Die einen feierten einen gelungenen Saisonabschluss, die anderen schlichen geknickt vom Feld und konnten angesichts der Tatsache, dass der Klassenerhalt in der Handball-Bayernliga verpasst wurde, die Tränen nur schwer zurückhalten. Dabei wurde das letzte Punktpiel der Frauen der Turnerschaft Herzogenaurach in jeder Hinsicht zu einem Spiegelbild der abgelaufenen Saison: Bei ihrem Sieg gegen die verzweifelt gegen den Abstieg fightende SG Garitz/Nüdlingen wechselten sich großartige Aktionen mit unerklärlichen Stockfehlern ab. Letztendlich aber wandelten die Herzogenauracherinnen einen Sechs-Tore-Rückstand in einen 25:22-Sieg um gegen ein Team, das weitaus stärker auftrat, als viele andere Mannschaften, die nicht absteigen müssen. So meinte auch TSH-Coach Udo Hermannstädter: "Mir tut es unendlich leid für dieses sympathische und starke Garitz, doch wir wollten das Fair Play wahren."

TS Herzogenaurach - SG Garitz/Nüdlingen 25:22

Zum Glück für die TSH zeigte sich auch der Gegner nicht durchgängig von der besten Seite und selbst die Schiedsrichter, die insgesamt einen sehr kompetenten Eindruck machten, fielen zwischendurch einigen Formschwankungen zum Opfer. Garitz zeigte vom Anpfiff weg eine der Situation angemessene Leidenschaft und überzeugte trotz des gewaltigen Drucks - nur ein Sieg hätte den Klassenerhalt gesichert - meist auch spielerisch.
In der Abwehr waren die körperlich eher etwas schmächtigen Gäste im Nahkampf fast nicht zu bezwingen und aus der Distanz ging von der TSH auch am Samstag kaum Gefahr aus. Ganz anders der Gegner: Im rechten Rückraum versetzte Natascha Will ihre Gegenspielerinnen fast nach Belieben und war zunächst auch durch gezielte Gegenmaßnahmen auf Seiten der TSH nicht zu bremsen. Als Will - nach langer Verletzungspause noch geschwächt - körperlich abbaute, trat auf der halblinken Rückraumseite Lisa Wenske in den Mittelpunkt. Bestens unterstützt wurde sie von Kreisläuferin Manuela Schäfer, und gemeinsam mit Will bildeten sie in der Tat ein magisches Dreieck, das die TSH von einer Verlegenheit in die nächste stürzte.
Über 0:2 und 3:8 zog die SG derart locker davon, dass es der TSH schwindelig wurde und froh sein musste, dass Torfrau Ellen Mauritz bereits sieben Mal bravourös geklärt hatte. Erst beim Stande von 5:11 (17.) besannen sich die Gastgeberinnen auf ihre Vorsätze, den Fans einen positiven Saisonabschluss zu bieten und den Abstiegskampf nicht durch Nachlässigkeit beeinflussen zu wollen.

Nicht nachvollziehbare Auswechslung

Mit einigen herrlichen Aktionen, vor allem durch die selbstbewusste Linksaußen Janka Kräck, kämpfte sich die TSH wieder an den Gegner heran und warf in der 24. Minute den Treffer zum 11:12. Gerade aber als sich Abwehr und Torfrau der TSH auch im Verbund gefunden hatten, vollzog Coach Udo Hermannstädter eine unfassbare Maßnahme: Er wechselte Torfrau Mauritz aus und innerhalb von knapp vier Minuten zogen die Unterfranken wieder auf 16:12 davon. Die ins kalte Wasser geworfene Franzi Scheidler konnte das nicht verhindern, vor allem aber schöpften die Gäste - von ihrem Albtraum entbunden - wieder neuen Mut.
Nach der Pause bäumten sich die Gastgeberinnen durch die Bank bewundernswert auf. In der 38. Minute schafften sie den Ausgleich zum 16:16 und gingen wenig später erstmals in Front. Es folgten 20 ungemein spannende Minuten, in denen es die TSH mit typischen Ballverlusten versäumte, Klarheit zu schaffen. Die SG war nur noch über Einzelaktionen erfolgreich, musste ansonsten aber ihrem zuvor gezeigten, großartigen Einsatz Tribut zollen.
Dani Leschke konnte sich praktisch auf allen Positionen kraftvoll durchsetzen, der Rückraum der TSH fand nun auch wieder zu spielerischen Highlights und Mauritz hielt ihren Vorderleuten mit weiteren Glanztaten den Rücken frei. Die Gästefans, die ihr Team lautstark nach vorn gepeitscht hatte, wurde ruhiger, auf den Rängen schlich sich Ernüchterung ein, den der SG fehlten am Ende die Mittel, die Niederlage noch abzuwenden.