Damit hatte Sigi Fried nicht gerechnet. Als am Sonntagabend sich die 66. Sommerkirchweih dem Ende zuneigte, versammelten sich fast alle Kellner vor dem KCH-Keller und trugen einen Biertisch mit all ihren Unterschriften mit sich. Denn es ging auch eine Ära zu Ende. Einer der bekanntesten und dienstältesten Herzo-Kellner stellte nach einem Vierteljahrhundert auf der Kerwa seine letzten Maßkrüge auf die Tische. Grund genug für seine Kollegen, den 55-jährigen Siegmund "Sigi" Fried mit einem besonderen Abschiedsgeschenk zu überraschen.

25 Jahre sind es her, dass Sigi Fried zum ersten Mal auf der Sommerkirchweih bedient hat. Damals, als nach langer Abstinenz auch wieder der erste Baum im Weihersbach aufgestellt wurde, begann er auf dem Polster-Keller, dem heutigen Rockkeller. Den führte zu dieser Zeit Josef Hubmann, erinnert sich Fried. Dann wechselte der Wirt nach unten seitlich ans Podium, dort wo jetzt der KCH residiert. Sigi ging mit und pendelte anschließend zwischen Hubmann- und dem Spotz'n-Keller des Nachbarn Paul Galster hin und her. Seit der Karnevalsclub (KCH) den Keller hat, bildete Fried zusammen mit Bernd Neubauer dort die Stammmannschaft.


Zehn Tage Knochenarbeit

"Irgendwann muss einmal Schluss sein", sagt der 55-Jährige. Denn Kellnern ist eine Knochenarbeit, zehn Tage Maßkrüge schleppen gehen an die Substanz. Auch wenn man ein kräftiger Mann ist. Jetzt sollen die Jüngeren ran. Denn seinen Nebenjob als Bedienung macht Sigi Fried, der hauptberuflich das Konferenzzentrum bei Schaeffler betreut und am Montag nach der Kerwa schon wieder zuverlässig um halb acht Uhr morgens angetreten ist, schon viel länger. Seit er 18 ist, also seit 37 Jahren, kellnerte er quer durch den Landkreis und darüber hinaus.

Seine Aufträge in diesem Jahr erledigt er noch, so beim Altstadtfest in Höchstadt und bei Ingo Sauer zur Kerwa in Röttenbach. Und im nächsten Jahr auf der Sommerkirchweih in Herzogenaurach wird er nicht ganz fehlen. In der Schenke gibt es immer Arbeit, sagt er. "Nur Gläser spülen tu ich nicht." Den KCH-Vorsitzenden Gerd Engert wird es freuen. "Der Sigi Fried und der Bernd Neubauer sind die besten Kellner, die wir haben", lobte Engert am Sonntag.


Die Kellner verstehen sich

"A wenig müde" sei er gewesen, nach den zehn Tagen Hochleistung, sagt Fried. Es war eine gute Kerwa, mit prima Wetter und viel Arbeit. Und so kann er sich mit Freude in seinen Kellner-Ruhestand verabschieden. Dass seine Kollegen quer durch alle Keller ihm dieses Abschiedsgeschenk gemacht haben, kam für ihn überraschend. "Das hat mich schon etwas berührt", sagte er im FT-Gespräch am Montag. Und es sei auch ein Zeichen dafür, "dass wir uns verstehen." Das war nämlich nicht immer so. "Früher waren wir nicht so eine Einheit wie jetzt", sagt Sigi.


Der Mann mit der Lederhose

Fried ist anerkannt bei seinen Kollegen. Michael Schöpp, der bei Renate Maier auf dem Ansbacher-Tor-Keller kellnert, zollt dem Sigi Lob und Respekt. Ein herzensguter Mensch sei er, immer gut drauf und nie schlecht gelaunt. Und ein Kollege vom Hager-Keller, Bernd Mühlbach, ergänzt, dass Fried der Ansprechpartner für die Kellner gewesen sei. "Der hat immer alles gemanagt". Und er habe die Lederhose eingeführt.

Darauf ist Siegmund Fried selber stolz. "Ich hab damit angefangen, in der Lederhose zu kellnern", sagte er. Fast alle Kollegen trugen damals weiße Jacken, doch "ich wollte diese Fräcke nicht". Mittlerweile tragen auch die meisten Kollegen Lederhose. Die Liebe zur Tracht ist eine Schwäche, von der andere profitieren können. Wie der fünfjährige Hannes Deschner zum Beispiel. Immer wenn sein Bub in der Lederhose auf Kerwa kam, hat ihm der Sigi ein Limo spendiert, berichtet Papa Stefan.

Jede Menge junger Kirchweihgäste, aber auch aktive Kerwasburschen habe er aufwachsen sehen, sagt Kellner Sigi. Und Scharen von Leuten sind ihm in all den Jahren über den Weg gelaufen, von denen ihn viele auch im privaten Leben angesprochen haben. "Ich kenne Sie irgendwoher, aber woher?", heißt es dann oft. "Dann sag ich den Leuten: Machen Sie die Augen zu und stellen Sie mich in Lederhosen vor". Und schon hat's geschnackelt.

Fried erinnert sich gerne daran, dass er die Namensschilder eingeführt habe. Herzokellner stand da drauf, und das schon vor 20 Jahren. Heute ist Herzo das Markenzeichen der Stadt. Die Herzogenauracher Kirchweihmannschaft war ihrer Zeit eben schon eine Weile voraus.