FT: Wie war die Fernsehausstrahlung des Films "Sektenkinder - zum Dienen geboren" für Sie? Welche Gefühle haben Sie jetzt?
Christine: Ganz ehrlich - fast ein bisschen angenehme Gefühle. Dass endlich mal jemand aufmerksam wird. Ich hatte manchmal den Eindruck, gegen Gummiwände zu laufen, wenn ich sage, dass es den Kindern nicht gut geht. Dann heißt es, sie seien doch wohl genährt und es fehle überhaupt nichts. Da bin ich jetzt froh, dass sich etwas geändert hat oder hoffentlich ändern wird. Das war ja der Grund, warum ich überhaupt mitgemacht habe. Ich will für die Kinder etwas erreichen.

Ist also ein Knoten aufgegangen?
Das würde ich so nicht formulieren. Denn ich bin ja noch längst nicht sicher, dass wirklich etwas passiert. Es kann ja auch sein, dass sich die Betroffenheit ganz schnell wieder verflüchtigt. Keine Ahnung.

Dürfen Sie die Kinder momentan sehen?
Im Moment nicht. Mein Mann und ich waren an Weihnachten das letzte Mal dort und haben gefragt, ob wir die Kinder wenigstens mal für einen Tag zu uns nehmen dürfen, damit sie mal was anderes sehen. Ich habe mir das als Ergänzung gedacht, um meinem Sohn zu helfen. Ich wollte etwas ausgleichend wirken. Aber das war nicht möglich.

Warum hat sich ihr Sohn überhaupt der Sekte angeschlossen?
Es war ja zuerst seine Frau, die hineingeraten ist. Sie hatte Probleme, entdeckte diese Gruppe und war in der ersten Zeit richtig glücklich. Bei Sekten wird man ja am Anfang hofiert und mit Liebe überschüttet. Dann ist er halt auch mitgegangen

Er verzweifelte also nicht an der Welt?
Nein. Das ist ihm so nach und nach eingetrichtert worden. Diese auswendig gelernten Sachen, die sie so schön herunterbeten können. Mein Sohn vollbringt ja Höchstleistungen. Wenn man sich vorstellt, wie gering seine Geldeinnahmen sind. Davon fließt - ich weiß nicht wie viel, aber bestimmt genug an diesen Guru. Und trotzdem bringt er die Familie irgendwie über den Monat. Bis das nächste Kindergeld kommt. Es kann zwar sein, dass am Monatsende das Essen mal mehr als kläglich ist. Deshalb haben wir ja so lange seinen Wünschen nachgegeben und ihn unterstützt. Bis wir gemerkt haben, dass so viel Geld nach Ailsbach geht.

Viele Menschen meinen jetzt, sie müssten Geld oder Lebensmittel spenden.
Um Himmels willen. Kein Geld spenden. Die Menschen sollen das Geld aufheben in der Hoffnung, dass das Jugendamt etwas macht. Und dann brauchen die Kinder alles Mögliche.

Sind Sie jemals mit dem Guru in Kontakt getreten?
Nein.

Hat der Guru noch andere Anhänger?
Es gibt lose Anhänger. Manche sind ja schon ausgetreten. Aber da ist keiner ohne Geld gekommen.

Wie kommt es, dass der Guru eine Journalistin in sein Haus ließ?
Das ist die persönliche Leistung von Beate Greindl. Dass sie es geschafft hat, den Guru zu überzeugen, dass sie ernsthaft Interesse an seiner Gruppe hat. Was für ein großes Glück.

Wie geht es weiter?
Ich hoffe inständig, dass den Kindern geholfen wird - auf welche Art auch immer.