Sind ältere Autofahrer eine besondere Gefahr im Straßenverkehr? Die Unfallstatistik der Höchstadter Polizei liefert dazu ein eindeutiges Nein. Bestätigen kann diese Aussage, wer am Dienstag die acht Damen und vier Herren im fortgeschrittenen Alter erlebt hat, die mit ihren Autos zum Fahrtraining auf das Bauhofgelände in Hemhofen gekommen waren.

"Niemand kann sich hier blamieren oder muss gar Angst um seinen Führerschein haben", sagt Siggi Nürnberger, Vorsitzender der Verkehrswacht Höchstadt, der zu dem speziellen Fahrtraining für Senioren eingeladen hatte. Die Landesverkehrswacht Bayern startete die Initiative für dieses Training, das älteren Autofahrern ab 65 die Möglichkeit geben soll, "das eigene Können hinterm Steuer praktisch zu testen und gemeinsam mit Experten zu hinterfragen".


Bis das ABS rattert

Die 75-jährige Karin Rößler gibt zu, vorher "ein wenig Angst" gehabt zu haben. "Aber jetzt bin ich froh, dass ich dabei bin", sagt sie nach einer Gefahrenbremsung, bei der sie so stark in die Eisen treten musste, bis das ABS-System aktiv wurde. Rößler freut sich, dass es noch geht, möchte sie doch in Hemhofen ihr Auto nicht missen.

Viele der Teilnehmer erlebten auf dem Bauhofgelände ihre erste richtige Vollbremsung. Sehr zur Freude von Organisator Nürnberger, der mit den Fähigkeiten seiner Schützlinge überaus zufrieden war - der älteste war immerhin schon 86 "und fährt noch mit Bravour". Ein Slalomparcours wartete ebenso auf die älteren Fahrer, wie das Einparken und Rangieren.

Geübt wurde aber nicht nur im "Schonraum" Bauhof. Mit der Höchstadter Fahrschulinhaberin Heike Striegel fuhren jeweils drei Teilnehmer im Fahrschulauto hinaus in den realen Verkehr. Es ging über Kreisverkehre, knifflige Einfahrten und durch Tempo-30-Zonen.


Blick über die Schulter

Heidrun Kawan (74) hat auch diese Übungsfahrt "richtig Spaß gemacht". Sie, die zusammen mit ihrem Mann etwa 20 000 Kilometer im Jahr am Steuer sitzt, war neugierig darauf, was der Fahrlehrer sagt. Ihr wurde auf der Übungsfahrt klar, dass der Blick über die Schulter immer noch unerlässlich ist, auch wenn man meint, über die Rückspiegel schon alles zu sehen. Keine Probleme hat sie beim Einparken: "Ich versuche auch, in die kleinste Lücke zu kommen."

35 Euro haben die Senioren für das Fahrtraining bezahlt. Dafür gab es auch eine Stärkung in der Pause und Theorie. Siggi Nürnberger erklärte neue Regeln, wie beispielsweise das richtige Verhalten, wenn von hinten der Notarzt mit Blaulicht anrückt.

Die freiwillige Teilnahme an Fahrtrainings für Senioren hält auch Höchstadts Polizeichefin Christiane Lederer für eine gute Sache. Eine gewisse körperliche Fitness sieht sie als Voraussetzung für Senioren am Steuer. Sie älteren Fahrer und ihre Familienangehörigen sollten darauf achten.

Mit Blick in die Statistik stellt die Höchstadter Dienststellenleiterin fest, dass Senioren als Unfallverursacher nicht überrepräsentiert sind: "Jeder fünfte Mensch ist älter als 65, aber nicht jeder fünfte Unfall wird von Senioren verursacht."

Im Bereich der Polizeiinspektion Höchstadt wurden im vergangenen Jahr 51 Unfälle mit Personen- oder Sachschäden von Senioren verursacht. Hauptursachen waren Fehler bei der Vorfahrt, beim Wenden und beim Abbiegen. Die Geschwindigkeit spielte laut Lederer als Unfallursache kaum eine Rolle. "Senioren bewegen sich im Straßenverkehr vorsichtiger", sagt die Polizeichefin. Dafür steige mit dem Alter aber das Risiko, bei Unfällen schwere Verletzungen zu erleiden.