Eine Weinbergschnecke samt Glühwürmchen krabbelt gemütlich über die Südseite des Turms. Ganz oben fliegen Fledermäuse durch die nächtliche Szenerie. Feldlerchen und Kiebitze, Schleiereule und eine riesige Heuschrecke sind auf dem Bauwerk auszumachen. Der Artenschutzturm oberhalb von Rambach, einem Ortsteil der Stadt Schlüsselfeld, zeigt an allen vier Seiten auf, was in der Umgebung so kreucht und fleucht. Die "Kunst am Turm" stammt von Michael Horn aus der Nähe von Hersbruck. Neben seiner Attraktivität hat das in der Landschaft auffallende Bauwerk aber einen tiefen Sinn.

Die "Stele der Biodiversität" ist ein ehemaliges Trafo-Haus, das zu einem Rückzugsort für die verschiedensten Tierarten umgestaltet wurde. Die Schaffung des Artenschutzturms - ein gemeinsames Projekt der ehrenamtlichen Organisation Artenschutz in Franken und der Stadt Schlüsselfeld - wurde von der Deutschen Postcode-Lotterie und dem Bayernwerk unterstützt. Jetzt wurde der Turm mit dem "UN-Preis Biologische Vielfalt" ausgezeichnet.

Nachhaltige Nisthilfen

Öffnungen für Wildbienen, kleine Vogelarten, Löcher für Fledermäuse und Nistkästen für Greifvögel sind auf allen vier Seiten in den Turm eingelassen. Zuvor habe man sehen wollen, ob der Turm für die Tiere "interessant" sei, erzählt Thomas Köhler, der Vorsitzende von Artenschutz in Franken. Nisthilfen wurden anmontiert und die Resonanz sei "super" gewesen. Nachdem Nisthilfen jedoch verfallen, sollte "etwas Nachhaltiges" geschaffen werden. Die jetzt im Mauerwerk eingelassenen "hochwertigen Quartiere" seien völlig wartungsfrei. Eine weitere Intention hat der Artenschutz mit dem Turm verbunden: "Wir nehmen die Jugend an die Hand", sagt Köhler. Eine Infotafel wurde angebracht, die das Interesse der "Smartphone-Generation" für die Artenvielfalt wecken soll. Über einen QR-Code kann man sich ins Internet einloggen und die Entwicklung des Projekts vom Start bis in die Zukunft verfolgen.

Eigentümer ist die Stadt Schlüsselfeld, der das Trafohaus durch die Bayernwerk AG überlassen wurde. Die Stadt sei auch für den Unterhalt zuständig. Kosten seien der Stadt nicht entstanden, sagt Bürgermeister Johannes Krapp (CSU). Die Deutsche Postcode-Lotterie habe das Projekt mit 20 000 Euro gefördert. "Wir sammeln durch die Lose Gelder, um sie dann für gute Zwecke auszugeben", erklärte Conny Michels, Referentin der Postcode-Lotterie. Das Bayernwerk habe seinen Beitrag mit dem Ausbau der Technik und der Freischaltung geleistet und die dabei entstandenen Kosten übernommen, informierte Edgar Müller. Dadurch habe man sich einerseits die Abbruchkosten gespart. Andrerseits seien die Trafos aber auch markante Zeitzeugen, mit denen auch ein Stück Zeitgeschichte für immer verschwinde.

Durch die attraktive Gestaltung solle der Turm auch für Schüler und Jugendliche interessant werden. "Die nachwachsenden Generationen müssen ein Gespür für die Artenvielfalt bekommen", so Krapp. Die Auszeichnung ist ein undotierter Preis, den Landrat-Stellvertreter Johann Pfister (BBL) übergab. Urkunden gingen an Thomas Köhler (Artenschutz), Bürgermeister Krapp (Stadt Schlüsselfeld), Conny Michels (Postcode Lotterie) und Edgar Müller (Bayernwerk). Damit wird der Artenschutzturm als offizielles Projekt der "UN-Dekade Biologische Vielfalt" gewürdigt. "Eine tolle Geschichte", lobte Pfister. Der Landkreis Bamberg freue sich, dass Schlüsselfeld wieder einmal Vorreiter sei.