Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Der Querläufer Jochen Brosig trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingslaufrunde. Beim Fränkische-Schweiz-Marathon begleitet er die 24-jährige Gabriele Meier vom Laufclub 21 von Ebermannstadt nach Streitberg. Gertrud Hösch und Michael Hench, die Laufpartner von Gabriele, sind ebenfalls dabei.

Am Ortsausgang von Ebermannstadt kommen mir die Drei entgegen. Michael und Gerti haben Gabriele in die Mitte genommen. Von weitem winkt sie mir zu. Gabriele ist mit der genetischen Vielfalt der "Trisomie 21" geboren. Die Zahl 21 steht dabei für die Besonderheit bei Menschen, die das 21. Chromosom dreimal statt zweimal haben.

Für Gabriele und ihren Laufclub ist die 21 aber auch eine Glückszahl. "Wir tragen die 21 auf unseren T-Shirts", sagt Gabriele stolz und freut sich. Der integrative Laufclub 21 setzt sich für Menschen mit Down-Syndrom ein. Mittlerweile hat die Vereinigung bundesweit mehr als 200 Mitglieder und ist unter www.kinleanita.de im Internet zu finden. Der Anstieg Richtung Gasseldorf ist auch für Gabriele eine Herausforderung. Doch aufhalten lässt sie sich nicht.

Wie wurdest du zur Läuferin?
Gabriele Meier: Über den Laufclub 21. Das war 2009. Durch eine Einladung des Vereins an unserer Schule.

Eines Tages stand Michael bei Ele, wie ich Gabriele nennen darf, vor der Tür. Sein Lauffreund, der "Mauerhannes", hatte ihm vom Laufclub 21 erzählt. Michael fand es interessant, Menschen mit Trisomie 21 bei ihrem Sport zu unterstützen. Anita Kinle, die Gründerin des Vereins, stellte den Kontakt zu Gabriele Meier her. Als Michael bei der Vorstellung mit dem Motorrad vorfuhr, war das Eis gebrochen.

Wie für alle Läufer ist auch für Ele Regelmäßigkeit wichtig. Dazu brauchte Michael Unterstützung, weil er beruflich viel unterwegs ist. Lauffreundin Gerti erklärte sich sofort bereit, Michael beim Training mit Ele zu unterstützen. Ja, Ele hat es echt gut, gleich zwei Trainer zu haben. Die Sonne brennt auf den Asphalt. Wir genießen den herrlichen Blick ins Wiesenttal mit dem sich entlang schlängelnden kleinen Fluss.

Wie oft lauft ihr zusammen?
Gerti Hösch: Wenn alles gut geht, schaffen wir es zwei Mal pro Woche und an den Wettkämpfen. Michael und ich sprechen uns dabei ab.

An der Verpflegungsstelle Gasseldorf treiben uns die Zuschauer weiter nach Streitberg an. Laufen kann Brücken bauen und so manche Mauer überwinden. Bei vielen Laufveranstaltungen in der Region werden vom Laufclub "Denk-Mauern" durchbrochen. Ele ist immer dabei. Sie zeigt, zu welchen Leistungen Sportler mit Trisomie 21 fähig sind. Menschen mit dem Gendefekt werden sportliche Höchstleistungen immer noch nicht zugetraut.

Die Idee des Laufclubs 21 entwickelt sich ständig weiter. Es entstehen immer weitere Laufgruppen. Daraus folgen neue Projekte: Der Mauerweglauf in Berlin, die Teilnahme am Triathlon in Roth und zuletzt erklommen die Down-Syndrom-Sportler die Zugspitze. Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Aus diesem Anlass findet in Fürth jedes Jahr der Welt-Down-Syndrom-Marathon-Tag statt. Im kommenden März unter dem Motto "If you believe".

Auf welcher Strecke seid ihr im Training unterwegs?
Michael Hench: In der Regel laufen wir rund um Hemhofen, Zeckern und Röttenbach.
Ele: Und wir trainieren gerade für den Nürnberger LGA-Indoor-Marathon.

Hinterher freut sich Ele auf ihre Lieblingsmahlzeit: Döner und Weizenbier. "Weizen gibt es heute auch", sagt Michael schmunzelnd. Liebevoll nennt er Ele seine "Rennsemmel". Gerti fügt hinzu: "Aber Döner haben sie keinen bei der Zielverpflegung." Vor uns liegt Streitberg. Dort ist Stimmung. Heiße Rhythmen, Sambatänzerinnen und natürlich Eles geliebtes Weizenbier. Schnell noch ein Foto gemacht. Dann müssen wir weiter. Angespornt durch den Applaus der Zuschauer geht es zurück nach Ebermannstadt.

Was magst du außer dem Laufen sonst noch?
Ele: Musik. Zum Beispiel Hip-Hop von Sido. Und Motorradfahren mit Michael.

Ele hat viel zu erzählen. Im BRK-Pflegeheim in Etzelskirchen arbeitet sie im Service. Das bedeutet, den Tisch zu decken und abzuräumen, Kaffee einzuschenken und sich um das leibliche Wohl der Bewohner zu kümmern. Ein weiteres Hobby von ihr ist das Massieren. Und am Lauftraining gefällt ihr das Lauf-ABC, Ballspiele und den Trainer zu ärgern. Leuchtende Augen bekommt sie, wenn sie von ihren Motorradausflügen mit Michael erzählt. Ein Halbmarathon war Eles längster Lauf bisher und weitere Laufziele hat sie auch. Sie möchte noch einmal an einem Nachtlauf teilnehmen. Dazu passt ihr Motto: "Ich schaffe das!"

Was war dein bisher schönstes Lauferlebnis?
Ele: Der Fackellauf von Fürth nach München.

Die Special Olympics fanden 2012 in München statt. Der Laufclub 21 trug das olympische Feuer in die Landeshauptstadt und entzündete die Flamme. Die Down-Syndrom Läufer liefen zusammen mit ihren Laufpartnern über 200 Kilometer zu den Special Olympics. Ele und Michael durften hierbei auch eine Nachtetappe laufen. Das war für beide ziemlich aufregend. An insgesamt 41 Haltestationen wechselten sich die Läufer immer wieder ab. Am ergreifendsten war der Einzug in die Olympiahalle.

Es gibt viele Geschichten, die Gabriele zu erzählen hat. Ein Trainingslauf mit ihr ist sehr kurzweilig. Ruck zuck sind wir am Ende unserer Laufrunde. Wir klatschen uns ab zum "High Five". Bis zum nächsten Mal. Am 9. November beim LGA-Indoor-Marathon in Nürnberg ist Ele wieder am Start. Frei nach dem Motto des Laufclubs 21: "Ich kann laufen so wie Du und ich laufe auf Dich zu!"

Run happy and smile!
Euer Querläufer