Vor einem halben Jahrhundert begannen Menschen, die in Erlangen arbeiteten, ihren Wohnsitz in den umliegenden Dörfern zu suchen. Dort entwickelten sich bald große Baugebiete. So in Hemhofen südöstlich des alten Orts am Rande des Markwalds in der Leithe.

Die Abwasserkanäle sind nun 50 Jahre alt und zum Teil sehr marode. 2007 ließ die Gemeinde diese Kanäle untersuchen. Und stellte Handlungsbedarf fest. Doch noch dringendere Sanierungsarbeiten im Ortsteil Zeckern banden die Finanzmittel der Kommune. Der neue Gemeinderat unter Ludwig Nagel (CSU) geht dieses Problem nun an.

Stephan Endres vom Ingenieurbüro Miller legte dem Rat ein Sanierungskonzept für das laufende Jahr vor. Demnach sind über sechs Kilometer Kanäle, Straßenentwässerungsleitungen und Hausanschlüsse zu erneuern. Der Fachmann stellte zwei Varianten vor.

Werden nur die Teilstücke, die in die Schadensklassen 0 (sofortiger Bedarf) und 1 (kurzfristig zu sanieren) eingestuft sind, durch Robotereinsatz und Inliner saniert, kostet das rund 603 000 Euro.

Nutzungsdauer erhöht sich um 25 bis 50 Jahre

In seinem zweiten Vorschlag nahm der Ingenieur noch ein Teilstück von 546 Metern auf. Hier ist ein kleines Stück "besserer" Kanal miteinbezogen, eine Sanierung kommt auf rund 756 000 Euro. Nach der Sanierung in geschlossener Bauweise erhöht sich die Nutzungsdauer wieder um 25 bis 50 Jahre, versicherte der Ingenieur. Bis auf punktuelle Aufgrabungen müssen die Straßen nicht angegangen werden.

Deren Erneuerung hat der Bürgermeister aber ebenfalls schon im Blickfeld. Er rechnet damit, dass in einem halben Jahr ein Konzept dafür steht und er dann die Anwohner informieren kann. "Die Inliner sind selbsttragend, wenn sie ausgehärtet sind", weiß Endres aus Erfahrung. Diese neuen Rohre leiden deshalb nicht unter einem späteren Straßenbau.

Hemhofens Problem sind nicht fehlender Wille, sondern fehlende Geldmittel. Bislang sind im Haushaltsentwurf für Kanalsanierungen nur 300 000 Euro vorgesehen.

Da der Rat einstimmig zur größeren Lösung tendierte, gab Nagel dem Finanzausschuss, der in der nächsten Woche tagt, die Aufgabe, rund 700 000 Euro im Etat unterzubringen. "Er soll beraten, welche anderen Posten gestrichen werden können, damit wir keine Neuverschuldung eingehen müssen", gab Nagel vor. Eine pragmatische Lösung brachte Endres noch ein.

Man könne Gewerke getrennt vergeben, die Strecken der Inlinersanierung noch 2015 erledigen lassen und die Teile, wo Roboter punktuelle Schäden beheben sollen, erst 2016 ausführen lassen, empfahl der Tiefbauexperte.