Der Scherz ging nach hinten los. Im April 2017 wollten die Teilnehmer eines Lehrgangs der Feuerwehr ihren Ausbilder mit einem Gag verabschieden. Sie sperrten ihn auf dem Hof der Erlanger Feuerwache in einen Käfig zur Aufbewahrung für Schläuche und besprühten ihn mit Löschschaum - eine Feuerbekämpfung, die die Lehrlinge vom Ausbilder an diesem Tag beigebracht bekommen hatten.

Für den Ausbilder, einen Erlanger Feuerwehrmann, der aus Marloffstein stammt, hörte hier der Spaß jedoch auf. Er fühlte sich in dem Käfig mehr als unwohl, bekam nach eigenen Angaben Platz- und Erstickungsangst wegen des Schaums, der gefährlich für Schleimhäute und Atemwege ist. Die Folge: eine Panikattacke. Der Mann gibt an, mehrere Monate arbeitsunfähig gewesen zu sein. Zudem habe er sich in psychotherapeutische Behandlung begeben müssen.

Gefährliche Körperverletzung

Der Verabschiedungsspaß des Kurses, der von der Fürther Feuerwehr durchgeführt wurde und Teilnehmer aus ganz Bayern hatte, hat nun ein juristisches Nachspiel. Gegen zwei Männer läuft derzeit vor dem Amtsgericht Erlangen ein Prozess. Ein 29-jähriger Kursteilnehmer aus Werneck ist wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er soll die Schaummaschine angestellt haben. Ein Mann aus Lonnerstadt, Jahrgang 1962, Ausbilder bei der Fürther Feuerwehr, sitzt wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung auf der Anklagebank.

Zuvor wurde gegen acht weitere Teilnehmer das Verfahren eingestellt. Sie hatten sich bereit erklärt, jeweils 1000 Euro an den Geschädigten zu zahlen.

Für die beiden jetzt Angeklagten sind bisher insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt, um im Detail zu klären: Was geschah genau auf der Feuerwache? Wie groß war die Gefahr für den Geschädigten? Und: Wer hatte warum die Idee dazu?

Wie üblich sind Schaumduschen?

Gerade Letzteres ist für den angeklagten Lonnerstadter relevant. Er habe in seiner Powerpoint-Präsentation auf solche Verabschiedungsriten hingewiesen und behauptet, bei der Fürther Feuerwehr sei so etwas üblich. Das sagte gestern einer von zwei Zeugen aus. Der Vorwurf: Er habe die jungen Feuerwehrmänner so erst auf die Idee gebracht. Eine seiner Präsentationsfolien habe ein Foto eines an ein Tor gebundenen Mannes gezeigt, der mit Schaum übergossen wird.

Bei den Zeugen am Mittwoch handelte es sich sich um einen Kursteilnehmer und Arbeitskollegen des Opfers auf der Erlanger Wache sowie um einen anderen Ausbilder, von der Fürther Wehr. Beide waren am besagten Tag anwesend. Nein, üblich sei eine Schaumdusche nicht, sagt der Fürther. Im Sommer aber, beim Waschen des Feuerwehrwagens etwa, komme es schon mal zum Spaß, sich gegenseitig mit Wasser voll zu spritzen. Zudem habe man als Feuerwehrmann ja eine Schulung bekommen, sei eigentlich "robust" gegenüber Platzangst-Situationen.

Freiwillig in den Käfig?

Beide Zeugen gaben an, das Opfer habe sich durchaus freiwillig in den Käfig bewegt. "Die Situation war durchaus spaßig", sagt der 25-jährige Zeuge. Niemand habe dem Ausbilder etwas Böses gewollt. Er selbst habe nicht an der Aktion teilgenommen. Hat das Opfer keine Anzeichen gegeben, dass er das nicht wolle, fragte Richterin Birgit Griem. Beide Zeugen sagten aus, sie hätten den Eindruck gehabt, dass der Ausbilder freiwillig in den Käfig gegangen sei.

Wie dicht war die Schutzbrille?

Der Mann habe vorher eine Schutzbrille erhalten. Ob diese die Augen dicht vor dem Schaum schützte, könnten sie nicht beurteilen. Die Schaumdusche habe rund fünf Sekunden gedauert. Dann habe der Ausbilder geschrien und sei in Panik geraten. Da habe "die Meute" erst gemerkt, dass aus dem Spaß Ernst geworden ist. Der Prozess wird am 12. Juni fortgesetzt.

Weitere Meldungen: Neustadt bei Coburg: Dachstuhlbrand in Mehrfamilienhaus