Wer das nahe Landshut gelegene Vilsbiburg bisher für basketballerisches Niemandsland gehalten hatte, wurde spätestens am vergangenen Wochenende eines besseren belehrt. Zum Auftakt in die neue Regionalligasaison besiegten die Niederbayern die Longhorns der Turnerschaft Herzogenaurach, die sich durchaus etwas ausgerechnet hatten, mit 76:70. Dabei sah es für die Mittelfranken zwischenzeitlich nach einem Debakel aus, denn sie lagen im dritten Viertel mit 20 Punkten in Rückstand. Erst im Schlussviertel konnten Mike Kaiser und Co. ihre ganze Stärke ausspielen, kämpften sich sukzessive zurück und hätten mit etwas Glück am Ende vielleicht sogar noch gewinnen können.

Baskets Vilsbiburg - TS Herzogenaurach 76:70

Im ersten Viertel zeigte sich das Spiel auf einem hohem ausgeglichenen Niveau, in welchem kein Team einen Vorteil herausspielen konnte. Für die Longhorns übernahm Christian Imberi (15 Punkte) die Verantwortung und hielt die Seinigen durch zwei Dreier im Spiel. Bei den Gastgebern war der alles überragende Brandon Adams mit allein zehn Punkten im ersten Viertel der Dreh- und Angelpunkt im Spiel. Der knapp zwei Meter große und 120 Kilo schwere US-Amerikaner überpowerte alle Longhorns nach Belieben und angelte sich Rebound um Rebound. Nach sieben Minuten stand es ausgeglichen 15:15. Doch nun erwischten die Vilsbiburger eine gute Phase und nach zwei Dreiern und einen Korbleger von Nikolaus Märkl führten die Gastgeber zur Viertelpause mit 23:17.
Im zweiten Durchgang sollte den Aurachstädter nun Bitteres widerfahren. Vorne ging nichts mehr zusammen, ein Wurf nach dem anderen ging daneben, und die Vilsbiburger spielten sich in einen Rausch. Egal ob unter dem Korb, aus der Mitteldistanz oder aus der Dreierzone - die Gastgeber trafen einfach alles. Und sollte doch mal ein Wurf daneben gehen, war Adams da, schnappte sich den Offensivrebound und ermöglichte den Seinigen dadurch immer wieder zweite und dritte Wurfversuche. Dementsprechend setzten sich die Niederbayern konstant ab, zur Halbzeit stand es aus Sicht der Gäste 30:48.

Keine Lust auf eine Demütigung

Im dritten Viertel ging es zunächst genauso weiter. Die Vilsbiburger setzten sich weiter ab, Lubos Novy und John Boyer sorgten für Punkte. Die TSH lag nach drei Minuten mit 59:32 im Hintertreffen. Doch plötzlich wendete sich das Blatt. Denn demütigen lassen wollten sich die Longhorns nicht. Mit ungeahnter Intensität wussten sie den Vilsbiburgern Paroli zu bieten. Sie warfen sich mit allem, was sie hatten, in die Zweikämpfe um den Rebound. Vorne startete Mike Kaiser seine persönliche Aufholjagd, erzielte acht Punkte in Folge und so verkürzten die Longhorns bis vor dem Schlussabschnitt auf 64:44.
Ganz so, als erhielten die Herzogenauracher einen Energieschub, explodierten sie förmlich. Die Demütigung der ersten drei Viertel schien nun aus ihnen heraus zu platzen und sie spielten wie verwandelt. Hinten ließen sie nichts mehr zu und vorne trafen sie traumwandlerisch sicher. Benno Schüpferling netzte zwei Dreier ein, und Neuzugang Ryan DeMichael setzte sich unter dem Korb durch. Hinten hielten Benedikt Aumeier, Adrian Dlugosch und Julian Patton den Laden zusammen, und die TSH verkürzte sukzessive. Im weiteren Verlauf setzte Markus Person wichtige Impulse, und die TSH war eine Minute vor Schluss auf 70:72 dran.

Dreier geht knapp daneben

Peter Simon hatte die Chance, mit einem Dreier die Longhorns in Führung zu bringen, scheiterte jedoch knapp, und die Vilsbiburger punkteten im Gegenangriff durch Michael Mayr. In den folgenden beiden TSH-Angriffen kamen nur noch sehr schwierige Würfe zustande, welche allesamt vergeben wurden. So gewannen die Vilsbiburger letztendlich verdient mit 76:70, da die Aurachstädter schlichtweg zu spät zu ihrem Spiel gefunden hatten.
"Vilsbiburg gehört mit Sicherheit zu den Topteams der Liga, aber trotzdem dürfen wir uns das Spiel im zweiten und dritten Viertel nicht so leicht aus den Händen nehmen lassen. Klar, sie haben zwei überragende Profispieler, aber wie man im vierten Viertel gesehen hat, können wir durchaus mit ihnen mithalten", sagte Longhorns-Coach Aidin Kabir nach der Partie. Seinem Team habe zu Beginn die Intensität gefehlt, es habe versäumt, den Kampf anzunehmen. "In den kommenden Wochen müssen wir zum einen an unserer Einstellung arbeiten, wobei hier das vierte Viertel und die Charaktere in unserer Mannschaft große Hoffnung machen. Zum anderen müssen wir nun an den Details feilen, was noch seine Zeit dauern wird. Aber ich bin guter Dinge, dass wir auch das bewältigen werden."