Die Wanderfreundin Ruth Kuhn wurde am Mittwoch vom Vorsitzenden Friedrich Beck im Röttenbacher Vereinslokal "Gasthaus große Eiche" für 80.000 zurückgelegte Wanderkilometer - zwei Mal um die Welt - ausgezeichnet. Das hat im Verein bis jetzt noch keiner geschafft. Das Wertungsheft, in dem Teilnahme und Kilometer vermerkt und abgestempelt sind, ist der Beweis.

Gerade hat sie ihren 75. Geburtstag gefeiert: Ruth Kuhn ist seit 1978 Mitglied und nun ehemalige Wanderwartin bei den Wanderfreunden Röttenbach. Die 80.000 Kilometer hat sie in den letzten 30 Jahren bergab und bergauf wandernd zurückgelegt. Darunter waren 270 Marathonläufe von je 42 Kilometern und zehn 50 Kilometermärsche. Der FT traf die kleine energische Dame in Wanderkluft zu einem Gespräch, natürlich beim Wandern.

Mit Costa Cordalis unterwegs

"Die 80.000 Kilometer waren mein Traumziel und es hat sich erfüllt", strahlt sie zufrieden. Neben den oben genannten Strecken absolvierte sie des öfteren auch Weitwanderwege bis zu 200 Kilometer Länge. Fünf Mal wurde sie schon für geführte Wanderungen ausgezeichnet und ihre Wanderwege befanden sich auch auf Mallorca, in der Schweiz, in Südtirol, Frankreich und Österreich. "Meine härtesten Wanderungen waren der Karwendelmarsch mit einer Länge von 53 Kilometern, der Steinbockmarsch mit 30 Kilometern, der Ebbser Koarsamarsch mit 40 Kilometern sowie Hüttenwanderungen bis 3000 Meter Höhe, die aber nicht zu den 80.000 Kilometern dazu gerechnet wurden", berichtet sie, ohne aus der Puste zu kommen. Sogar mit Costa Cordalis ist sie schon unterwegs gewesen.

Den letzten Marathon hat sie im vergangenen Jahr absolviert - also mit 74 Jahren. Bis heute wandert sie jedes Wochenende zusammen mit ihrem Mann. "Angefangen hab' ich mit diesem Hobby erst vor 35 Jahren. Da war ich 40 Jahre alt", erzählt sie. "Ich hatte starke Venenprobleme und wurde an beiden Beinen operiert." Der Arzt gab ihr den Rat, es gäbe nichts Besseres, als zu laufen. "Das hab' ich mir zu Herzen genommen und hab' angefangen zu wandern", sagt sie und lacht verschmitzt.

Therapie ist ihr gut bekommen

Man sieht es ihr an, dass diese Therapie ihr bestens bekommen ist. "Mein Mann ist sechs Jahre älter als ich und er kann wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr die ganzen Strecken mitlaufen, aber er ist immer dabei und wartet halt dann auf mich." In den letzten zwei, drei Jahren nimmt sie bei schweren Steigungen auch schon mal Stöcke. Um ihre ganzen Aktivitäten auch wirklich nachweisen zu können hat sie einige ihrer über 50 Wanderhefte dabei, in denen die genauen Strecken aufgeführt sind, Stempel zum Streckennachweis zu sehen sind und dann noch Bilder, Prospekte und kleine Landkarten eingeklebt sind. Auch die Unterschriften der anderen Teilnehmer findet man. Diese Hefte sind ihr ganzer Stolz. "Und wenn ich jetzt nicht mehr so lange Strecken wandere, das heißt nur noch zehn bis 20 Kilometer am Samstag und Sonntag, schaue ich mir diese Hefte zu Hause immer gerne an und erinnere mich mit Freude an diese herrliche Zeit.

"Ich hab wirklich wunderschöne Sachen erlebt, bin mit mir selbst zufrieden und freu' mich über die gelungenen Wanderungen - auch wenn sie manchmal hart und schwer waren." Die ganzen Hefte hebt sie natürlich auf, "denn wenn ich die anschau', kommen wieder die Erinnerungen und die Freude und der Spaß von damals hoch", schwärmt sie. "Das hab ich alles mal geleistet - es waren die schönsten Jahre meines Lebens!"
Gesundheitliche Probleme kennt die rüstige Mittsiebzigerin seit sie wandert überhaupt nicht mehr. Anfang Oktober ist sie natürlich beim 3. Jubiläumsmarathon der Röttenbacher dabei, aber diesmal nicht als Wanderin, sondern als Helferin und Kontrolleurin. Wie viele Wanderschuhe sie schon durchgelaufen hat? "Ich hab so im Schnitt jedes Jahr zwei Paar Wanderschuhe gebraucht - aber nur gute."