Sich bei Waldkraiburg für die Freitags-Pleite revanchieren und die Chance auf das Play-off-Halbfinale der Eishockey-Bayernliga wahren. Mit dieser Maßgabe schickte Daniel Jun, Spielertrainer beim Höchstadter EC, seine Alligators am Sonntagabend aufs Eis. Die Vorzeichen standen nicht besonders gut, denn beim ersten Zwischenrunden-Duell mit dem EHC zwei Tage zuvor hatte Höchstadt nicht nur Punkte gelassen, sondern auch Substanz: Stephan Hiendlmeyer verletzte sich bei einem Foul so schwer, dass die Saison für ihn gelaufen scheint, Tomas Urban und Andre Lenk liefen gestern angeschlagen auf.

Höchstadter EC - EHC Waldkraiburg 4:2

Es ging hektisch los: HEC-Kapitän Daniel Sikorski wurde hinter dem Tor gecheckt, bekam einen Schlittschuh ins Gesicht und musste zum Nähen ins Krankenhaus. Das löste bei den Hausherren einen Adrenalinschub aus: Sie drückten die Löwen mit unglaublich viel Lauf- und Einsatzbereitschaft in deren Drittel, provozierten Strafzeiten, um ein Powerplay aufziehen zu können. Und die bewährte Waffe der Alligators war wieder einmal der Schlüssel zu Erfolg. Nach 20 Sekunden in doppelter Überzahl traf Tomas Urban den Pfosten, zehn Sekunden später bediente Jun den mitgelaufenen Patrik Dzemla - 1:0 (5.).
Der HEC blieb in Überzahl, nahm bei angezeigter Strafe gegen Waldkraiburg den Goalie zugunsten eines sechsten Feldspielers raus: Richard Stütz bekam die Scheibe und legte das 2:0 nach. Höchstadt drückte weiter, nun aber erfolglos, gegen verunsicherte Gäste, die erst Mitte des Drittels auftauten, jedoch nur selten Gefahr ausstrahlten. Und wenn, war Schlussmann Philipp Schnierstein auf dem Posten. Die Alligators verlegten sich nun auf Konter, doch am Ergebnis änderte sich bis zur Pause nichts mehr.

Philipp Schnierstein hält überragend

Dafür aber begann der zweite Abschnitt nach Maß: 35 Sekunden waren gespielt, da zog Jun von der blauen Linie ab. Vetter konnte den Puck nur prallen lassen, Dzemla versenkte den Nachschuss zum 3:0. Die Löwen antworteten mit wütenden Angriffen, kreierten aber nur wenig Chancen, weil die Alligators sehr gut standen. Dazu hielt Schnierstein weiter überragend.
Das Spiel war unglaublich intensiv. Beide Teams zogen sehr viele Strafen, was aber auch zum Teil dem etwas kleinlichen Stil von Schiedsrichter Sebastian Eisenhut geschuldet war. Der HEC überstand drei Unterzahl-Situationen unbeschadet, doch kaum wieder komplett leistete sich die Abwehr einen Schnitzer, den ersten an diesem Abend: Führmann eroberte sich die Scheibe im HEC-Drittel und setzte Kaltenhauser in Szene, der zum 3:1 traf (33.). Das gab den Gästen zusätzlich Auftrieb, doch die Alligators hielten mit viel Einsatz dagegen und retteten den Zwei-Tore-Vorsprung in die Pause.

Der direkte Vergleich geht an den EHC

"Ich brauch' meine Herztropfen ", gestand HEC-Pressesprecher Martin Steinau während der Unterbrechung im Scherz, verdeutlichte damit aber zutreffend, dass auch das Schlussdrittel nichts für schwache Nerven sein würde. Und so kam es auch: Waldkraiburg baute viel Druck auf, fand aber gegen die Höchstadter, die - angeführt vom fehlerlosen Schnierstein im Kasten - eine klasse Teamleistung aufs Eis brachten, kein Mittel. Und als die Löwen kurz durchschnaufen wollten, schnappte sich Stütz die Scheibe, lief allein aufs EHC-Tor zur und vollstreckte aus sechs Metern zum 4:1 in den Winkel (47.). Das war die Vorentscheidung.
Waldkraiburg probierte zwar alles, doch mit etwas Glück, Schniersteins Paraden und Markus Babinsky, der den Puck von der Linie kratzte (56.), hielten sich die Alligators in der hektischen Schlussphase schadlos. Bis zur 59. Minute, als Paderhuber nach gewonnenem Bully zu Borrmann passte, der das 4:2 markierte. Es wurde wieder spannend, doch der Treffer war zu spät gekommen, um den Höchstadter Sieg noch in Gefahr zu bringen. Der direkte Vergleich geht dadurch aber an den EHC. Doch das konnte den Alligators die Feierlaune nicht verderben, die ihrem Sportlichen Leiter, Jörg Schobert, mit diesem Erfolg das perfekte Geburtstagsgeschenk machten.

Die Statistik zum Spiel

Höchstadter EC -EHC Waldkraiburg 4:2 (2:0, 1:1, 1:1)

Höchstadter EC: Tor: Schnierstein, Riebel; Verteidigung: Stütz/Sikorski, Cornforth/Babinsky, D. Goblirsch;
Angriff: Jun/Grau/Dzemla, Gulda/Urban/Vojcak, Tratz/Lenk/Kaczmarek

EHC Waldkraiburg: Tor: Vetter, Birk; Verteidigung: Pfeiffer, Paderhuber, Kanzelsberger, Rott, Richter, Tokarev, Seifert; Angriff: S. Piskunov, Kalten hauser, Sorsak, A. Piskunov, Wagner, Hämmerle, Borrmann, Hagemeister, Rosenkranz, Führmann, Miculka

SR: Sebastian Eisenhut, Thomas Kalnik, Dominik Merath
Zuschauer: 800

Tore: 1:0 Dzemla (5.), 2:0 Stütz (5.), 3:0 Dzemla (21.), 3:1 Kaltenhauser (33.), 4:1 Stütz (47.), 4:2 Borrmann (59.)
Strafzeiten: 18 + 10 (Babinsky) / 20 + 10 (Wagner)