Eigentlich hatten sich die über 150 Zuschauer in der Gymnasiumsporthalle in Herzogenaurach von der Bayernliga-Partie der TS-Handballfrauen gegen den FC Nürnberg einen großen Fight erwartet. Das Ergebnis von 24:22 für die Gastgeberinnen lässt auch eine dramatische Begegnung vermuten - doch was beide Teams ablieferten, war doch eher enttäuschend; ein Derby auf schlechtem Niveau.

TS Herzogenaurach - FC Nürnberg 24:22
Während TS-Coach Hermannstädter Formationen auf das Feld schickte, die so bislang noch nie zusammen gespielt hatten, konnte der FC Nürnberg zu keiner Zeit an die tolle Form der vergangenen Wochen anknüpfen.

Die TSH musste auf die erkrankte Andrea Berner ebenso verzichten wie auf Nina Bestle und Sarah Stephan, welche sich unter der Woche eine Brandwunde zuzog. Dafür waren Katrin Kräck und Ulrike Antos wieder im Einsatz. Überraschend war, dass Coach Hermannstädter Katrin Kräck, die sonst hauptsächlich in der zweiten Mannschaft aktiv ist, in die Startformation berief. Dort spielte sie im Abwehrverband neben ihrer Schwester Janka. Die beiden entmutigten die Gegenspielerinnen mit familiärem Teamwork fast 30 Minuten lang durch hartes Zupacken und hatten somit die linke Angriffsseite der Gäste unter Kontrolle.

Das Tor wurde von Martina Ebersberger gehütet, die mit einer vortrefflichen Leistung fast schon wieder an ihre tolle Form vor der Knieverletzung anschließen konnte. Sie war von Beginn an hellwach, und ihr herausragender Einsatz war mitentscheidend dafür, dass die Gäste erst in der siebten Minute beim Stande von 3:0 zum ersten Torerfolg kamen.

Über 4:2 und 9:5 bis zum Pausenstand von 14:9 war es hauptsächlich eine Begegnung zwischen der TSH und der zierlichen, aber technisch perfekt ausgebildeten Alexandra Kitza beim FC Nürnberg. Obwohl sie rund einen Kopf kleiner ist als der TS-Innenblock, überwand sie diesen wie in den Jahren zuvor ein ums andere Mal mit ihren bekannten, ansatzlosen Schlagwürfen.

Das allein aber reichte einfach nicht aus, um die TS Herzogenaurach ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Und obwohl diese viel Sand im nicht eingespielten Getriebe hatten, waren die Mitspielerinnen von Kitza schlicht nicht in der Lage, dem Spielverlauf eine entscheidende Wende zu geben. Allerdings sorgte in der 20. Spielminute Nürnbergs Trainer Fuchs mit einer personellen Maßnahme zwischenzeitlich für Unruhe bei den Herzogenauracherinnen: Er stellte die immerhin schon 50-jährige Elke Kottenstein ins Tor. Die großartige Keeperin aus besseren Club- Zeiten hielt dank ihrer Erfahrung fortan alles, was zu halten war. Vor allem TS-Rechtsaußen Küffner, in dieser Saison eine Leistungsträgerin ihrer Mannschaft, wirkte zunehmend wie paralysiert. Weniger beeindruckt zeigten sich Mergner und Egle, die zusammen mit der immer besser werdenden Janka Kräck den Großteil der TSH-Tore erzielten.

Nach der Pause konnte die TSH bis zum 17:11 (39. Minute) den Leistungsunterschied auch zahlenmäßig verdeutlichen, dann aber war das Team im Innenblock wieder offen wie ein Scheunentor, was Kitza nun immer wieder nutzte, um leichtfüßig durchzustoßen. Ein Glück für die TS Herzogenaurach, dass Ebersberger mehrfach die Löcher stopfte und der Club zudem vier Strafwürfe vergab.

Doch selbst jetzt, als die Kondition der Gastgeberinnen gen Null tendierte, war der Gegner einfach zu verunsichert, um Kapital daraus zu schlagen. Ein echtes Aufbäumen gegen den Abstieg sieht anders aus - für den Klassenerhalt reicht es so jedenfalls nicht. Hermannstädter: "Bis zur Pause war ich an sich zufrieden, dann jedoch ließ unsere Kondition erheblich nach und entsprechend dann auch die Disziplin."

TS Herzogenaurach: Ebersberger, Mauritz, Scheidler - J. Kräck (4), Wölfel (1), Egle (8/4), Katrin Kräck (1), List, Thom, Küffner (4), Antos, Mergner (4/1), Frank (2)