Es ist in dem Erlanger Ortsteil Dechsendorf ein wenig wie am schottischen See "Loch Ness". Aber nur ein wenig. In Britannien wird das "Ungeheuer von Loch Ness" besser vermarktet. Das "Ungeheuer am Dechsi" gewinnt erst langsam an Aufmerksamkeit.

Dabei hat man von der Stadt Erlangen alles versucht, das Monster zu etablieren. Nun gut, es ist zwar drachenähnlich, aber eben nur eine Schildkröte. Immerhin eine Schnappschildkröte! "Und die können unter bestimmten Umständen sehr aggressiv reagieren", hatte die 2. Bürgermeisterin und Schnappschildkrötenbeauftragte Susanne Lender-Cassens bei der Pressekonferenz erläutert.

Die ersten Skurrilitäten gab es dann auch gleich wegen des Namens. Denn das von nur zwei Spaziergängern gesehene Tier, das sich bei der ersten Meldung der anrückenden Polizei durch eine rasche Flucht entzog, braucht natürlich auch einen Namen. Eine Zeitung fand den Namen eines bissigen kolumbianischen Fußballspielers für passend. Die Dechsendorfer selber haben sich mehr mit der Namensgebung unserer Zeitung angefreundet: Carla. Das ist kurz, griffig und bleibt vor allem über Jahre aktuell. Der Beißer-Name ist irgendwann wieder vergessen.


Sommergeschichten am Weiher

Begeisterung schwang bei allen Pressekonferenzteilnehmern mit, als sie ihren Blick ins Allgäu lenkten. Dort hatte "Lotti" seit 2012 ihr Unwesen getrieben. Wenn man es als Unwesen bezeichnen kann. Innerhalb von zwei Jahren hat die Schildkröte, die sich im Oggenrieder Weiher niedergelassen hatte, immerhin einem Jungen die Achillessehne mit einem gezielten Biss durchtrennt. Der war zuvor auf die im Schlamm vergrabene Lotti draufgetreten. Dann ward das Panzertier aber nicht mehr gesehen. Profitiert haben die Anrainer des Weihers dennoch: Hunderte von Schaulustigen, mehr oder weniger professionelle Krötenjäger und Unmengen an Medienvertretern bevölkerten den Weiher zwei Jahre lang.

Im Fall "Nessie" wurde dieses Sommerloch regelrecht zur schottischen Dauereinrichtung. Die meisten Wissenschaftler und Experten erklären die Berichte über Nessies Existenz allerdings als Falschmeldungen. "Regional ist der Mythos zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden, da der See heute eines der Hauptziele für den Tourismus in Schottland ist", berichtet der Experte Adrian Shine in diversen Internetforen.

Dem gebeutelten Dechsendorf würde so eine Einnahmequelle sicher gut tun. Herrscht doch seit einigen Tagen wieder Ebbe im Portemonnaie der weiherabhängigen Geschäftsleute, verursacht durch eine Algenflut im Weiher. Vor wenigen Wochen, als Carla auftauchte, hatte der Weiher noch eine "Drei-Sterne-Qualität". Bestes Badewasser, fast Trinkwasser geeignet. Doch nun beherrschen neben der Kröte die Blaualgen den Weiher. Das hat zur Folge, dass die Besucher wieder weg bleiben. Denn ein Weiher ohne Bademöglichkeit ist selten ein gutes Ausflugsziel. Es sei denn, man kann vielleicht mit einer Attraktion locken... Es ist ein Schelm, der Böses dabei denkt.


An falscher Stelle gesucht

Es gibt aber einen interessanten Aspekt: Die Menschen, die zurzeit an den Weiher strömen, wie andere Medien berichten, suchen an ganz verkehrter Stelle. Robert Schmidlein, regelmäßiger Läufer am Weiher, amüsiert sich: "Im Dechsendorfer Weiher werden die Carla sicher nicht entdecken." Die Spaziergänger, die Carla gesehen haben, berichteten von dem Fund zwischen dem Kleinen Bischofsweiher und dem Dornweiher. Der Dechsendorfer Weiher oder "Großer Bischofsweiher" wie er richtig heißt, ist einen guten Kilometer von dieser Stelle entfernt - die Badestellen sogar 2,5 Kilometer. Aber um das richtige Maß an Panik zu erzeugen, sind die Bilder vom Badeweiher angebrachter.

Auskunft darüber, was passieren sollte, wenn jemand die Schildkröte - wo auch immer - entdeckt, gibt der Kommandant der Dechsendorfer Feuerwehr Thomas Schneider: "Wenn über die 112 alarmiert wurde, kommen Einsatzkräfte der Ständigen Wache Erlangen. Wir unterstützen diese, da wir die entsprechenden Ortskenntnisse haben." Beim erfolgreichen Fangversuch sollte die Schildkröte in einen Behälter gesetzt werden, um dann Experten übergeben zu werden.

Wie ernst es die Stadt mit der Carla meint, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Da gibt es nämlich drei große Open-Air-Konzerte am Badeweiher. Wenn Carla so gefährlich ist, wie behauptet wird, sollte man diese vielleicht absagen. Oder Carla den Tipp geben, dass sie mal für drei Tage untertaucht.