Lange hat es gedauert bis die SG Höchstadt/Gremsdorf einen neuen Spielertrainer präsentieren konnte, nachdem Alexander Jeromin Ende September seinen Rückzug bekanntgegeben hatte. Mittlerweile ist die Katze aus dem Sack. Wie unser Partnerportal anpfiff.info erfahren hat, kommt der neue Mann von einem direkten Liga-Konkurrenten.

André Ruschig soll es richten und die Mission Klassenerhalt in die Tat umsetzen. Der 28-Jährige macht nach einem halben Jahr Schluss beim 1. FC Niederlindach und sucht eine neue Herausforderung. "Ich habe das über einen Arbeitskollegen mitbekommen und dann Kontakt mit ihm aufgenommen", sagt der bisherige SG-Interimstrainer Andreas Riedel, der in ersten Gesprächen einen guten Eindruck gewonnen hat und zunächst keine Vertragsfrist mit Ruschig vereinbart hat. "Ich bin davon überzeugt, dass es eine gute und lange Zusammenarbeit wird. André ist ein guter Junge, der uns mit Sicherheit weiterhelfen wird. Sowohl als Spieler als auch als Trainer."

Dass Ruschig beim 1. FC Niederlindach schon nach wenigen Monaten das Handtuch wirft, war für Außenstehende nicht abzusehen, aber intern sind wohl einige Dinge nicht so gelaufen wie erhofft. "Am Ende waren kaum noch Spieler beim Training, so dass wir oft absagen mussten", beschreibt Ruschig die negative Entwicklung, die zu seinem Abschied führte.


Der Weg war frei

Für Horst Biemel, zweiter Vorsitzender beim FCN, kam Ruschigs Abgang nicht ganz so überraschend. "André hat schon im Oktober angedeutet, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht. Deshalb haben wir ihm keine Steine in den Weg gelegt, aber auch klargemacht, dass er nur eine Freigabe erhält, wenn er als Spielertrainer bei einem anderen Verein anheuert." Laut Biemel sei Ruschig die Aufgabe in Niederlindach engagiert angegangen, habe viele Spieler mitgebracht. Allerdings auch einen, der menschlich absolut nicht zum Verein passte.

"Das ist darin gegipfelt, dass ich diesem Spieler ein Platzverbot ausgesprochen habe", erinnert sich Biemel. Andere Akteure hätten sich daraufhin mit ihrem Teamkameraden solidarisiert und sich ebenfalls verabschiedet. Dass die Trainingsbeteiligung danach noch schlechter wurde, habe auch daran gelegen, dass nicht alle mit Ruschigs Art klargekommen seien, sagt der Funktionär, der von einer Trennung in beidseitigem Einvernehmen spricht.

In Höchstadt sieht Ruschig wohl bessere Optionen, auch wenn die Tabellensituation nicht rosig ist. "Ich habe mir das lange überlegt. Aber in Höchstadt passt das Grundgerüst, weshalb der Tabellenplatz für mich erst einmal zweitrangig ist." Absteigen will der 28-Jährige freilich nicht. "Ich gehe davon aus, dass wir die Klasse halten und hoffe natürlich auch, dass es Niederlindach schafft."


Ideale Voraussetzungen

Der Spielertrainer geht seine neue Aufgabe optimistisch an. "Wir haben ja mit Lindach gegen Höchstadt gespielt. Da hat die Mannschaft gute Ansätze gezeigt, war aber nicht zwingend genug." Ein Umstand, den der neue Coach nun verbessern will. Dabei kann Ruschig auf das Team im Hintergrund vertrauen: "Er kann bei uns ruhig arbeiten und sich auf das Trainerdasein konzentrieren", stellt Andreas Riedel klar. Zwei Spielleiter hat jeder der beiden SG-Partner, dazu mit Cornell Engel einen Co-Trainer, der sich um die Reservemannschaft kümmert. Von den drei Sportarealen - Höchstadt hat immer noch zwei Standorte - gar nicht zu reden. "Es sind ideale Voraussetzungen für einen Trainer."

Personell soll es neben Ruschig keine Veränderungen bei der SG geben. Die Langzeitverletzten kehren langsam zurück. David Geier, Max Brehm und Jens Rakotz haben sich für die Rückrunde fit gemeldet. "Im Sommer wollen wir uns um Neuzugänge kümmern", schiebt Andreas Riedel nach. Die Ansprüche des TSV Höchstadt, der einst ans Tor der Bezirksliga klopfte und nun mit dem SC Gremsdorf kooperiert, sind sicherlich andere als ein hinterer Tabellenplatz in der A-Klasse 2 Erlangen/Pegnitzgrund. Riedel weiß aber auch: "Der Klassenerhalt wird kein Selbstläufer werden."


Den Ruhestand beendet

In Niederlindach hofft man indes, dass im neuen Jahr Ruhe einkehrt und die Mannschaft wieder enger zusammenrückt. Dafür hat Horst Biemel den erfahrenen Heinz Rühl aus dem Ruhestand geholt. Der 74-Jährige war beim FCN schon vor Ruschig im Gespräch gewesen und soll nun die Geschicke zusammen mit Metmin Zekiri (31) leiten, der sich nach eine Kreuzband-OP wieder zurückmeldet. "Wir hoffen, das wir mit dieser Mischung aus Alt und Jung auf dem Trainerposten das Team in die richtigen Bahnen lenken", betont Biemel. BB/johö