Mitte September starten die Handballfrauen der Turnerschaft Herzogenaurach in ihre vierte Bayernligasaison, die die bisher schwierigste für das Team von Trainer Udo Hermannstädter werden dürfte. Das liegt zum einen daran, dass es dem umtriebigen Coach totz bester Kontakte nicht möglich war, sein Team personell zu ergänzen, geschweige denn zu verstärken, was sich besonders hinsichtlich der kaum vorhandenen Wurfkraft aus dem Rückraum negativ auswirken kann. Hier hatte sich zuvor vereinzelt Daniela Leschke einbringen können, die aber zum Landesligisten HC Erlangen wechselte.
Dass die Liga heuer sehr ausgeglichen ist, macht die Aufgabe für die Herzogenauracherinnen nicht leichter. So kehrt der TSV Ismaning aus der Regionalliga zurück, und bei den Aufsteigern ist vor allem von der zweiten Mannschaft des Regionalligisten ESV Regensburg einiges zu erwarten. Geheimfavorit ist der TSV Winkelhaid, der bei einem Trainingswochenende in Herzogenaurach kürzlich eine nachhaltige Kostprobe seines Könnens abgab.

Kontinuität ins Spiel bringen

Aber auch die weiteren Gegner haben aufgerüstet. So ist zu erwarten, dass der HSV Bergtheim die Zügel wieder anziehen wird, HaSpo Bayreuth ist mit seinen personellen Möglichkeiten noch stärker als zuletzt einzuschätzen und Mannschaften wie Zirndorf, Taufkirchen, Etwashausen und Ottobeuren konnten schon früher einer stärker besetzten TSH immer wieder ein Bein stellen. Altmeister 1.FC Nürnberg hinterließ neulich zwar in Herzogenaurach einen ungewohnt deckungsschwachen Eindruck, doch das kann er viel besser. Bliebe noch die HSG Fichtelgebirge, die mit ihren beachtlichen Kooperationen im Grenzbereich zu Tschechien die Rahmenbedingungen weiter verbessern konnte und ambitioniert in die Saison geht.
Da muss man bei der TSH zusammenrücken, von größeren Verletzungen verschont bleiben und mit einer besseren Gesamteinstellung endlich Kontinuität ins eigene Spiel bringen. Heuer wird es nicht reichen, im ersten Drittel der Runde durchaus vorhandenes Können aufblitzen zu lassen. Andernsfalls drifte man schnell in eine sportliche Notlage, die man angesichts der Spielstärke der meisten Gegner nicht auffangen kann. Die TSH verfügt mit Andrea Berner, Nina Bestle und Viktoria Egle über bewegliche und technisch versierte, spielstarke Rückraumakteure, die sich aber in ihrer Spielanlage sehr ähneln und zudem durchgängig erst aus kurzer Distanz torgefährlich werden.

Kein Auftakt nach Maß

Da wäre es enorm wichtig, dass Luisa Frank ihre Knieverletzung endgültig überwindet und gemeinsam mit Christina Wölfel für Distanztore sorgt, vielleicht unterstützt durch Ulrike Antos, wenn diese kleine technische Defizite abstellen kann. Über die Außen (Janka Kräck, Susi List, Sarah Stephan und Tanja Küffner) sowie mit Lena Mergner am Kreis wird man durchaus gehobenen Ansprüchen gerecht.
Von größter Bedeutung wird auch sein, dass Torfrau Martina Ebersberger nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll einsatzfähig ist und ihre Vorderleute ihren Abwehrpflichten mit entsprechender Laufbereitschaft gerecht werden. Franziska Scheidler braucht noch etwas Erfahrung, ergänzt sich aber schon sehr ordentlich mit Ebersberger. Dass die TSH gleich zu Beginn beim Absteiger TSV Ismaning antreten muss, ist sicherlich kein "Auftakt nach Maß", doch andererseits kann man da nur positiv überraschen, und ähnliches ist dem Hermannstädter-Team ja schon öfter gelungen.

Vorbereitung verlief nicht optimal

Vielleicht schafft es die Abteilung ja wieder, für eine lautstark engagierte Heimatmosphäre zu sorgen. Auch die ambitionierten TS-Männer brauchen diese von der Tribüne ausgehende Stimulanz dringend. Gerade dann, wenn beide Teams nacheinander ihre Pflichtspiele bestreiten, sollte das doch möglich sein.
Abteilungsleiterin Christine Odemer hofft, dass die Mannschaft "ohne Frust im oberen Drittel mitspielen kann und die Personaldecke nicht durch ernste Verletzungen noch dünner wird. Lieber entspannt in die Runde starten um dann zuzulegen, statt nach einem Senkrechtstart wieder abstürzen". Mannschaftsführerin Andrea Berner sieht die Situation auch wegen des kleinen Kaders etwas angespannter und erwartet eine äußerst schwere Saison, zumal diesmal die Vorbereitung recht unbefriedigend verlaufen sei.
Ganz realistisch sieht auch Hermannstädter das, was auf sein Team zukommt: "Mit gerade mal zehn Feldspielerinnen darf in dieser ausgeglichen Liga nichts passieren, und dabei denke ich nicht nur an mögliche Verletzungen, sondern auch an Nachlässigkeiten in der Trainingseinstellung und der Anwesenheit bei unseren Spielen." Es ist ihm auch noch nicht gelungen, eine "Chefin" im Team auszumachen, die als sein verlängerter Arm auf dem Feld taktische Vorgaben umsetzen und gerade in Schwächephasen vorangehen kann. Gleichwohl ist er überzeugt, dass seine Mannschaft genügend Qualität hat, um heuer bestehen zu können.