Mit einem beeindruckenden Kantersieg sind die Bayernliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach vom Derby in Erlangen zurückgekehrt. Spätestens nach diesem denkwürdigen 38:23 des bisherigen Tabellendritten beim Tabellenzweiten wissen die Schützlinge von Trainer Hans-Jürgen Kästl, dass sie auf einem guten Weg sind.
Zwar haben Verletzungen und berufliche Absenzen den TSH-Kader zum Auftakt dezmiert, doch beim Nachbarn zeigte die junge Mannschaft, dass ihr heuer alles zuzutrauen ist - Rückschläge nicht ausgeschlossen. Deswegen ist das Team nach dem Sieg und vor allem der Art und Weise, wie er zustande kam, nicht euphorisiert.


HC Erlangen - TS Herzogenaurach 23:38

Wie im Vorbericht angekündigt, trafen in der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle nicht nur zwei tabellarische und geografische Nachbarn aufeinander, sondern auch Akteure, die sich seit Jahren kenn und lange auch in den selben Trikots spielten. Der TS-Coach hatte mehrfach erklärt, dass es ihm bei der Begegnung nicht ums Prestige, sondern allein um einen Sieg ging und darum, bei einem so starken Gegner mit einem Erfolg weiteres Selbstbewusstsein zu erlangen.

Dennoch war es für die aus der HC-Jugend zur TSH gewechselten Laura Wedrich, Julia Friedl (die doch noch kurzfristig mitwirken konnte) und Kristin Lang ein Anliegen, den Erlanger Verantwortlichen zu zeigen, dass sie auch beim HC hätten bestehen können. Den Gästen ist es praktisch über 60 Minuten hinweg in einer guten Begegnung gelungen, ihre Taktik sowohl in der Abwehr als auch offensiv durchzudrücken. Mit einer konzentrierten und diesmal sehr kompakten 6:0-Abwehr zwang die TSH die Gegnerinnen meist in ungünstige Wurfsituationen und störte die Topschützen zum richtigen Zeitpunkt.

Zwar ging auf HC-Seite von Torjägerin Laura Brockschmidt wie erwartet eminente Gefahr aus, doch fand sie dank einer beweglichen Abwehrarbeit der Gäste wenig Unterstützung. Auch die sonst so effizienten Gegenstoßtore der Erlanger Flügelzange blieben überschaubar, nicht zuletzt wegen der konzentrierten und durchdachten Positionsangriffe seitens der TSH.

Ganz im Gegensatz dazu die "Außenraketen" im Kästl-Team: Saskia Probst, Tanja Küffner, Sarah Stephan sowie Friedl kamen mit ihren Tempoläufen ein ums andere Mal zum Erfolg, meist eingeleitet mit Pässen von Torhüterin Martina Ebersberger oder gekonnt über die zweite Welle zum Abschluss gebracht. Dies kann man natürlich nicht 60 Minuten durchsetzen, doch dafür zeigten die Herzogenauracherinnen mit geschickten Positionsabläufen eine bemerkenswerte Weiterentwicklung. 14 Tore aus dem Rückraum von Nina Bestle, Wedrich, Carole Mittelheisser und Alina Erdmann sind gegen den HC keine Selbstverständlichkeit, wobei Kästl daran erinnerte, dass sein Team auch vom kurzfristigen Ausfall der starken Torfrau auf Seiten der Gastgeberinnen profitierte.

Dennoch war es faszinierend, wie sich die TSH immer mehr freispielte und gerade nach der hohen 20:10-Halbzeitführung nicht die Zügel schleifen ließ, sondern den komfortablen Vorsprung sogar ausbaute. Gäbe es ein Tor des Monats im Frauenhandball, Ebersberger und Probst wären heiße Kandidaten: Mit einem Pass über das gesamte Spielfeld bediente die Torhüterin ihre Rechtsaußen, die im vollen Sprint Zentimeter vor dem Wurfkreis in die Luft sprang, den Ball fing und ins Netz beförderte, bevor sie wieder auf dem Boden aufkam. Ein "Kempa-Tor" unter extremen Bedingungen.


Alle haben Anteil am Erfolg

Kästl stellte heraus, dass er solche Erfolge nicht allein an den Torschützen festmachen werde, sondern derzeit alle im Team ihren Anteil haben. "Für uns war dies ein wunderbares Ergebnis und die Bestätigung dafür, dass wir im Training richtig gut gearbeitet haben", sagte der TS-Coach. "Wir stellen auch jetzt keine Ansprüche, doch die Ausgangslage ist natürlich deutlich besser geworden." Auch bemerkenswert: Zwei sehr umsichtige Schiedsrichter gaben in einer fairen Partie, in der die TSH-Fans unter den 150 Zuschauern eine deutlich höhere Lautstärke erreichten, nur drei Zeitstrafen.
TSH: Ebersberger, Bernhardt - Kräck, Mittelheisser (3), Stephan (5), Wedrich (8/2), Probst (12), Bestle (2), Friedl (1), Mergner (1), Erdmann (3), Lang (2) Küffner (1)