aufgrund der kurzen Vorbereitung. Auf jeden Fall haben wir danach unser Training umgestellt und so den richtigen Schritt gemacht, um unsere Leistung konstanter abzurufen.

Wie sind Sie nach Ihrer Verletzung in die Saison gekommen und macht es einen Unterschied, ob Sie die Spiele von außen beobachten oder selbst mitspielen?
Es war nicht die ideale Vorbereitung für mich. Vier Wochen ohne Schläger, nur laufen - das macht keinem Spaß. Ich hatte lange das Glück, nicht verletzt gewesen zu sein und musste mit der Situation erst einmal klarkommen. Der Vorteil war, dass ich mir von der Bank aus ein Bild machen konnte. Ich arbeite seit neun Jahren als Spielertrainer und muss zugeben, dass von der Bank alles einfacher zu analysieren oder zu korrigieren ist. Ich mache viel kürzere Wechsel als in der Bayernliga und versuche, mich noch mehr an die taktische Disziplin zu halten.

Wie funktioniert die Arbeitsaufteilung zwischen Trainer Petr Kasik und Ihnen?
Auf der Bank ist Petr immer in meiner Nähe und wir sprechen uns sehr gut ab. Er übernimmt viele spontane Entscheidungen, zum Beispiel wie wir wechseln. Dadurch brauche ich mich nicht mehr so ums Coaching zu kümmern, sondern kann mich mehr auf das Spiel konzentrieren. In der Kabine übernehme ich das Zepter. Peter spricht nicht so viel, aber wenn er etwas sagt, nehmen das die Jungs sofort mit. Ich denke, er wird akzeptiert.

Wie schon in den vergangenen Spielzeiten leben die Alligators vom Teamgeist. Welche Rolle spielen die neuen Kontingentspieler?
Wir leben davon, dass wir Spieler verpflichten, die menschlich zu uns passen. Da machen wir einen ganz guten Job und hatten auch Glück. Zu Michal Petrak kann ich nur sagen, dass ich froh bin, dass wir endlich einen jüngeren Offensivspielmacher gefunden haben. Ich war von Anfang an von ihm überzeugt. Er gibt uns das Vertrauen voll und ganz zurück, macht ganz wichtige Punkte und ist dazu ein absoluter Teamplayer. Bei Tomas Rousek ist der Unterschied, dass es seine erste Station im Ausland ist und er noch keine Familie hat. Er ist ein großer Kämpfer und sein Draht zum Team wird immer besser. Ich hoffe, das zeigt sich bald schon auf dem Eis.

Dan Heilmann wurde vor der Saison in Selb ausgemustert. Welche Rolle spielt er bei m HEC?
Dan ist ein absoluter Leader in der Kabine. Vor ihm haben die Jungs riesigen Respekt. Wenn er etwas sagt, hören alle zu. Auf dem Eis spricht seine Leistung für ihn, er ist mit seinem Einsatz ein Vorbild für junge Spieler.

Welcher Spieler überrascht Sie bisher am meisten ?
Max Cajka und Patrick Wiedl sind für mich die größten Überraschungen. Beide sind jung und müssen noch Erfahrung sammeln. Aber sie zeigen bisher eine richtig gute Leistung. Verbessern muss vor allem ich mich. In Überzahl sind wir noch nicht so effektiv wie in der Bayernliga. Natürlich sind auch die Gegner besser, aber ich muss meine Ruhe wiederfinden.

Philipp Schnierstein war in der Bayernliga einer der besten Torhüter. Wie schlägt er sich jetzt?
Er ist unser wichtigster Spieler, aber auch Phillip muss weiter an sich arbeiten, und das macht er. Er ist der Schlüssel zum Erfolg.

Welchen Eindruck hinterlassen die Förderlizenzspieler aus Ingolstadt?
Wenn die Jungs kommen, sind sie fleißig. Aber es dauert noch ein wenig, bis sie die Umstellung auf das Männer-Eishockey geschafft haben. Wann wir sie einmal einsetzen können, kann ich deshalb noch nicht sagen.

Wie sicher ist Platz 8 und was muss getan werden, damit der erfolgreiche Saisonstart nachhaltig ist?
Sicher ist noch lange nichts und es wird sehr schwer, den Play-off-Platz zu halten. Ich glaube erst daran, wenn es so weit ist. Wir brauchen jeden Punkt, um es zu schaffen, aber es sind noch sehr viele Spiele. Wenn wir am Ende über dem Strich stehen, ist das fast wie ein Titelgewinn.

Wie nutzen Sie die Spielpause und wie lautet die Marschrichtung für die kommenden Partien?
Wir wollten einmal nicht an Eishockey denken und Zeit mit Familien oder Freunden verbringen. Ob ein kommender Gegner noch eine Rechnung mit uns offen hat, spielt keine große Rolle. Wir freuen uns auf die Donau-Arena in Regensburg - und dann sehen wir weiter.

Die Fragen stellte
Martin Steinau