Die ersten sonnigen Frühlingstage locken die Motorradfahrer aus der Winterpause auf die Straße. "Leider gibt es bereits vier Todesopfer, allein in unserem Landkreis", berichtet Siegfried Nürnberger, der erste Vorsitzende der Gebietsverkehrswacht Höchstadt und betont gleich zu Beginn des Tages die Wichtigkeit des Trainings, denn: Sicherheit kann und muss trainiert werden.


Technik will beherrscht werden

Dazu versammelten sich rund 100 Teilnehmer aus dem Raum Höchstadt, Forchheim, Neustadt und Nürnberg auf den Firmengeländen von Baxter und Medwork, um verschiedene Fahrsituationen und -techniken zu üben.

"Der technische Fortschritt und immer ausgefeiltere Assistenzsysteme sind zwar gute Sicherheitsfaktoren, aber man muss auch lernen, sie zu beherrschen", erklärt Fahrlehrerin Heike Striegel. Um das Motorrad auch in Gefahrensituationen unter Kontrolle zu halten, trainierten die Fahrer unter ihrer Aufsicht das richtige Ausweichen und Bremsen. "Die Reifen sind das Bindeglied zwischen Motorrad und Straße. Bereits ein Stein kann euch ins Straucheln bringen. Deshalb ist auch die richtige Blickführung von entscheidender Bedeutung", sagt sie.


Vorausschauendes Fahren

Das vorausschauende Fahren und die Geschicklichkeit übten die Teilnehmer auch, indem sie ihre Maschinen in einem langsamen Slalom ausbalancierten, auf einer Kreisbahn in Schieflage brachten und viele weitere Parcours bewältigten.

Einen geschulten Blick braucht es auch, um das Motorrad nach dem Winter wieder fit zu machen und auf seine Verkehrssicherheit zu prüfen. Dazu gab Stephan Zeis von der Dekra hilfreiche Tipps und stellte sich den Fragen der Teilnehmer: Wie laut darf mein Motorrad sein? Worauf kommt es bei der Hauptuntersuchung an? Wann zahlt die Versicherung?


Helm ab oder nicht?

Der Notarzt Roland Maeumbaed und Peter Baierl vom Roten Kreuz sorgten für eine Auffrischung auf dem Gebiet der Ersten Hilfe, erklärten den Gebrauch des Defibrillators und die richtige Erstversorgung eines verletzten Motorradfahrers. Helm ab oder nicht? Das ist häufig eine schwierige Frage für die Ersthelfer, weil sie keine Verletzungen an der empfindlichen Halswirbelsäule riskieren wollen. Die beiden Experten stellten aber klar: Der Helm muss ab. Nur dann kann der Verletze in die stabile Seitenlage gelegt, oder bei Bedarf reanimiert werden. Am besten stabilisiert ein Helfer den Hals, während ein zweiter den Helm löst und vorsichtig abnimmt. "Es sind ganz einfache Handgriffe, die Leben retten können", fasst der Notarzt zusammen und ermutigt die Teilnehmer, im Ernstfall sofort zu helfen, denn nur wer gar nichts macht, macht alles falsch.

"Wir wollen mit der Verzahnung von Theorie und Praxis die Teilnehmer besonders auf Gefahrensituationen vorbereiten, denn diese können auf dem Motorrad schnell schwerwiegende Folgen nach sich ziehen", sagt Jochen Meier, der das Training mit organisiert hat und selbst viel auf seiner Touring-Maschine unterwegs ist. Gleichzeitig sollen die Fahrer auch im Alltag mehr Sicherheit gewinnen, denn das ist es, was schließlich zählt: "Das richtige Fahrgefühl und die Freude am Fahren."