Der BVB hat zwar nur vier Tage nach der Abschiedsankündigung von Trainer Jürgen Klopp einen Nachfolger gefunden, doch auch die Ära Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund wird nicht ewig dauern. In Höchstadt stehen jedenfalls 15 Nachwuchs-Trainer und zwei -Trainerinnen bereit. In einer Kooperation zwischen dem Gymnasium sowie dem deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem bayerischen Fußball-Verband (BFV) haben sie die Ausbildung zum DFB-Junior-Coach abgeschlossen.

Die Hälfte des C-Trainerscheins

"Damit habt ihr die erste Stufe der Karriere-Leiter erklommen und könnt erste Trainer-Pöstchen übernehmen", sagte Tobias Krapf, der als Sportlehrer die Verantwortung für das Projekt trägt. Seit November lehrte er seine Schüler in wöchentlichen Theorie- und Praxisstunden. Für den Fall, dass die jungen Teilnehmer den C-Trainerschein machen wollen, hätten sie damit bereits die Hälfte des zweiwöchigen Pensums abgegolten, so Krapf.
Der Schule und Vereinen stehen die Junior-Coaches aber sofort zur Verfügung, erklärte der Kreisehrenamtsbeauftragte des BFV, Alexander Männlein. "Das ist quasi eine Win-Win-Win-Situation", bemerkte dieser unter dem Schmunzeln der Schüler, denn auch die Jugendlichen selbst profitierten von dieser Ausbildung. "Bis vor wenigen Jahren habt ihr eure Trainer noch geärgert. Jetzt müsst ihr euch dieser Herausforderung stellen", sagte Männlein.

"Irgendwas in der Gegend"

Kim Urbanek hat zwar noch keine konkrete Vorstellung, was sie mit ihrem Zertifikat machen möchte, doch "irgendwas in der Gegend" lässt sich damit sicherlich anfangen, glaubt die 18-Jährige aus Lonnerstadt. Sie war eines von zwei Mädchen, die bei dem erstmals in Höchstadt angebotenen Lehrgang mitmachten. Gestartet ist das deutschlandweite und kostenlose Projekt für Schüler ab 15 Jahren 2013 im Rahmen der DFB-Qualifizierungsoffensive. "Es ist cool zu wissen, was alles hinter dem Trainerjob steckt", meinte die Regionalligaspielerin des 1. FC Nürnberg.

In Bayern beteiligten sich im ersten Jahr 50 Schulen, beim jetzt beendeten zweiten Durchgang nahmen neben dem Höchstadter Gymnasium etwa 100 andere Schulen teil. Und für das kommende Schuljahr rechnet Männlein mit einer weiteren Verdoppelung.

Zusätzlich zur Urkunde, die die Teilnahme bescheinigt und von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seiner Funktion als Schirmherr sowie Bundestrainer Joachim Löw als Pate unterschrieben ist, erhielten die 17 Jugendlichen Polo-Shirts. Aus den Händen von Nicolas Heckel, Fanbeauftragter der SpVgg Greuther Fürth, bekamen sie zudem Eintrittskarten für das letzte Heimspiel des Zweitligisten gegen Darmstadt. Auch Kim Urbanek. "Ich werde schon die Zeit finden, mir das Spiel anzuschauen", sagte die Zwölftklässlerin vom fränkischen Erzrivalen und grinste.

"Wissen die, worauf sie sich einlassen?", soll Fürths Coach Mike Büskens den Fanbeauftragten vor dessen Fahrt nach Höchstadt gefragt haben. Natürlich nur im Scherz, klärte Heckel auf. Seit 2014 besteht eine Schulpartnerschaft zwischen dem Klub und dem Gymnasium. Angesichts der prekären Lage des Kleeblatts im Tabellenkeller könnte man Büskens' Reaktion allerdings verstehen.

40 Nachmittagsstunden

Sebastian Bayer ist sich jedenfalls bewusst, worauf er sich eingelassen hat. "Ich möchte Jugend-Mannschaften trainieren", erzählte der 15-Jährige, der selbst bei der SpVgg Etzelskirchen kickt. Für seine Trainer-Karriere habe er die insgesamt 40 zusätzlichen Nachmittagsstunden gerne in Kauf genommen. Neben der Vermittlung von Fachwissen werde in der Ausbildung viel Wert auf die persönliche Entwicklung gelegt, beispielsweise mit Übungen zu Konfliktmanagement und gruppendynamischen Prozessen.